12.09.2016 – Aufruf zum totalen Handelsverbot von Elfenbein

Die Fondation Franz Weber ruft die CITES-Konferenz in Südafrika zu einem entschlossenen und kompletten Elfenbein-Handelsverbot auf.

Die Fondation Franz Weber (FFW) wird anlässlich der CITES-Konferenz in Südafrika vor Ort an vorderster Front für die Zukunft der Afrikanischen Elefanten kämpfen. Die 17. Vertragsstaatenkonferenz (CoP17) der CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, deutsch: Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen) beginnt am 24. September 2016 in Johannesburg, Südafrika.

Eine aktuelle Erhebung zeigt, dass die Bestände des Afrikanischen Elefanten als Folge des enormen weltweiten Hungers nach Elfenbein innerhalb von nur sieben Jahren um 30 Prozent eingebrochen sind. Dennoch widersetzen sich noch immer einige Länder einem Verbot des internationalen und Binnenhandels von Elfenbein.

Gastgeberland Südafrika schlägt gemeinsam mit Zimbabwe und Namibia eine Fortführung des legalen Elfenbeinhandels vor. Obschon die Elefantenbestände in ganz Afrika jährlich um 8 Prozent – das entspricht 27'000 Tieren – schrumpfen, meinen die drei Länder, auf ihrem Boden seien die Elefantenpopulationen stabil. Deshalb bestehe kein biologischer Grund für ein Elfenbein-Handelsverbot, wie dies in anderen afrikanischen Ländern der Fall sei.  

Elefanten in diesen drei Ländern sowie in Botsuana sind unter CITES-Anhang II gelistet, was einen Elfenbeinhandel noch immer erlaubt. So geschehen 1999 und 2008, als die vier Länder ihre Elfenbeinvorräte nach China und Japan verkauften.  

Doch aktuelle Untersuchungen belegen klar, dass diese «einmaligen» legalen Elfenbeinverkäufe die aktuelle Wildereikrise erst ausgelöst haben. Gemäss den soeben veröffentlichten Ergebnissen des «Paul G. Allen’s Great Elephant Census» (GEC, grosse Afrikanische Elefantenzählung), sind seit dem letzten Verkauf 2008 144'000 Elefanten wegen ihrer Stosszähne abgeschlachtet worden.

Vera Weber, Präsidentin Fondation Franz Weber, sagt: «Dass einige Länder ihre gewaltigen Elfenbeinvorräte verkaufen durften, hat den ostasiatischen Hunger nach Elfenbein ganz direkt geschürt und in der Folge zu einem katastrophalen Anstieg der Wilderei auf dem gesamten afrikanischen Kontinent geführt.» Weiter widerspricht Vera Weber auch Behauptungen der vier Länder im Süden Afrikas, sie seien vor Wilderei immun: «Schon jetzt ist ein Anwachsen der Wilderei in Namibia, Zimbabwe, Südafrika und sogar in Botsuana festzustellen, das einst als Elefantenbastion galt. Kürzlich wurden dort bei einem einzigen Wildereivorfall 26 Elefanten ihrer Stosszähne wegen niedergemacht.»

In einem Anlauf, das Töten der Elefanten zu stoppen, stimmten Regierungen und Nichtregierungsorganisationen aus der gesamten Welt am Kongress der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources; deutsch Internationale Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen, kurz Weltnaturschutzunion) in Hawaii dafür, auf eine Schliessung aller Binnenmärkte für Elfenbein zu drängen. Dies trotz heftigem Widerstand von Seiten Südafrikas, Namibias und Japans, deren Delegationen die Debatte unter Protest verliessen, verbunden mit der Drohung, aus der IUCN auszutreten.

Die Motion, die am letzten Samstag, 10. September 2016, mit einer überwältigenden 91-Prozent-Mehrheit überwiesen wurde, liess die Elfenbeinhandel-Befürworter erblassen.

«Dies gibt dem Elefantenschutz starken Auftrieb», freut sich Rosalind Reeve, Juristin der FFW. Gleichzeitig dämpft sie allzu hohe Erwartungen. Denn obschon die Motion Länder mit Elfenbein-Binnenmärkten aufruft, alle gesetzlichen und behördlichen Massnahmen zu ergreifen, um diese zu schliessen, ist sie nicht verbindlich. Das heisst, Regierungen können sie übergehen.

