27.08.2026
FONDATION FRANZ WEBER

Stellungnahme der FFW: Fondation Franz Weber fordert ein Ende der Massentötung von Wildpferden im Kosciuszko-Nationalpark, Australien

Fondation Franz Weber (FFW) ist zutiefst bestürzt über die anhaltende massenhafte Tötung von Wildpferden (Brumbies) im Kosciuszko-Nationalpark (KNP) im Staat New South Wales und lehnt tödliche Massnahmen, darunter Abschüsse aus der Luft und vom Boden, entschieden ab. Die FFW fordert einen transparenten, wissenschaftlich fundierten und tierschutzgerechten Umgang mit diesen Pferden ohne deren Tötung.

Wildpferde sind fühlende, sehr intelligente und höchst soziale Tiere, die in komplexen Familienverbänden leben. Sie zu verfolgen, zu erschiessen und zu töten – innerhalb ihrer Familienverbände – verursacht enormes Leid und kann nicht als tierschutzgerechte Form der Bestandsregulierung akzeptiert werden. Die FFW lehnt tödliche Massnahmen seit jeher ab und setzt sich für tierschutzgerechte, nicht-tödliche Alternativen ein.

Ernsthafte Zweifel an den Bestandsschätzungen
Die FFW hat erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit der Bestandsschätzungen, mit denen die Tötung von Wildpferden im Kosciuszko-Nationalpark in den Snowy Mountains gerechtfertigt wird.

Die grossen Unterschiede zwischen den in den vergangenen Jahren veröffentlichten Bestandszahlen unterstreichen die Notwendigkeit vollständiger Transparenz darüber, wie diese Schätzungen zustande kommen. Die zugrunde liegenden Daten müssen zugänglich sein und die verwendeten Methoden einer wirklich unabhängigen Überprüfung unterzogen werden. Entscheidungen über das Schicksal tausender fühlender Tiere dürfen nicht auf Bestandszahlen beruhen, deren Zuverlässigkeit ernsthaft infrage steht.


Brumbies dürfen nicht zum Sündenbock für komplexe Umweltprobleme gemacht werden
Die FFW lehnt die vereinfachende Darstellung ab, Wildpferde seien die Ursache für die Umweltzerstörung im Kosciuszko-Nationalpark. Der Nationalpark ist zahlreichen Belastungen ausgesetzt, darunter grosse Infrastrukturprojekte, Tourismus, Freizeitaktivitäten und andere menschliche Eingriffe. Umweltschäden dürfen nicht einfach den Wildpferden zugeschrieben werden, während andere erhebliche Belastungen der Landschaft ausser Acht gelassen werden.

Das Projekt Snowy 2.0 von Snowy Hydro beispielsweise stellt mit rund 40 Kilometern unterirdischer Tunnelbauten einen massiven Eingriff in die alpine Landschaft dar. Die Umweltauswirkungen im Kosciuszko-Nationalpark müssen einheitlich und umfassend beurteilt werden, anstatt den Fokus einseitig auf eine einzige Tierart zu richten.


Die wichtige ökologische Rolle der Wildpferde
Brumbies spielen eine wichtige ökologische Rolle und gehören zu den grossartigsten natürlichen Landschaftspflegern. Durch das Abgrasen der Vegetation helfen sie, übermässigen Pflanzenwuchs einzudämmen und hohe, trockene Gräser zu reduzieren. Dadurch verringern sie brennbares Pflanzenmaterial und damit die Brandlast bei Buschfeuern. Grobe Vegetation wird auf natürliche Weise verwertet und frischer Pflanzenwuchs für andere Pflanzenfresser zugänglich gemacht.

Darüber hinaus trägt ihr Dung zur Bildung von natürlichem Humus bei, verbessert die Bodenqualität, fördert das Bodenleben sowie die Wasserspeicherung und unterstützt das Pflanzenwachstum. Durch ihre halbnomadische Lebensweise verbreiten die Wildpferde zudem Samen und tragen so zur natürlichen Regeneration und zur biologischen Vielfalt bei.

Teil des lebendigen Erbes Australiens
Wildpferde sind ein wichtiger Bestandteil des kulturellen und landwirtschaftlich geprägten Erbes Australiens. Ihre Vorfahren sind seit der europäischen Besiedlung Teil der australischen Geschichte und leisteten einen wichtigen Beitrag zu Transport, Landwirtschaft, Erschliessung des Landes und Militär. Für viele Australierinnen und Australier stehen Brumbies für Widerstandskraft und Freiheit und verkörpern eine bis heute lebendige Verbindung zur Geschichte und Identität des Landes.

