Lange Zeit hielt sich Fanny so gut es ging am Leben. Geschwächt und verlassen streifte die alte Stute umher, immer auf der Suche nach Futter – oft in Abfällen – und kämpfte sich von Tag zu Tag. Ihre Rettung war weder schnell noch einfach. Doch als sie schliesslich auf dem FFW-Schutzgebiet Equidad in Argentien ankam, begann ein langsamer, behutsamer Erholungsprozess, getragen von Geduld, tierärztlicher Versorgung und Vertrauen.
Eine Stute, die gelernt hat zu überleben
Fanny ist eine ältere Stute. Bevor sie nach Equidad kam, lebte sie unter äusserst prekären Bedingungen in einer nahegelegenen Ortschaft. Ihre Situation bereitete uns schon länger Sorgen: Sie war schwach, untergewichtig und ernährte sich grösstenteils von Abfällen, mit gelegentlicher Unterstützung eines Nachbarn, der versuchte, ihr zu helfen.
Doch ihre Rettung war nicht einfach. Fanny verschwand immer wieder für Wochen, manchmal sogar Monate, sodass es unmöglich war, eine sichere Intervention zu organisieren. Wie so oft bei ausgesetzten Tieren war die Dringlichkeit offensichtlich, doch die Rettung erforderte Geduld, Koordination und den richtigen Moment.
Als wir sie schliesslich überführen konnten, erforderte ihr Zustand sofortige Aufmerksamkeit. Sie in Sicherheit zu bringen, war nur der erste Schritt. Sie musste stabilisiert, tierärztlich untersucht und als ältere Stute betreut werden, deren Körper die Folgen langjähriger Vernachlässigung trug.
Den Körper stärken, Vertrauen zurückgewinnen
Auf dem Schutzgebiet Equidad begann für Fanny ein ruhiger, aber bedeutender Erholungsprozess. Sie erhielt tierärztliche Betreuung, angepasste Ernährung und die tägliche Fürsorge, die ihr Körper brauchte, um langsam wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
Ein besonders wichtiger Aspekt ist ihre Zahngesundheit. Wie viele ältere Pferde benötigt auch Fanny kontinuierliche zahnmedizinische Betreuung. Ihre Zähne müssen regelmässig kontrolliert und gepflegt werden. Denn sie bestimmen massgeblich, ob ein Tier ausreichend fressen, sein Gewicht halten und schmerzfrei leben kann.
Mit der Zeit wurden die Fortschritte sichtbar. Fanny gewann an Appetit, Kraft und Energie. Heute hat sie ein für ihr Alter optimales Gewicht erreicht – etwas, das bei ihrer Ankunft noch in weiter Ferne schien. Zudem hat sie begonnen, mit anderen Pferden Kontakt aufzunehmen. Ein wichtiges Zeichen dafür, dass ihre Erholung nicht nur körperlich ist. Sie findet wieder Anschluss, entwickelt eine Routine und wird Teil einer sicheren Umgebung.
Ein neuer Lebensabschnitt für Fanny
Fannys Geschichte ist keine von schneller oder spektakulärer Genesung. Sie ist eine stille Geschichte: die Geschichte einer älteren Stute, die Zeit, kontinuierliche Fürsorge und eine Heimat brauchte – einen Ort, an dem sie heute nicht mehr allein ums Überleben kämpfen muss.
Ihr Fall erinnert an etwas Wesentliches: Rettung endet nicht mit dem Transport. Die eigentliche Arbeit beginnt erst danach; in der täglichen Fütterung, den tierärztlichen Kontrollen, den Behandlungen, die ein Leben lang notwendig sein können, und in der geduldigen Beobachtung kleiner Veränderungen, die für ein Tier wie Fanny alles bedeuten.
Heute ist Fanny ruhig und nicht mehr allein. Sie hat ausreichend Futter, tierärztliche Betreuung und andere Pferde in ihrer Nähe. Nach so langer Zeit der Vernachlässigung hängt ihr Leben nun endlich nicht mehr vom Zufall ab.
Auf dem Schutzgebiet Equidad hat Fanny etwas Einfaches, aber zutiefst Wichtiges gefunden: die Möglichkeit, in Fürsorge, Würde und Frieden alt zu werden.