04.07.2016 – 29 Afrikanische Staaten rufen die EU und die Schweiz auf, das Abschlachten von Elefanten zu stoppen

«Bleibt eurer Verpflichtung für ein totales Elfenbein-Handelsverbot treu und unterstützt eine afrikanische Lösung für ein afrikanisches Problem!»

Kein einziger Elefant wird in 25 Jahren in Afrika übrigbleiben, wenn das gegenwärtige Töten ungebremst fortdauert. Während die EU-Mitgliedsstaaten sich ab dem 4. Juli treffen, um ihre Position betreffend eines allfälligen Elfenbein-Handelsverbots zu besprechen, drängt eine Delegation der Koalition für den Afrikanischen Elefanten (African Elephant Coalition, AEC), die sich aus 29 Ländern zusammensetzt, die EU und die Europäische Kommission dazu, die einmalige historische Gelegenheit zu ergreifen. Europa soll seiner Verpflichtung zu einem Elfenbein-Handelsverbot treu bleiben. Gleichzeitig ersucht die AEC die Schweiz, ihre Anträge zu unterstützen. 

Durch die Wilderei sind die Elefantenbestände katastrophal geschrumpft. Allein zwischen 2010 und 2012 wurden wegen ihres Elfenbeins mindestens 100'000 Elefanten getötet, viele davon in AEC-Ländern.

«In den meisten unserer Länder ist die Situation alarmierend», sagt Azizou El Hadj Issa, ehemaliger Landwirtschaftsminister in Benin und Präsident des AEC-Ältestenrates. «Tag für Tag werden Elefanten abgeschlachtet, Wildhüter getötet, und der Elfenbeinhandel schürt den Terrorismus. Dies destabilisiert den gesamten Kontinent und hat gravierende Auswirkungen auf die Sicherheit anderer Kontinente wie die EU. Wir sind darauf angewiesen, dass die EU und die Schweiz uns unterstützen und zu einem Teil der Lösung dieser Krise werden.»

Eine AEC-Delegation traf sich letzte Woche sowohl mit hochrangigen Vertretern der EU-Kommission und von EU-Mitgliedsstaaten, als auch mit Vertretern der Schweizer CITES Behörde in Bern. Sie warb um Unterstützung für ihr Fünf-Punkte-Paket. Dieses soll zu einem Ende des Elfenbeinhandels führen und den Elefanten den höchsten internationalen Schutzstatus gewähren. 

Das Paket der Koalition richtet fünf Anträge an die 17. Vertragsparteienkonferenz (CoP17) des Übereinkommens über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES). Diese findet vom 24. September bis 5. Oktober in Johannesburg, Südafrika, statt.

Einer der Antragspunkte will unter anderem den Schutzstatus aller Populationen des Afrikanischen Elefanten unter Anhang I vereinen. Durch die Hochstufung der Bestände in Botswana, Namibia, Südafrika und Zimbabwe von Anhang II (weniger gefährdeter Status) auf Anhang I gäbe es nicht mehr zweierlei Listungen und alle Elefanten hätten maximalen Schutzstatus. Der Afrikanische Elefant als Art ist nicht an Landesgrenzen gebunden und auch die nationalen Bestände sind es nicht. Viele Populationen sind über mehr als ein Land verteilt, was ebenfalls nach einheitlicher Regulierung durch die CITES ruft.

«Der Afrikanische Elefant ist eine Art und das muss sich auch so in der CITES-Listung ausdrücken», fordert Andrew Seguya, Executive Direktor der Uganda Wildlife Authority. «Ein Elefant, der am Morgen in Angola unter CITES-Anhang I aufwacht, kann am selben Nachmittag durch Namibia streifen, unter Anhang II. Alle Nationen müssen auf das gemeinsame Ziel hinarbeiten: die Bewahrung der Elefanten vor der Ausrottung. Deshalb sollten alle Elefanten unter Anhang I gelistet werden. Wir rufen die Schweiz und die EU dazu auf, eine afrikanische Lösung für ein afrikanisches Problem zu unterstützen.»

Zum 1. Gruppenbild (von links):
Pat Awori, Kenia, AEC Sekretariat; Patrick Omondi, Vizedirektor des Kenya Wildlife Service, Kenia; Andrew Seguya, Executive Direktor der Uganda Wildlife Authority; Daniela Freyer, Pro Wildlife; Solomon Kyalo, Kenya Wildlife Service; Daniel Idiata Mabounga, Deputy Director Wildlife Authority, Gabun; Benoît Doamba, Directeur Aires protégées, Burkina Faso; Azizou El Hadj Issa, ehemaliger Landwirtschaftsminister in Benin und Präsident des AEC-Ältestenrates; Vera Weber, Präsidentin Fondation Franz Weber, Schweiz.


Zusatzinformationen

Die fünf Anträge, welche die AEC der CITES vorgelegt hat:

1. Die Listung aller Elefanten in CITES-Anhang I
Dieser Antrag will den Schutzstatus aller Populationen afrikanischer Elefanten unter Anhang I vereinen. Durch die Hochstufung der Bestände in Botswana, Namibia, Südafrika und Zimbabwe von Anhang II auf I gäbe es nicht mehr zweierlei Listungen.

