10.06.2015 – UNO bestätigt Verletzung der Kinderrechte durch Stierkampf

Das Kinderrechtskomitee der Organisation der Vereinten Nationen (UNO), verantwortlich für die Überwachung der Einhaltung der Kinderrechtskonvention, hat sich ausdrücklich dagegen ausgesprochen, dass Minderjährige in Mexiko Stierkämpfe besuchen oder an diesen teilnehmen dürfen.


Im Rahmen ihrer Kampagne "Infancia SIN vIOLEncia" (Kindheit ohne Gewalt) hat die Franz Weber Stiftung im Juni 2014 einen Bericht vorgelegt, welcher das Komitees auf das Vorhandensein von Stierkampfveranstaltungen hingewiesen hat, bei denen Mädchen, Jungen und Jugendliche in Mexiko der Gewalt, die diese Veranstaltungen mit sich bringen ausgesetzt werden. In dem Bericht wird ebenfalls darauf hingewiesen, dass in ganz Mexiko zahlreiche Stierkampfschulen betrieben werden, in denen Minderjährige dazu ausgebildet werden, wie Toreros an einer Reihe von öffentlichen wie auch privaten Stierkampfveranstaltungen teilzunehmen.

Die Konvention für Kinderrechte ist das weltweit anerkannteste internationale Abkommen für Kinderrechte. Die Rechte, die es beinhaltet müssen auch vom mexikanischen Staat verpflichtend eingehalten werden. Besagte Konvention schreibt das Recht aller Mädchen, Jungen und Jugendlichen auf ein, ihrer physischen, mentalen, moralischen und sozialen Entwicklung angepasstes Leben vor. Sie beinhaltet außerdem die Pflicht des Staates, Maßnahmen zu ergreifen, die diesen besagten Schutz garantieren. Dies wird im Bereich des Stierkampfes nicht so eingehalten, wie es die Empfehlung des Komitees vorgibt.

Hinsichtlich der abschließenden Bemerkung im 4. und 5. konsolidierten und regelmäßig erscheinenden Berichtes von Mexiko bezüglich der Einhaltung der Konvention der Kinderrechte vom 10. Juni 2015 hat das Komitee seine Haltung bezüglich der Teilnahme und Beiwohnung Minderjähriger an Stierkampfveranstaltungen veröffentlicht. Sie sei "besonders besorgt über das physische und mentale Wohlergehen von Kindern, die Stierkampfschulen oder ähnliche Einrichtungen besuchen, ebenso wie über das mentale und emotionales Wohlergehen von Kindern, die der Gewalt von Stierkämpfen als Zuschauer ausgesetzt werden". Darüber hinaus bemerkt das Komitee, dass Mexiko "notwendigen Maßnahmen ergreifen muss, um ein Verbot zu garantieren, nach dem Minderjährige keine Stierkampfschulen besuchen und nicht an Stierkämpfen, die als eine der schlimmsten Formen der Kinderarbeit angesehen werden, teilnehmen dürfen. Außerdem muss Mexiko die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um sie auch als Zuschauer zu schützen. Außerdem muss das Bewusstsein für die physische und psychische Gewalt, die mit den Stierkämpfen einhergeht und die Wirkung, die diese auf die Kinder hat, geschärft werden".

Gustavo Lozano, Repräsentant der Franz Weber Stiftung in Mexiko, war bei der 69. Sitzung des Komitees der Kinderrechte am 19. und 20. Mai 2015 im Palacio Wilson in Genf in der Schweiz dabei, in der die Rolle Mexikos verhandelt wurde. Er bemerkte, dass "der Stierkampf mit Kindern ein Phänomen ist, welches nur schwer als Verletzung der Kinderrechte zu identifizieren war, da bei Stierkampfveranstaltungen normalerweise das Tier als Opfer gilt. Wenn man an Stierkämpfe denkt, denkt man nicht daran, dass die Kinder hier Opfer sein könnten, dennoch sind sie es." Ebenfalls erklärt er, dass "die Anwältin Laura Vargas Carrillo, Direktorin des Nationalen Systems für ganzheitliche Entwicklung der Familie (DIF) und Vorsitzende der mexikanischen Delegation in Genf, glücklicherweise die Verpflichtung des Staates zur Überwachung und zur Berücksichtigung der Beobachtungen, die sich aus den Untersuchungen durch das Komitee ergeben, unterstrichen hat".

Bezüglich der Maßnahmen, die die mexikanisch Regierung ergreifen müsste, um die Empfehlung effektiv einzuhalten, meint Lozano: "In einem Land, in dem so viel Gewalt herrscht, wie in dem unseren, sollten wir damit beginnen, Praktiken, wie den von Kindern ausgeführten Stierkampf hinter uns zu lassen, da dies mit Sicherheit zu einer Normalisierung der Gewalt unter Minderjährigen beitragen würde." Nicht nur deshalb, sondern auch, weil die Beobachtungen des Komitees für Kinderrechte Dokumente sind, die regelmäßig erstellt werden, um zu einer angemessenen Interpretation und Anwendung der Kinderrechte beizutragen, haben die mexikanischen Behörden keine Wahl: Sie selbst sind es, die die Einhaltung der Konvention garantieren und die notwendigen Maßnahmen ohne wenn und aber anwenden müssen.

Hier, die Bermerkungen der UNO (auf Englisch).