28.03.2017 – Barcelona ist der erste Schritt

Heute wird in Barcelona Geschichte geschrieben. Es ist der Beginn einer neuen Zoo-Ära. Die Plattform ZOOXXI der Fondation Franz Weber lanciert die erste Volksinitiative der Stadt. Dieser Akt der direkten Demokratie nach Schweizer Vorbild bedeutet den ersten Schritt auf dem langen Weg zum grundlegenden Umbau der Zoos rund um den Globus.

ZOOXXI ist eine vernetzte Plattform, die an der grundlegenden Reform der Zoos dieser Welt arbeitet. Es gilt, von der Denkweise des 19. Jahrhunderts, der «Nutzung» der Tiere, wegzukommen, hin zu einem «Nutzen» für die Tiere, der dem Zeitgeist, der Sensibilität und dem Wissensstand des 21. Jahrhundert entspricht. Die Plattform geniesst schon jetzt breite Unterstützung namhafter Wissenschaftler der Stadt und weit darüber hinaus.

ZOOXXI kritisiert am Zoo-Modell der 19. Jahrhunderts vor allem, dass es lediglich auf den Arterhalt innerhalb der Zoomauern ausgelegt ist. In der Regel werden keine Auswilderungsprogramme betrieben. Die Tiere werden aus rein ökonomischen Motiven gezüchtet. Zudem nützt die Zucht zur Arterhaltung auch dann nichts, wenn die natürlichen Lebensräume nicht geschützt sind und verschwinden. Den Schutz natürlicher Lebensräume und das politische Engagement dafür lassen Zoos in der Regel vermissen.

Noch immer ist es auch die Regel, dass überzählige Tiere in Zoos getötet werden – in Europa allein sind es gemäss dem Europäischen Zooverband EAZA jährlich rund 3000 Tiere, die so als «überschüssige Unannehmlichkeit» aus dem Weg geräumt werden, wenn sie dem ökonomischen Zweck des Ausstellens nicht dienen können. Der Weltzooverband WAZA (mit Hauptsitz in der Schweiz) kolportiert diese Praktik als Teil seiner «Richtlinien der guten Führung».

Der Zoo von Barcelona (WAZA-Mitglied) ist heute Schauplatz von Festen, Hochzeiten und vielen anderen Anlässen. Eine kleine Bahn fährt durch den Zoo und läutet unablässig eine Glocke. Die Tiere sind all diesen Lärmbelastungen ebenso schutzlos ausgeliefert wie den Blicken der Zoobesucher, denen sie sich in keinem Versteck entziehen können. Alles ist auf das Vergnügen der Menschen ausgerichtet. Zudem ist der Zoo von Barcelona intransparent, wenn es etwa um Zahlen gestorbener Zootiere geht.

Diese kolonialen Uralt-Modelle des Zoos bedürfen dringend des tiefgreifenden Wandels. Beobachten statt Ausstellen. Mitfühlend begreifen und bewahren. Bildung und Sensibilisierung sollen nicht leere Worthülsen sein. Richtig eingesetzte Sensibilisierungsmodelle fördern erwiesenermassen soziales Verhalten, Mitgefühl, Zusammenarbeit und wirken dem Mobbing, etwa an Schulen, entgegen. Der Einbezug von Wissenschaft, Bildungsinstituten, Nichtregierungsorganisationen, Nachbarschaftshilfe, etc. ist dabei eminent, um basierend auf Ethik, Wissenschaft und gesundem Menschenverstand Entscheide zu fällen. 

ZOOXXI fordert, dass Zoos ihre Infrastruktur und Ressourcen künftig auf Schutz, Rettung, Pflege und Regeneration von verletzten, beschlagnahmten und ausgesetzten Tieren auslegen. Diejenigen Tiere, denen kein artgerechtes Leben im Zoo garantiert werden kann, werden in Schutzgebiete gebracht oder ausgewildert. Tiere, die sich nicht mehr auswildern lassen, dürfen in artgerechten Anlagen auf Gnadenhöfen leben. Längerfristig werden die Zoos nur noch verletzte, beschlagnahmte oder misshandelte Wildtiere sowie einheimische Arten in Schutz- und Auswilderungsprogrammen halten.

Ab heute Dienstag haben die Initianten nun 120 Tage Zeit, um 14'000 Unterschriften zu sammeln. Sie hoffen allerdings, mindestens das Dreifache davon zu sammeln. Ein grosses Aufgebot an Freiwilligen steht bereit zum Sammeln und Beglaubigen. Nachdem die gleichen Menschen schon den Stierkampf aus der Stadt verbannt haben, besteht für Barcelona mit ZOOXXI nun die historische Chance, Ausgangsort für einen tiefgreifenden Umbau der Zoos weltweit zu werden.

032817-ZOOXXI-MM-Launch-Barcelona-Petition-DE.pdf