20.10.2016 – Der Stierkampf kommt nicht nach Katalonien zurück!

Das spanische Verfassungsgericht hat heute Morgen entschieden, das Gesetz des katalanischen Parlaments, welches die Abschaffung der Stierkämpfe in Katalonien erwirkte, ausser Kraft zu setzen. Die Fondation Franz Weber, als enge Verbündete der Initianten dieses Gesetzes (Plataforma PROU) ist jedoch überzeugt, dass die Stierkämpfe in Katalonien verboten bleiben. 

Heute, sechs Jahre nachdem in Katalonien ein derart wichtiger Schritt für den Tierschutz und gegen die Gewalt erwirkt wurde, ein Schritt welcher die Kultur des Friedens fördert, entscheidet das spanische Verfassungsgericht, dass dieses Gesetz rechtswidrig ist und annuliert werden muss. Katalonien habe nicht die Kompetenz, den Stierkampf zu verbieten, heisst es. Es will, durch diese Entscheidung, die einen bedauerlichen Rückschritt darstellt, das Comeback der öffentlichen Folter der Stiere nach Katalonien erzwingen.

Die Bürgerinitiative, die zu diesem Gesetz führte, war ein Mittel direkter Demokratie. Dank diesem haben sich hunderttausende Menschen organisiert und in bürgerlichem Protest in einem Beispiel reiner, transparenter und offener Demokratie zusammengeschlossen. Zum ersten Mal in der Geschichte wird ein auf diesem Weg verabschiedetes Gesetz wieder ausser Kraft gesetzt.

Die katalanische Gesellschaft hat sich weitgehend vom Stierkampf distanziert, ein Trend, der sich auch auf den Rest Spaniens ausweitet, wo die Gesellschaft die Stierkämpfe als grausame Form der Tierquälerei betrachtet. Dank Rapporten der Fondation Franz Weber bezeichnet die UNO zudem seit 2013 diese Aktivität als Verletzung der Menschenrechte.

Die Plataforma PROU unterstützt durch die Fondation Franz Weber und andere Tierschutzorganisationen, prangert rechtlich und moralisch diesen Angriff auf die Demokratie vor der internationalen Öffentlichkeit an. Mehrere Aktionen, zusammen mit Regierung und Parlament innerhalb Kataloniens werden zudem geführt, um zu verhindern, dass sich die rechtliche Aussetzung dieser Entscheidung praktisch auswirkt und wieder Stierkämpfe ausgetragen werden.

Während einer Pressekonferenz im Katalanischen Parlament, gestern, 19. Oktober, erklärte Vera Weber, Präsidentin der Fondation Franz Weber: «Ich komme aus der Schweiz, einem Land in dem die Beteiligung der Bürger heilig ist, so bin ich darüber empört, dass ein Gericht ein vom Volk gewolltes Gesetz aufheben will. Für mich würde es sich hier um einen globalen Anschlag auf die Demokratie, auf die Tiere und auf die Natur handeln. Deshalb sind wir heute hier, um die Plataforma PROU, das katalanische Volk und sein Parlament erneut zu unterstützen. Sein Wille muss respektiert werden und die Stiere und Pferde der mittelalterlichen Tortur des Stierkampfs entgehen

Nun hat das Verfassungsgericht heute tatsächlich entschieden, dieses Gesetz ausser Kraft zu setzen. Wir kämpfen aber weiter. Der Stierkampf kommt nicht nach Katalonien zurück!

Hier gehts zur Pressekonferenz vom 19. Oktober in Barcelona. 
 

Zum Bild: Vera Weber bei ihrer gestrigen Ansprache vor dem katalanischen Parlament, am Mittwoch, 19.10.2016.

Mehr zur Kampagne der FFW gegen den Stierkampf erfahren Sie hier.
 

Die Ansprache von Vera Weber vor dem katalanischen Parlament (im Original-Wortlaut):

Barcelona, 19. Oktober
Pressekonferenz Katalanisches Parlament

Sehr geehrte Damen und Herren

Unsere Fondation Franz Weber, unterstützt durch die Schweizer Bevölkerung, die Gewalt allgemein und Gewalt gegenüber Tieren ablehnt, hat den Prozess, der zu Abschaffung des Stierkampfes in Katalonien führte mit enormer Bewunderung und grossem Stolz begleitet. 

Zum einem unterstützen wir das verfolgte Ziel, eine bessere Gesellschaft aufzubauen dank bessere Gesetze, die Gewalt an Tieren nach und nach eliminieren. Zum anderen unterstützen wir auch die Methode, da die legislative Volksinitiative, die hinter diesem Gesetz steht, ein Instrument der direkten Demokratie darstellt. 

Ich komme aus einem Land, in dem die Beteiligung der Bürger heilig ist, so bin ich darüber empört, dass ein Gericht ein vom Volk gewolltes Gesetz aufheben will. Für mich würde es sich hier um einen globalen Anschlag auf die Demokratie, auf die Tiere und auf die Natur handeln. Deshalb sind wir heute hier, um die Plattform „PROU“ und das katalanische Volk erneut zu unterstützen. Sein Wille muss respektiert werden und die Stiere und Pferde der mittelalterlichen Tortur des Stierkampfs entgehen. 

Ich bin stolz darauf, eine Stiftung zu leiten, die bereits zum fünften Mal den UNO-Ausschuss für die Rechte des Kindes dazu gebracht hat, Länder, die immer noch Stierkämpfe erlauben zu ermahnen, die Verbindung zwischen Stierkämpfen und Kindern zu kappen. 

Laut diesem Expertengremium verletzt der Stierkampf das meist ratifizierte Menschenrechtsabkommen der Welt – die im Jahr 1989 verabschiedete Kinderrechtskonvention. 

Schliesslich ist Gewalt für niemanden gut. Die gemeinsamen Interessen von Tier und Mensch sind offensichtlich. Wenn ein Kind eine Grille zertritt, ist dies für das Kind genauso schädlich wie für die Grille.

Vera Weber