26.07.2016 – Hühnchen grillieren als Weltrekord-Versuch: Verkehrtes «Engage M ent» der Migros!

Grossspurig verbreitet die Migros mit ihrer «Engage M ent»-Kampagne in der Öffentlichkeit ein Image der Nachhaltigkeit, Natur- und Tierfreundlichkeit. Und dann das: Ein Weltrekordversuch – im Hühnchenbraten! Was sich einerseits schlicht als dümmliche PR-Aktion ausnimmt, ist aus Sicht des Tierschutzes und der Nachhaltigkeit eine appetitverderbende Bankrott-Erklärung.

In einem offenen Leserbrief an die Migros gibt die Fondation Franz Weber folgende Stellungnahme:

1,8 Tonnen Schweizer Poulets am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest! Ein Weltrekordversuch! Grösster Pouletschmaus der Welt!

Einer farbigen Werbung des M-Industriebetriebs Micarna und seiner Marke Optigal in der Migros-Zeitung zufolge «bauen Spezialisten einen Grill von 21 Metern Länge», der am 27. August in Estavayer-le-Lac «1800 Kilo Schweizer Poulets brutzeln» lassen wird, die «anschliessend den Hunger der Festbesucher stillen» sollen.

Es ist fast nicht zu glauben. Wenn es aber wahr ist, dann ist es ein Missgriff und eine Schande für ein Unternehmen wie die Migros und ein Schlag gegen das Andenken ihres Gründers Gottlieb Duttweiler. Was hat ein Monstergrill von 4,26 Tonnen Leergewicht, was hat ein Monsterfrass von 1,8 Tonnen Schweizer Poulets mit einem Schweizerischen Schwing- und Älplerfest zu tun?

Hat jemand von den betreffenden Pouletproduzenten und -konsumenten vielleicht einen Gedanken für das bevorstehende Monsterschlachten hinter diesem angestrebten, total unschweizerischen Weltrekord? Einen Gedanken für die Millionen hungernder Kinder in der Welt? Einen Gedanken für die Qual der Tiere?

Wir Übersatten, Wohllebenden, sinnlos Verschwendenden, wenn wir das bedenken, müssen wir uns dann nicht schämen in Grund und Boden hinein?

Die Migros, auch wenn sie nicht mehr Duttweilers Migros ist, hat trotzdem eine Verantwortung ihren Kunden und der Umwelt gegenüber. Sie sollte auf diesen fragwürdigen Weltrekordversuch, der ihr keine Ehre einbringt, verzichten. 


Judith Weber, Fondation Franz Weber, Montreux