23.06.2022
Anna Zangger

Retten wir les «Grands-Prés» von Montreux!

Die Gemeinde Montreux will elf riesige Gebäude auf der «Grands-Prés» errichten – einer bislang unbebauten Grünfläche oberhalb von Montreux, die an einen geschützten Kastanienhain grenzt. So sollen 232 Wohnungen mit Freizeitaktivitäten, Kindertagesstätte und Gemeinschaftsbereich die letzte grüne Lunge der Stadt ersetzen, die durch unüberlegte und übermässige Bebauung ohnehin schon verschandelt ist. Die Fondation Franz Weber und Helvetia Nostra werden das nicht zulassen!

Seit mehr als fünf Jahren bereitet die Gemeinde Montreux ihr Projekt vor. Zuerst verabschiedete sie einen Teilnutzungsplan, um das Vorhaben zu genehmigen. Dann legte sie den Bau von elf Gebäuden mit 232 Wohnungen auf der «Grands-Prés», einer oberhalb der Stadt und nahe der Autobahnausfahrt gelegenen grünen Wiese, öffentlich auf. Sie rühmt sich, damit das erste «2000-Watt-Viertel der Riviera» zu realisieren. Ein «Greenwashing», gegen das sich die Politikerinnen und Politiker nur schwer zur Wehr setzen können, zumal das Viertel parallel dazu neue Krippenplätze schaffen würde. Ein schlagendes Argument in einer Zeit, in der es für junge Eltern extrem schwierig ist, einen Betreuungsplatz für ihre Kinder zu finden.

Problem unbezahlbarer mieten
Montreux benötigt keine zusätzlichen Wohnungen. Aktuell stehen in der Gemeinde fast 1 500 Wohnungen leer und ebenso viele Zweitwohnungen. Gemäss dem von der Stadt vorgelegten Entwurf könnte ein Teil der neuen Wohnungen zu «erschwinglichen Mieten» angeboten werden, doch dafür gibt es keinerlei Garantie. Mit dieser Argumentation will sich die Gemeinde einen Freifahrtschein für die Zerstörung der Natur verschaffen. Im Endeffekt wird immer mehr gebaut, anstatt die grundlegenden Probleme – insbesondere die unbezahlbaren Mieten an der Riviera – anzugehen.

Derzeit bilden die «Grands-Prés» eine Wiese, die direkt an einen geschützten Kastanienhain angrenzt. Die Gemeinde lässt dort von Zeit zu Zeit ein paar Schafe weiden. Abgesehen davon hat sie keine Initiative ergriffen, um dieses nach wie vor grüne Grundstück – die letzte Bastion der Natur in diesem Teil der Stadt – aufzuwerten. Aus gutem Grund: Es ist leichter, ihr Ökoviertel-Projekt zu «verkaufen», wenn es keinen anderen unmittelbaren Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger von Montreux hat.

Keine Verdichtung um jeden Preis
Und doch ist dieser Ort zauberhaft. Er zeichnet sich durch eine grosse Artenvielfalt aus und hat darüber hinaus ein enormes Potenzial. Warum opfern wir immer bereitwillig die letzten grünen Lungen unserer Städte, anstatt sie aufzuwerten und den Einwohnerinnen und Einwohnern Orte der Entspannung und der Ruhe zu bieten, an denen es kühl ist und sie in die Natur eintauchen können? Warum gestatten wir der Biodiversität nicht, sich dort zu erholen, und wandeln diese Areale um in Orte der Sensibilisierung und der Bildung, an denen wir die verloren gegangene Verbindung zu unserer Umwelt wiederherstellen können? Die den Immobilienentwicklern und Gemeinden so wichtige «Verdichtung» darf kein Ziel sein, das um jeden Preis erreicht werden muss: Im Übrigen schreibt das Raumplanungsgesetz vor, dass neben der Verdichtung auch die Landschaften und Grünflächen unserer Städte erhalten werden müssen.

Sinnvolles Projekt für einen Park
Während sich Helvetia Nostra mit den rechtlichen Aspekten des Projekts befasst und zweimal Einsprache gegen das Bauvorhaben erhoben hat, führt die Fondation Franz Weber den Kampf auf politischer Ebene. Sie setzt sich für den Willen der Bürgerinnen und Bürger ein, dieses Grundstück durch die Einstufung als Grünzone ein für alle Mal unter Schutz zu stellen. Und, besser noch, es in einen Park umzuwandeln, der die Biodiversität in der Stadt fördert. Gemeinsam mit einem Landschaftsplanungsbüro arbeitet die FFW an einem Projekt für einen Park – eine Alternative, die die Einwohnerinnen und Einwohner von Montreux weit mehr begeistern dürfte, als noch mehr Betonblöcke.