08.04.2015 – Artenschützer fordern Exportverbot für Elfenbein aus der EU

Im Vorfeld eines EU-Artenschutzausschusstreffens in Brüssel am 10. April fordern 18 internationale Tier- und Artenschutzorganisationen die EU-Regierungen auf, den Export von Elfenbein aus der EU zu verbieten. Einige EU- Länder sind Drehscheibe des Handels mit Elfenbein. Ein Handelsverbot könnte helfen, die Wildereikrise in Afrika einzudämmen.

Mehr als 300 Stoßzähne und 20.000 Elfenbeinschnitzereien hat die EU in zehn Jahren nach China exportiert, mit stark steigender Tendenz. Damit ist die EU weltweit der größte Exporteur von Elfenbeinschnitzereien und Stoßzähnen aus Altbeständen. Offiziell handelt es sich dabei um Elfenbein, das in die EU kam, bevor der Handel verboten wurde. Artenschützer rufen nun die EU auf, rechtliche Schlupflöcher dauerhaft zu schließen, da der legale Handel den Schwarzmarkt und die Wilderei anheizt. "Es ist inakzeptabel, dass Elfenbein aus Europa die Nachfrage in China und damit die Wilderei anheizt", sagt Daniela Freyer von Pro Wildlife. „Wenn wir die verbliebenen Elefantenbestände Afrikas retten wollen muss der Elfenbeinhandel ein für allemal ein Ende haben“.

„Wir begrüßen es, dass sechs EU-Umweltminister, darunter Deutschland, Frankreich und England, bereits zugesagt haben, keine Exporte von Stoßzähnen mehr zu genehmigen und die übrigen Mitgliedsstaaten auffordern, es ihnen gleichzutun“, so Charlotte Nithart von Robin des Bois in Frankreich.

Ein Bericht im Auftrag der Europäischen Kommission bestätigt, dass die Elfenbein-Exporte aus der EU seit 2008 erheblich angestiegen sind. Hauptimporteur ist China. Dort prosperiert der Elfenbeinschmuggel, seit das Land 2008 legal 62 Tonnen Elfenbein aus Afrika importierte und den Binnenhandel liberalisierte. “Die Versuche, den Elfenbeinhandel wieder zu legalisieren, waren eine Katastrophe. Wir müssen aus der Geschichte lernen und den Elfenbeinhandel permanent verbieten“, so Vera Weber von der Schweizer Fondation Franz Weber.

Immer mehr Staaten erteilen inzwischen dem Elfenbeinhandel eine Absage und vernichten ihre Lagerbestände an beschlagnahmtem Elfenbein, um sie dem Schwarzmarkt zu entziehen und ein öffentliches Signal zu setzen. "Die EU sollte dem Beispiel der Länder folgen, die ihre Elfenbeinbestände vernichtet haben“, sagt Mary Rice von der Environmental Investigation Agency. "Die Ankündigung Chinas, den Import von Elfenbeinschnitzereien für ein Jahr zu verbieten, geht am Kern des Problems vorbei".

Erst am 25. März tagten in Botswana hochrangige Regierungsvertreter aus aller Welt zum illegalen Wildtierhandel. Es wird geschätzt, dass alleine in drei Jahren 100.000 Elefanten wegen ihrer Stoßzähne gewildert wurden. Der Elefantenbestand in Afrika wird auf deutlich unter 500.000 Tiere geschätzt - dem derzeitigen Ausmaß an Wilderei kann er nicht mehr lange standhalten.