23.09.2026
Viktoria Kirchhoff

Drei Pferde finden auf Bonrook in Australien ein sicheres Zuhause

Im Mai dieses Jahres nahm das Wildpferde-Reservat Bonrook in Australien drei weitere Pferde, die dringend ein neues Zuhause benötigten, auf. Traveller, Twink und Patch bringen unterschiedliche Lebensgeschichten mit – Vernachlässigung und Misshandlung oder veränderte Lebensumstände ihrer Besitzer. Heute haben sie eines gemeinsam: Auf Bonrook haben sie ein sicheres Zuhause gefunden.

Traveller – zweite Chance für einen jungen Hengst

Der etwa 18 Monate alte Australian Stock Horse-Hengst namens Traveller kam Ende Mai 2026 nach Bonrook. Seine Geschichte begann tragisch. Nachdem Traveller auf einer anderen Station misshandelt worden war, nahm ihn eine Pferdeflüsterin, die rund 250 Kilometer südlich von Bonrook tätig ist, kurzfristig bei sich auf. Der junge Hengst kam unterernährt, stark abgemagert und geschwächt bei ihr an. Leider verfügte sie weder über genügend Platz noch über die notwendigen Kapazitäten, sich langfristig um ihn zu kümmern. Deshalb bat sie die Fondation Franz Weber (FFW) um Hilfe. Unser Stations Manager Sam Forwood holte Traveller Ende Mai ab und brachte ihn nach Bonrook.

Traveller fällt sofort durch sein aussergewöhnliches Erscheinungsbild auf: Als Cremello besitzt er ein sehr helles cremefarbenes Fell, eine weisse Mähne, einen weissen Schweif, rosafarbene Haut sowie auffallend blaue Augen. Diese seltene Farbvariante entsteht, wenn ein Pferd das sogenannte Cream-Gen sowohl von der Mutter als auch vom Vater erbt.

Hier lebt Traveller nun mit den anderen Stationspferden auf den Weiden rund um das Homestead. Obwohl der hübsche Cremello in der Rangordnung der Herde sehr untergeordnet ist, hat er sich gut eingelebt. Mit hochwertigem Futter und Fürsorge erholte er sich erstaunlich schnell. Bereits wenige Wochen nach seiner Ankunft hatte er deutlich an Gewicht zugelegt und befindet sich nun in einem guten Gesundheitszustand.

Bei meinem letzten Aufenthalt auf Bonrook im Juni durfte ich Traveller kennenlernen. Was für ein liebenswürdiges Jungpferd mit einem ausgesprochenen sanften Wesen. Er ist noch immer etwas scheu, aber gewinnt Vertrauen, sobald er merkt, dass man es gut mit ihm meint.

Twink und Patch – neues Zuhause für zwei langjährige Weggefährten

Auch Twink und Patch fanden im Mai 2026 ihren Weg nach Bonrook. Ihre Besitzerin aus Darwin musste mit ihrer Familie in einen anderen Bundesstaat umziehen und stand vor der schwierigen Frage, wohin mit ihren beiden Pferden.

Da die bisherige Besitzerin verhindern wollte, dass die Tiere eines Tages im Schlachthof landen, suchte sie verzweifelt nach einem sicheren Platz für ihre langjährigen Begleiter. Die FFW entschied sich, beide Pferde auf Bonrook aufzunehmen und ihnen ein dauerhaftes Zuhause zu schenken.

Die 2009 geborene Australian Stock Horse-Stute Twink lebt bereits seit vielen Jahren mit einer Erblindung ihres linken Auges. Trotz dieser Einschränkung ist sie eine sehr selbstbewusste Stute, die sich gut an neue Situationen anpasst.

Ihr Gefährte Patch, ein etwa 23-jähriger Brumbywallach, wurde bereits als Fohlen gerettet. Er ist ausgesprochen menschenbezogen, liebt Futter über alles und lässt sich mit einer Karotte fast zu allem motivieren. Altersbedingt sind seine Zähne bereits stark abgenutzt, weshalb wir sein Futter anfeuchten, um ihm das Fressen zu erleichtern.

Twink und Patch haben sich bereits gut auf Bonrook eingelebt. Beide geniessen ihr neues Zuhause und integrieren sich Schritt für Schritt in die Herde unserer Stationspferde.

Sorge um unseren langjährigen Stations Manager

Im Juli erreichte unser langjähriger Stations Manager Sam Forwood sein 30-jähriges Dienstjubiläum auf Bonrook – ein bemerkenswerter Meilenstein.

Leider konnten wir dieses besondere Jubiläum nicht feiern, da Sam Ende Juni notfallmässig ins Krankenhaus in Darwin eingeliefert werden musste. Sein Krebs ist zurückgekehrt, und nach mehreren Chemotherapien in den vergangenen Monaten erlitt er schwere Komplikationen, die zeitweise lebensbedrohlich waren. Er befindet sich weiterhin im Krankenhaus; glücklicherweise hat sich sein Zustand inzwischen jedoch stabilisiert.

Während meines letzten Aufenthalts auf Bonrook konnte ich kurzfristig zwei uns bereits bekannte und erfahrene Arbeitskräfte organisieren, die die wichtigsten anfallenden Arbeiten auf der Station übernehmen, bis Sam sich erholt hat.

Wir alle wünschen Sam von Herzen eine vollständige und baldige Genesung und hoffen, ihn zu gegebener Zeit wieder gesund auf Bonrook begrüssen zu dürfen.

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