07.09.2016 – Neue Studie zeigt: Herdenschutz ist effektiver als Abschuss von Raubtieren

«Schadenstifter abknallen.» Das ist eine von der Fondation Franz Weber vehement kritisierte Losung, die leider auch in der Schweiz oft verfängt, wenn es beispielsweise um Wolfsrisse an Schafen geht. Nun zeigt eine aktuelle Studie, dass Raubtierabschüsse zu mehr Nutztierschäden führen.

Viele Behörden, Jäger und Nutztierhalter weltweit sehen den Abschuss von Raubtieren als einfachste Lösung zum Schutz der Nutztiere. Jedoch schaffe man mit dieser Strategie meistens mehr Probleme, wie eine gerade veröffentlichte Studie im Fachjournal «Frontiers in Ecology and the Environment» zeigt, die auf einer umfassenden, internationalen Datengrundlage basiert.

Dabei ziehen die Forschenden der Universität Wisconsin die Schlussfolgerung, dass tödliche Methoden wie Jagd, Giftköder und Fallenjagd keine Lösung für die Probleme der Nutztierhalter sei. Eher verschärfe sich die Situation durch den Tod der Raubtiere. Nur in 29 Prozent der untersuchten Fälle kann ein minimaler und nur kurzfristiger Rückgang der Übergriffe auf Nutztiere erzielt werden. Bei 43 Prozent wurden hingegen mehr Nutztierschäden als vor der Tötung festgestellt.

Bei Nicht-tödlichen Methoden wie Einsatz von Herdenschutzhunden oder visuelle Abschreckungen haben die Nutztierschäden in 80 Prozent der untersuchten Fällen abgenommen. Deshalb empfehlen die Forscher, auf das Töten von Raubtieren zur Schadensvermeidung zu verzichten.

Die Fondation Franz Weber empfiehlt diese Studie den zuständigen Behörden in Bund und Kantonen dringend, damit sie die nötige und angemessene Aufmerksamkeit erfährt, auf dass die Politik in Zukunft Einzelinteressen und populistischer Angstmacherei weniger Gehör schenkt und dafür vielmehr sachbezogen, vernünftig und lösungsorientiert vorgeht. Teilweise tut die Schweizer Politik dies auch bereits mit den ausgearbeiteten Herdenschutz-Konzepten. 

Hier ist die Studie im «Frontiers in Ecology and the Environment».

Quelle des obigen Textes (ausser letzter Abschnitt): www.naturschutz.ch

Bildquelle: Agridea