02.03.2015 – UNESCO kann Stierkampf nicht einen positiven Anstrich geben

Stellungnahme der Fondation Franz Weber zur Absicht von Spaniens Regierung, den Stierkampf bei der Unesco als Weltkulturerbe registrieren zu lassen.

Beim Kampf gegen den Stierkampf ist die Fondation Franz Weber (FFW) in allen acht Ländern, die den Stierkampf noch zulassen, dauerhaft präsent. Eine der wichtigsten Aufgaben der FFW in Iberien und Lateinamerika ist die Abschaffung von tierquälerischen Anlässen - vorrangig darunter natürlich die "Corrida", der Stierkampf.

Die FFW führt folgende Gründe an, warum die die Unesco den Stierkampf nicht als immaterielles Weltkulturerbe deklarieren kann:

1. Präjudiz: Unesco will nicht mit Corrida in Verbindung gebracht werden

Schon 2012 forderte die Unesco eine Stierkampf-Webseite auf, ein Unesco-Label sofort zu entfernen, nachdem sich die FFW über dessen missbräuchliche Benutzung beschwert hatte. Die Botschaft ist eindeutig: Die Unesco ist nicht mit der Corrida in Verbindung zu bringen.

2. Kinderrechte: Laut UNO-Definition verletzen Stierkämpfe die Integrität des Kindes

Im Rahmen ihrer Kampagne "Kinder ohne Gewalt" ist die FFW bereits zweimal beim UNO-Kinderrechts-Ausschuss vorstellig geworden. Denn: Stierkämpfe verletzen die UNO-Kinderrechtskonvention von 1989 in verschiedenen Punkten. In beiden Fällen empfahl die UNO darauf den kritisierten Ländern, ihre Anstrengungen zu verstärken, um Kinder von der Gewalt der Corrida fernzuhalten. Für die FFW ist klar, dass eine Aktivität, welche die Menschenrechte verletzt, nicht zum Weltkulturerbe erklärt werden oder sonstwie einen positiven Anstrich erhalten kann.

3. Der Tod von Stieren ist nicht zu rechtfertigen

Im November 2011 suchte die Stierkampf-Lobby mit einem Kongress nach Strategien, damit der Stierkampf zum immateriellen Kulturerbe erklärt wird. Bei dieser Gelegenheit schuf die Lobby auch ein "Expertenkommitee" Doch selbst dessen Koordinatorin Beatriz Badorrey räumt ein, es werde "sehr schwierig", die Anerkennung zu erhalten, wenn es um die Rechtfertigung der Tötung von Stieren gehe.

4. Konfliktpotenzial: Eine erdrückende Mehrheit hätte keinerlei Verständnis für einen solchen Entscheid

Ein Hauptargument bei der Entscheidungsfindung ist aus Sicht der FFW zweifellos die Haltung unserer modernen Gesellschaft. Diese hat grossmehrheitlich keinerlei Verständnis für Tierquälerei und eine mittelalterliche "Tradition" mit dem Ziel, hochentwickelte Säugetiere zur Unterhaltung des Publikums zu foltern. Diese Einstellung wird sich noch weiter verstärken. Selbst in jenen acht Ländern, welche diese Spektakel noch erlauben, übersteigt der Anteil der "Aficionados" (eingeschworenen Corrida-Fans) nirgends 8 Prozent der Bevölkerung.

"Die FFW ist Partnerin der Unesco im Rahmen des Rapid Response Fund ("Fonds für schnelles Eingreifen") und beim Schutz des Wildreservats in Dja, Kamerun", sagt Stiftungspräsidentin Vera Weber. "Wir haben grossen Respekt für diese Institution. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass sie einen Entscheid zugusten des Stierkampfs fällen würde", unterstreicht sie. "Weltweit kämpfen wir gegen die Corrida. Jede Form von Quälerei, Brutalität, Folter und Sadismus ist auszumerzen, sowohl gegenüber Tieren wie auch uns Menschen. Es ist an der Zeit, Entscheide zu fällen, die den Mensch in ein besseres Licht rücken und die dem Begriff "Menschlichkeit" wieder gerecht werden. Stierkämpfe hingegen sind als “Weltkulturerbe der UN-Menschlichkeit zu bezeichnen.”