24.09.2016 – Entscheidung der EU könnte Untergang für Elefanten bedeuten

In Südafrika kämpft zurzeit die FFW gemeinsam mit Vertretern afrikanischer Länder für einen besseren Schutz der Elefanten. Heute hat in Johannesburg die grosse CITES-Vertragsparteienkonferenz begonnen. Eine unrühmliche Rolle spielt die EU.

JOHANNESBURG, 24. SEPTEMBER – Die Europäische Union wird aufgrund eines Entscheides der Europäischen Kommission (EC) vom 1. Juli an der 17. Vertragsparteienkonferenz (CoP17) der CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, deutsch Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen.), die heute in Johannesburg, Südafrika eröffnet wurde, gegen ein totales Elfenbein-Handelsverbot stimmen.

Entgegen dem von den EU-Mitgliedstaaten getragenen Entscheid der EC unterstützt ein Beschluss des Europäischen Parlaments vom 15. September einen Vorschlag der Koalition für den Afrikanischen Elefanten (African Elephant Coalition, AEC), alle Elefanten einheitlich unter CITES-Anhang I, dem strengsten internationalen Schutzstatus, einzustufen, vorbehaltlos.

Um die Sache noch zusätzlich zu komplizieren, nimmt die durch die EC vertretene EU dieses Jahr zum ersten Mal als Vollmitglied an der CITES-Konferenz teil. Alle 28 EU-Mitgliedstaaten werden geschlossen als Block abstimmen.

«Indem sie sich den AEC-Anträgen verschliesst, ermöglicht die EU die Fortdauer der gegenwärtig grassierenden Elefantenwilderei», kritisiert John Duhig, ein Berater der Fondation Franz Weber (FFW). «Durch die erweiterten Machtbefugnisse, welche die EU der EC zugesteht, wird deren erste Entscheidung gleich die sichere Ausrottung des Afrikanischen Elefanten innerhalb der nächsten 25 Jahre bedeuten

Allerdings herrscht innerhalb der EU Uneinigkeit. So befürworten Frankreich und Luxembourg eine Anhang-I-Listung klar, und Frankreich hat seine Binnenmärkte für Elfenbein geschlossen. Doch keines der beiden Länder kann sich offen der Gesamtposition der EU entgegenstellen.

Bei Umweltorganisationen und in der allgemeinen Öffentlichkeit stösst der EC-Entscheid weitverbreitet auf Kritik. Eine Petition der Online-Community von Avaaz, die ein weltweites Handelsverbot für Elfenbein fordert, erhielt gegen 1,3 Millionen Unterschriften.

«Die Mitglieder des Europaparlaments haben auf die Europäischen Bürger, Artenschützer und die grosse Mehrheit der afrikanischen Staaten im Lebensraum der Elefanten gehört und fordern ein Ende jeglichen Elfenbeinhandels», sagt Daniela Freyer, Mitbegründerin der Organisation Pro Wildlife. «Doch die Entscheidungskraft haben die EC und die 28 EU-Mitgliedstaaten. Sie können das Schicksal der Elefanten für immer besiegeln.»

Die EU sabotiert den Schutz der Afrikanischen Elefanten nicht zum ersten Mal. Bei der Lockerung des Elefantenschutzes anlässlich der CoP 10 1997 spielte die EU eine entscheidende Rolle. Und 2007 handelte die EU an der CoP14 einen Kompromiss aus, welcher den Elfenbeinverkauf von 2008 ermöglichte, verbunden mit dem aktuellen Verkaufsmoratorium, das 2017 ausläuft. 

Die AEC, eine Allianz 29 afrikanischer Staaten, die gemeinsam 70 Prozent des Lebensraums des Afrikanischen Elefanten abdecken, setzt sich an der CoP17 für ein dauerhaftes internationales Elfenbein-Handelsverbot ein. Das Fünfpunkte-Paket der AEC würde durch die Hochstufung aller Elefanten in CITES-Anhang I den internationalen Elfenbeinhandel vollständig verbieten und Binnenmärkte für Elfenbein weltweit dichtmachen.

Die einheitliche Einstufung aller Elefantenbestände unter CITES-Anhang I im Jahr 1989 setzte dem internationalen Elfenbeinhandel wirksam ein Ende. Doch der Schutz wurde 1997 und 2000 aufgeweicht, als die Populationen in vier Ländern (Botsuana, Namibia, Südafrika und Zimbabwe) auf die weniger strikten Schutzbestimmungen von Anhang II herabgestuft wurden. Dies, um 1999 und 2008 zwei Verkäufe von Elfenbeinlagerbeständen nach Japan und China zu ermöglichen.

Laut der aktuell veröffentlichten Grossen Elefantenzählung sind die Bestände des Afrikanischen Elefanten von 2007 bis 2014 in 15 untersuchten Ländern um 30 Prozent eingebrochen. Das entspricht einem Rückgang von insgesamt 144'000 Tieren oder acht Prozent pro Jahr.

«Angesichts der grassierenden aktuellen Wilderei ist es schlicht inakzeptabel, dass die EU ein Elfenbeinhandelsverbot nicht unterstützen will», sagt Dr. Rosalind Reeve, Expertin und Chefberaterin FFW. «Ein totales Handelsverbot ist für das Fortbestehen der Afrikanischen Elefanten entscheidend.»

Lesen Sie den aktuellen Artikel im St.Galler Tagblatt.

Lesen Sie mehr zur Elefantenschutz-Kampagne der FFW.