Die Wildpferde der Snowy Mountains leben seit Generationen in dieser Landschaft. Sie dürfen nicht auf Bestandszahlen reduziert oder einfach als ein Problem betrachtet werden, das beseitigt werden muss.
 

Tierschutzgerechtes Management statt Massentötung
Die Fondation Franz Weber fordert ein Ende der Tötung von Wildpferden im Kosciuszko-Nationalpark, einschliesslich der Abschüsse aus der Luft und vom Boden. Die FFW fordert eine unabhängige Überprüfung der Bestandsschätzungen und Methoden, mit denen die derzeitigen Managemententscheidungen begründet werden, sowie vollständige Transparenz über die zugrunde liegenden Daten.

Wo nachweislich eine Bestandsregulierung notwendig ist, müssen tierschutzgerechte, nicht-tödliche Massnahmen Vorrang haben. Dazu gehören die verantwortungsvolle Umsiedlung und Vermittlung der Tiere sowie geeignete Massnahmen zur Fruchtbarkeitskontrolle.


Das FFW-Wildpferdereservat Bonrook zeigt, dass es auch anders geht
Die Fondation Franz Weber verfügt über fast vier Jahrzehnte praktische Erfahrung im Schutz freilebender Wildpferde in Bonrook (Franz Weber Territory) im Northern Territory. Die FFW gründete das 495 km² grosse Schutzgebiet 1989 als Reaktion auf die internationale Empörung über den Abschuss von Wildpferden aus der Luft. Seither bietet Bonrook den Brumbies einen geschützten natürlichen Lebensraum, in dem sie frei und ungestört in ihren Familienverbänden zusammen mit zahlreichen einheimischen Tierarten leben.

Die Erfahrungen der FFW in Bonrook zeigen, dass Wildpferde innerhalb eines funktionierenden Ökosystems mit der einheimischen Tierwelt zusammenleben können. Rund 800 Wildpferde leben im Schutzgebiet zusammen mit verwilderten Rindern, Wasserbüffeln, mehr als 150 Vogelarten und zahlreichen einheimischen Tierarten. Staatliche Landbewertungen haben den Zustand der Flächen von Bonrook durchgehend als «gut» bis «sehr gut» eingestuft.

Diese jahrzehntelange Erfahrung aus der Praxis stellt die Behauptung infrage, dass Wildpferde grundsätzlich nicht mit gesunden australischen Landschaften und der einheimischen Tierwelt vereinbar seien.
 

Australien muss Verantwortung übernehmen
Die Fondation Franz Weber ist zutiefst enttäuscht, dass eine kleine Schweizer Tierschutzorganisation seit Jahrzehnten einen erheblichen Teil der Verantwortung für den Schutz australischer Wildpferde trägt. Seit fast 40 Jahren führt die FFW mit Bonrook ein 495 km² grosses Schutzgebiet für Brumbies im Northern Territory – vollständig finanziert durch Spenden aus der Schweiz!

Australien ist ein wohlhabendes, entwickeltes und demokratisches Land mit zahlreichen etablierten Tierschutzorganisationen sowie den notwendigen Ressourcen und dem Fachwissen, um selbst Verantwortung für den Umgang mit seinen Wildpferden zu übernehmen.

Die von der australischen Bevölkerung gewählten politischen Entscheidungsträger müssen Lösungen verfolgen, die den Anliegen der Bevölkerung, dem Tierschutz und einem respektvollen Umgang mit diesen Pferden Rechnung tragen. Australien verfügt über die demokratischen Strukturen, das Fachwissen und die Ressourcen, um einen anderen Weg einzuschlagen.

Gleichzeitig appelliert die FFW an die zahlreichen australischen Tierschutzorganisationen, die Situation der Brumbies im Kosciuszko-Nationalpark endlich mit der notwendigen Dringlichkeit zu behandeln, sich entschieden gegen ihre massenhafte Tötung einzusetzen und den politischen Druck für tierschutzgerechte, nicht-tödliche Lösungen zu erhöhen. Es ist an der Zeit, dass Australien Verantwortung übernimmt – und die Massentötung durch wissenschaftlich fundierte Entscheidungen, Transparenz, Mitgefühl und ein verantwortungsvolles, tierschutzgerechtes Management ersetzt.

 

FFW-Stellungnahme als PDF herunterladen

Klicken Sie hier, um zur Projektseite «Wildpferdereservat in Australien» zu gelangen.

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