2. Schliessung der Binnenmärkte für Elfenbein
Dieser Vorschlag fordert, dass alle Regierungen ihre Binnenmärkte für den Handel mit Rohelfenbein und bearbeitetem Elfenbein schliessen. Die Schliessung der Märkte in den Ursprungs-, Transit- und Abnehmerländern, würde die Elfenbein-Nachfrage drastisch reduzieren. Ebenso die Möglichkeiten des Reinwaschens von aus der Wilderei stammendem Elfenbein unter dem Vorwand, es sei antik, vor dem Abkommen oder sonst wie legal erworben. Dies würde auch die Botschaft bekräftigen, dass alle Elfenbeinverkäufe gestoppt werden müssen, weil sie die Elefanten gefährden.

3. Zerstörung und Kontrolle von Elfenbeinbeständen
Dieser Antrag baut auf zwei Dokumenten auf, die dem ständigen CITES-Ausschuss 2014 und 2016 vorgelegt wurden. Er ruft auf zur Ausarbeitung strengmöglicher Richtlinien zur Kontrolle der Elfenbeinlagerbestände. Viele CITES-Länder haben seit 2011 öffentliche Zerstörungen von Elfenbeinlagern durchgeführt. Hiermit soll ein klares Signal gesetzt werden, dass der Elfenbeinhandel verboten werden muss, um die Elefanten zu retten. Dieser Vorschlag unterstützt die Zerstörung von Lagerbeständen und verpflichtet das CITES-Sekretariat dazu, die bestmögliche technische Unterstützung bei der Listung, Prüfung, Verwaltung und der Beseitigung von Elfenbeinlagern anzubieten, wozu auch eine Ursprungsbestimmung des Elfenbeins anhand von DNA-Proben gehört.

4. Beendigung des Entscheidungsmechanismus zur Legalisierung des Elfenbeinhandels
Der Antrag empfiehlt, der Diskussion über einen Entscheidungsmechanismus (EM) durch CITES ein Ende zu setzen. Neun Jahre lang hat CITES erfolglos einen EM diskutiert, um ein System des legalen internationalen Elfenbeinhandels zu schaffen. Es gibt jedoch keine Aussicht auf Einigung zwischen den Regierungen. Die anhaltende Debatte setzt genau das falsche Signal, nämlich, dass ein legaler und nachhaltiger Elfenbeinhandel denkbar ist. Damit begünstigt sie die Wilderei und die Lagerung von Elfenbein für einen zukünftigen «legalisierten» Handel.

5. Beschränkung des Handels mit lebenden Elefanten
Dieser Antrag visiert ein Ende des Exports afrikanischer Elefanten ausserhalb ihres natürlichen Lebensraumes an, auch in ausländische Zoos und ähnliche Einrichtungen. Dies trägt den Erkenntnissen der Expertengruppe der Weltnaturschutzunion (IUCN-SSC) Rechnung, die besagen, dass die Ausfuhr afrikanischer Elefanten aus freier Wildbahn nicht vorteilhaft ist für ihren Fortbestand, sondern im Gegenteil die wilden Bestände schädigt. Dazu kommen bedeutende ethische und kulturelle Einwände aus Afrika selber. Afrikanische Elefanten und deren Elfenbein sollten in Afrika bleiben.

  • Die Koalition für den Afrikanischen Elefanten (African Elephant Coalition AEC) wurde 2008 in Bamako, Mali, gegründet. Die AEC umfasst 29 Mitgliedsstaaten aus Afrika, die ein gemeinsames Ziel verfolgen «Einen tragfähigen und gesunden Elefantenbestand ohne Bedrohungen durch den internationalen Elfenbeinhandel.»
  • Die 29 AEC-Mitgliedsländer sind: Äquatorialguinea, Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Burundi, Demokratische Republik Kongo, Elfenbeinküste, Eritrea, Gabun, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun, Kenia, Komoren, Liberia, Mali, Mauretanien, Niger, Nigeria, Ruanda, Senegal, Sierra Leone, Südsudan, Togo, Tschad, Uganda und Zentralafrikanische Republik. Von den 29 Mitgliedsstaaten der AEC befinden sich 26 im Verbreitungsgebiet des Afrikanischen Elefanten. Sie vertreten dadurch eine deutliche Mehrheit (70 Prozent) der 37 Staaten im Verbreitungsgebiet.
  • Die Fondation Franz Weber (FFW) mit Hauptsitz in Montreux, Schweiz, kämpft aktiv und an vorderster Front für Natur- und Artenschutz in Afrika, sie ist Partnerin der African Elephant Coalition seit ihrer Gründung. Die FFW arbeitet weltweit zum Schutz von Tier und Natur.
  • Die Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora (kurz CITES, deutsch Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen) wurde 1973 gegründet und trat 1975 in Kraft. Heute gehören 182 Länder dazu. CITES soll einen nachhaltigen, internationalen Handel mit den in ihren Anhängen gelisteten mehr als 35'000 Tieren und Pflanzen gewährleisten. Die nächste Konferenz der CITES-Vertragsparteien (CoP17) findet vom 24. September bis 5. Oktober 2016 in Johannesburg, Südafrika, statt. Die Konferenz tagt jedes 3. Jahr.