«Die wirklichen Entscheide zum Schutz der Elefanten», sagt Vera Weber, «werden später diesen Monat an der CITES-Konferenz in Südafrika gefällt.»

Die FFW hat die 29 Mitgliedsländer der Koalition für den Afrikanischen Elefanten dabei unterstützt, ein Paket von fünf Anträgen an die Konferenz (CoP17) zu schnüren mit dem Ziel, einen maximalen Schutz für Afrikas Elefanten zu erreichen.

Zusätzlich zur Schliessung der Binnenmärkte und verschärfter nationaler Regulierung der Elfenbeinbestände, beinhaltet das Paket die wichtigste Forderung, alle Afrikanischen Elefanten unter Anhang I zu listen. Dies würde internationale Elfenbeinverkäufe umfassend verbieten.

 

Hintergrundinformationen:

Fondation Franz Weber (FFW), Schweiz, kämpft seit 40 Jahren aktiv und an vorderster Front für das Überleben des Afrikanischen Elefanten und für ein komplettes Handelsverbot von Elfenbein. Die FFW ist Partnerorganisation der Koalition für den Afrikanischen Elefanten sowie der UNESCO bei Projekten zum Artenschutz und Schutz der Elefanten in Afrika. Zudem hat die FFW seit 1989 Beobachterstatus bei der CITES. Die Stiftung hat während 25 Jahren den Nationalpark Fazao-Malfakassa in Togo geführt und unterstützt zudem ein Programm zur Wertsteigerung von lebenden Elefanten durch den Tourismus (EleWatch) und eine Studie über Anti-Wilderer-Programme in afrikanischen Schutzgebieten (in Partnerschaft mit der IUCN PAPACO), um deren Massnahmen zu bewerten und Verbesserungen zu erleichtern.

Die Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora (CITES, deutsch: Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen) wurde 1973 gegründet und trat 1975 in Kraft. Heute gehören 182 Länder dazu. CITES soll einen nachhaltigen, internationalen Handel mit den in ihren Anhängen gelisteten mehr als 35'000 Tieren und Pflanzen gewährleisten. Die nächste Konferenz der CITES-Vertragsparteien (CoP17) findet vom 24. September bis 5. Oktober in Johannesburg, Südafrika, statt. Die Konferenz tagt alle drei Jahre.

Die Koalition für den Afrikanischen Elefanten (African Elephant Coalition, AEC) wurde 2008 in Bamako, Mali, gegründet. Die AEC umfasst 29 Mitgliedsstaaten aus Afrika, die ein gemeinsames Ziel verfolgen: «Einen tragfähigen und gesunden Elefantenbestand ohne Bedrohungen durch den internationalen Elfenbeinhandel». Die Tagung in Montreux vom 24. bis 26. Juni 2016 war die 7. Sitzung seit dem Bestehen der Koalition.

Die 29 AEC-Mitgliedsländer sind: Äquatorialguinea, Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Burundi, Demokratische Republik Kongo, Elfenbeinküste, Eritrea, Gabun, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun, Kenia, Komoren, Liberia, Mali, Mauretanien, Niger, Nigeria, Republik Kongo, Ruanda, Senegal, Sierra Leone, Südsudan, Togo, Tschad, Uganda und Zentralafrikanische Republik. Von den 29 Mitgliedsstaaten der AEC befinden sich 26 im Verbreitungsgebiet des Afrikanischen Elefanten. Sie vertreten dadurch eine deutliche Mehrheit (70 Prozent) der 37 Staaten im Verbreitungsgebiet.

Die fünf Anträge, welche die AEC mit Unterstützung der FFW als ganzheitliches Paket zuhanden der CITES geschnürt hat mit dem Ziel, einen maximalen Schutz für Afrikas Elefanten zu erreichen, lauten wie folgt:

1. Listung aller Elefanten in CITES-Anhang I: https://cites.org/eng/cop/17/prop/index.php

Dieser Antrag will den Schutzstatus aller Populationen afrikanischer Elefanten unter Anhang I vereinen. Durch die Hochstufung der Bestände in Botsuana, Namibia, Südafrika und Zimbabwe von Anhang II auf I gäbe es nicht mehr zweierlei Listungen. Der Afrikanische Elefant als Art ist nicht an Landesgrenzen gebunden und auch die nationalen Bestände sind es nicht. Viele Populationen sind über mehr als ein Land verteilt, was ebenfalls nach einheitlicher Listung ruft. Eine allgemeine Listung in Anhang I würde maximalen Elefantenschutz bedeuten, indem der Elfenbeinhandel nach internationalem Recht verboten und seine Verfolgung vereinfacht wäre. Dies würde eine klare Botschaft für einen entschlossenen Kampf gegen die Ausrottung der afrikanischen Elefanten in die Welt aussenden.

