17.12.2016 – Zoos verbarrikadieren sich hinter «vier Säulen»

Moderne Zoos rechtfertigen sich mit den vier Säulen Bildung, Artenschutz, Forschung, Erholung. Nichts davon stimmt, schreibt der Klinische Psychologe und Leiter des Great Ape Project Deutschland Colin Goldner im «Tages-Anzeiger».

Als Reaktion auf Kritk versuchen sich Zoos mit «vier Säulen» zu rechtfertigen: Bildung, Artenschutz, Forschung, Erholung. Diese würden heute «immun und immunisierend» gegen jede Kritik, als Grundlage tiergärtnerischen Handelns ausgegeben». Dies meint Colin Goldner in einem äusserst lesenswerten, Zoo-kritischen Artikel im «Tages-Anzeiger».

Mit seinem Text hat der Klinische Psychologe und Leiter des Great Ape Project Deutschland recht eigentlich ein wasserdichtes Argumentarium gegen Zoos in ihrer heutigen Form verfasst. Dieses entspricht vollumfänglich der Position der Fondation Franz Weber.

«Durch Zoos, heisst es, würden jährlich zig Millionen Menschen wertvolle Tier- und Artenkenntnisse erhalten», schreibt Goldner. «Wäre es so, wie die Zoos behaupten, müssten sich heute zig Millionen Menschen, die als Kinder Zoos besuchten, für den Schutz der Tiere einsetzen. Was sie nicht tun.»

«Tatsächlich werden die Zoobesucher den Tieren gegenüber nicht sensibilisiert, sondern systematisch desensibilisiert», so Colin Goldner weiter: «Mit allen zu Gebote stehenden Mitteln suchen die Zoos zu verhindern, dass das Leid der eingesperrten Tiere ins Gewahrsein tritt.»

Auch die Behauptung der Zoos, der rapide schwindenden Artenvielfalt durch Erhaltungszucht entgegenzuwirken, halte der Überprüfung nicht stand. «Zuchtprogramme gibt es nur für ein paar wenige Arten, und für noch viel weniger gibt es Wiederansiedelungsprojekte (...). Für die Mehrzahl in Zoos nachgezüchteter Arten ist Auswilderung weder vorgesehen noch möglich. Zoos züchten für Zoos.»

Nach der Demontage der besagten vier Säulen zieht Colin Goldner folgendes Fazit: «Im Zoo leiden Tiere für das Vergnügen der Menschen. Mit stetem Verweis auf ihre "vier Säulen" suchen Zooverantwortliche jedweden tierethischen Diskurs darüber zu unterbinden.»

Ganzer Artikel im «Tages-Anzeiger»