Inmitten der urwüchsigen Landschaften Zentralargentiniens ist der Gnadenhof Equidad der Fondation Franz Weber (FFW) ein Garten Eden für befreite Müllpferde ebenso wie für die heimische Artenvielfalt. 2025 hat die FFW ihre Mission durch diesen einzigartigen Ort weiterverfolgt und ausgebaut: Tieren, die der Ausbeutung durch die Menschen entronnen sind, ein würdiges Leben zu bieten und sich gleichzeitig für die Erhaltung der Ökosysteme zu engagieren.
Ein Leben in Freiheit für über 120 Pferde und Esel…
Der Gnadenhof Equidad beherbergt heute mehr als 120 Pferde, Esel, Mulis, Ponys und viele weitere Tiere. In einer weitläufigen Naturlandschaft verbringen sie dort ihre Tage in Freiheit und gestalten ihre sozialen Beziehungen selbstbestimmt.
Unser multidisziplinäres Team wacht täglich über ihr Wohlergehen. Dazu gehören ganzheitliche tierärztliche Versorgung, Beobachtung ihres Verhaltens sowie Management von Wasser, Ernährung und Infrastrukturen, um ihnen ein Leben in Sicherheit, Autonomie und Würde zu schenken. So wurden 2025 mehr als 913 veterinärmedizinische Behandlungen und 804 podologische Eingriffe durchgeführt, die für die Vorbeugung von Schmerzen und Lahmheit unerlässlich sind.
Retten, gesundpflegen, Zeugnis ablegen
Nachdem sich das Team von Equidad nun eine Weile darauf konzentriert hatte, das Gebiet um den Gnadenhof angesichts von Bränden und Extremwetterlagen wieder fit zu machen, konnte es im vergangenen Jahr auch wieder Pferde retten. Insgesamt wurden 2025 24 Pferde gerettet, von denen jedes seine ganz eigene Geschichte hat, die oftmals von Vernachlässigung, Gewalt oder Aussetzung geprägt ist.
Eines von ihnen, Horus, ist das perfekte Beispiel dafür, was das Engagement des Gnadenhofs ausmacht: Nach monatelanger Pflege auf Equidad und komplizierten rechtlichen Schritten konnte der Wallach operiert und sowohl körperlich als auch seelisch völlig geheilt werden.
Bei einigen Rettungsaktionen musste das Team von Equidad weit über seine Grenzen hinaus aktiv werden, wie beispielsweise bei der Zerschlagung eines Netzwerks von Kriminellen, die Stuten und Fohlen illegal schlachteten. Durch die Mobilisierung gelang es, 18 Mütter und ihre Jungen zu befreien, die dann an Partnergnadenhöfe vermittelt wurden, um ihren Stress so gering wie möglich zu halten und sie langfristig zu schützen.
Ein grösserer Gnadenhof bewirkt mehr
2025 unternahm Equidad einen entscheidenden Schritt und verdoppelte seine Fläche durch den Erwerb von 328 Hektaren angrenzenden Landes – von 312 auf über 640 Hektaren. Dieses Land, das früher unter starken landwirtschaftlichen Belastungen und einer fortschreitenden Zerstörung der heimischen Wälder zu leiden hatte, dient nun dem Tierschutz und wird renaturiert. Durch diese Vergrösserung haben die geretteten Pferde mehr Platz und Weideland, wodurch der Druck auf das Herzstück des Gnadenhofs abnimmt. Zudem stärkt sie die Widerstandsfähigkeit gegenüber Bränden und gibt uns die Möglichkeit, ehrgeizige Naturschutzprogramme zu entwickeln. Zum Vergleich: Die heute von der Fondation Franz Weber in Argentinien geschützte Fläche entspricht 900 Fussballfeldern oder dem Stadtwald von Bremgarten in Bern. Die neu erworbenen Grundstücke bieten nicht nur den von uns aufgenommenen Tieren Schutz, sondern darüber hinaus Millionen von lebenden Organismen aus hunderten von Arten sowie den wichtigen ökologischen Prozessen, die das Gleichgewicht des Lebens bewahren.
Auch wildlebende Tier- und Pflanzenarten werden geschützt
Equidad ist jedoch nicht nur ein Refugium für Haus- und Nutztiere, sondern setzt sich auch für den Arterhalt ein. 2025 wurden mehrere wichtige Programme ausgeweitet:
• Schutz des Kronenbussards, eines der am stärksten gefährdeten Greifvögel Südamerikas, mit verstärkter Geländebeobachtung und Veröffentlichung eines wissenschaftlichen Artikels über sein Vorkommen und seine Fortpflanzung;
• Rettung von Mimosa cordobensis, einer vom Aussterben bedrohten mikroendemischen Pflanze, durch Sammeln von über 14000 Samen und Züchtung von 500 Jungpflanzen, um das zukünftige Überleben der Art zu sichern;
• Schutz von heimischen stachellosen Bienen, die als Bestäuber unverzichtbar sind. 2025 wurden mehr als zehn Kolonien gerettet und wieder angesiedelt;
• Realisierung des Projekts eines Zentrums zum Schutz von Chelonoidis chilensis, einer heimischen Schildkrötenart, die aufgrund des Verlusts ihres Lebensraums und Wilderei für die Haustierindustrie von der IUCN als «vom Aussterben bedroht» eingestuft wird.
Die Philosophie der FFW
Mit Equidad erinnert die Fondation Franz Weber daran, dass jeder bewahrte Flecken Natur, jede geschützte Art, ganz gleich wo auf der Welt, einen kleinen Beitrag dazu leistet, das natürliche Gleichgewicht wiederherzustellen. Indem wir ein Gebiet in Argentinien schützen, handeln wir zum Wohle des gesamten Planeten.
Jedes geschaffene Refugium, jede gerettete Kreatur haucht der Erde neues Leben ein. In einer geschwächten Welt zeichnen diese kleinen geschützten Inseln, eine an die andere gereiht, schon jetzt die Konturen einer gerechteren Zukunft für die Lebewesen und für uns.