2. Schliessung der Binnenmärkte für Elfenbein: https://cites.org/sites/default/files/eng/cop/17/WorkingDocs/E-CoP17-57-02.pdf

Dieser Vorschlag fordert, dass alle Regierungen ihre Binnenmärkte für den Handel mit Rohelfenbein und bearbeitetem Elfenbein schliessen. Die Schliessung der Märkte in den Ursprungs-, Transit- und Abnehmerländern, würde die Elfenbeinnachfrage drastisch reduzieren. Ebenso die Möglichkeiten des Reinwaschens von aus der Wilderei stammendem Elfenbein unter dem Vorwand, es sei antik, vor dem Abkommen oder sonst wie legal erworben. Dies würde auch die Botschaft bekräftigen, dass alle Elfenbeinverkäufe gestoppt werden müssen, weil sie die Elefanten gefährden.

3. Kontrolle von Elfenbeinbeständen: https://cites.org/sites/default/files/eng/cop/17/WorkingDocs/E-CoP17-57-03.pdf

Dieser Antrag baut auf zwei Dokumenten auf, die dem ständigen CITES-Ausschuss 2014 und 2016 vorgelegt wurden. Er ruft auf zur Ausarbeitung strengstmöglicher Richtlinien zur Kontrolle der Elfenbeinlagerbestände. Viele CITES-Länder haben seit 2011 öffentliche Zerstörungen von Elfenbeinlagern durchgeführt. Hiermit soll ein klares Signal gesetzt werden, dass der Elfenbeinhandel verboten werden muss, um die Elefanten zu retten. Dieser Vorschlag unterstützt die Zerstörung von Lagerbeständen, wo möglich und verpflichtet das CITES-Sekretariat dazu, die bestmögliche technische Unterstützung bei der Listung, Prüfung, Verwaltung und der Beseitigung von Elfenbeinlagern anzubieten, wozu auch eine Ursprungsbestimmung des Elfenbeins anhand von DNA-Proben gehört.

4. Beendigung des Entscheidungsmechanismus zur Legalisierung des Elfenbeinhandels: https://cites.org/sites/default/files/eng/cop/17/WorkingDocs/E-CoP17-84-02.pdf

Der Antrag empfiehlt, der Diskussion über einen Entscheidungsmechanismus (EM) durch CITES ein Ende setzen. Neun Jahre lang hat CITES erfolglos einen EM diskutiert, um ein System des legalen internationalen Elfenbeinhandels zu schaffen. Es gibt jedoch keine Aussicht auf Einigung zwischen den Regierungen. Die anhaltende Debatte setzt genau das falsche Signal, nämlich, dass ein legaler und nachhaltiger Elfenbeinhandel denkbar ist. Damit begünstigt sie die Wilderei und die Lagerung von Elfenbein für einen zukünftigen «legalisierten» Handel.

5. Beschränkung des Handels mit lebenden Elefanten: https://cites.org/sites/default/files/eng/cop/17/WorkingDocs/E-CoP17-57-04.pdf

Dieser Antrag visiert ein Ende des Exports afrikanischer Elefanten ausserhalb ihres natürlichen Lebensraumes an, auch in ausländische Zoos und ähnliche Einrichtungen. Dies trägt den Erkenntnissen der Expertengruppe der Weltnaturschutzunion (IUCN-SSC) Rechnung, die besagen, dass die Ausfuhr afrikanischer Elefanten aus freier Wildbahn nicht vorteilhaft ist für ihren Fortbestand, sondern im Gegenteil die wilden Bestände schädigt. Dazu kommen bedeutende ethische und kulturelle Einwände aus Afrika selber. Afrikanische Elefanten und deren Elfenbein sollten in Afrika bleiben.