19.08.2026
Fondation Franz Weber

In Venezuela fliegt die Rote Taube wieder

Mitten in der Katastrophe dürfen die Tiere nicht vergessen gehen. Als am 24. Juni 2026 schwere Erdbeben die venezolanische Küste erschütterten, kamen Tausende Menschen ums Leben oder verloren von einem Moment auf den anderen ihre Existenz. Auch die Tiere wurden schwer getroffen: verletzt, zurückgelassen, auf den Strassen sich selbst überlassen oder in beschädigten Häusern eingeschlossen, teilweise ohne Nahrung und ohne medizinische Versorgung.

Für die Fondation Franz Weber war klar: Wir mussten handeln. Doch es genügte nicht, einfach Medikamente, Futter und Geld zu schicken. In einem Katastrophengebiet, in dem Strassen unpassierbar sind, die Kommunikation gestört ist und die lokalen Strukturen geschwächt sind, besteht die Gefahr, dass Hilfe diejenigen, für die sie bestimmt ist, gar nicht erreicht. Deshalb wollten wir vor Ort sein, den Bedarf ermitteln, Tiere behandeln und sicherstellen, dass die Hilfe tatsächlich dort ankommt, wo und wann sie gebraucht wird.

Eine besonders schwierige Mission

Bereits am 26. Juni nahm unser Team in Südamerika die Arbeit auf. Bewilligungen mussten eingeholt, ein Veterinärteam zusammengestellt und nach Venezuela gebracht, Medikamente, Material und tonnenweise Tierfutter transportiert werden. Transporte mussten organisiert, Fahrzeuge, Unterkünfte und Treibstoff beschafft, die Kommunikation sichergestellt und die notwendigen Geldmittel ins Land transferiert werden.

Am 6. Juli 2026 waren unsere Tierärzte vor Ort

Unsere Basis wurde in Caraballeda im Bundesstaat La Guaira eingerichtet, an der Karibikküste nördlich von Caracas und mitten in einer der vom Erdbeben betroffenen Regionen. Seither können die Menschen dort ihre Tiere in einem Behandlungszelt kostenlos tierärztlich versorgen lassen. Auch Tiere, die allein aufgefunden werden, werden dort behandelt.

Doch unsere Teams warten nicht nur darauf, dass die Tiere zu ihnen gebracht werden. Jeden Tag fahren sie durch die Katastrophengebiete, insbesondere in Caraballeda und Playa Grande, und gehen von Haus zu Haus. In fast jedem besuchten Haushalt, in dem Tiere lebten, war eine tierärztliche Behandlung notwendig. Wo Familien Unterstützung benötigen, lassen wir zudem genügend Futter zurück, um ihre Tiere während mehrerer Wochen versorgen zu können.

 

Hilfe zu schicken ist das eine. Dafür zu sorgen, dass sie tatsächlich bei den Tieren ankommt, die sie brauchen, ist etwas ganz anderes.

 

 

Joaquín und Duque: eine Begegnung inmitten der Trümmer

Joaquín hatte fast alles verloren: sein Zuhause, seine Arbeit und Angehörige. Doch als er inmitten der Trümmer einen verletzten Hund entdeckte, der seine Hinterbeine hinter sich herzog, nahm er ihn auf die Arme und brachte ihn zu unserem Behandlungszelt. «Ich konnte nicht einfach an ihm vorbeigehen», sagte er uns unter Tränen. Unser Team behandelte und fütterte den Hund. Nach und nach gewann er seine Beweglichkeit und seine Kräfte zurück. Heute kann der Hund, der Duque genannt wurde, wieder laufen. Und Joaquín hat beschlossen, ihn zu adoptieren.

Ihre Geschichte sagt mehr als alle Zahlen darüber aus, was wir in Venezuela erleben: Selbst unter den Menschen, die fast alles verloren haben, gibt es viele, die weiterhin alles daransetzen, Tiere zu retten.

Rund 100 Tiere werden täglich behandelt

Unsere Teams versorgen derzeit rund 100 Tiere pro Tag: Haustiere, aber auch Wildtiere und Hunde, die bei der Suche und Rettung von Opfern eingesetzt werden. Bis heute wurden 20 Tonnen Tierfutter verteilt und 2 Tonnen Medikamente und veterinärmedizinisches Material bereitgestellt. Die FFW unterstützt zudem die Tierklinik in Valencia, die selbst durch das Erdbeben beschädigt wurde.

Die Rote Taube: Eine Idee der Fondation Franz Weber wird wieder lebendig

Vor mehr als vierzig Jahren hatten Judith und Franz Weber die Vision eines Roten Kreuzes für Tiere. Sie gaben ihm einen Namen: die Rote Taube. Die Idee dahinter war ebenso einfach wie visionär: Wenn Tiere infolge einer Naturkatastrophe, eines Unfalls oder einer vom Menschen verursachten Situation in Not geraten, müssen ausgebildete Teams vor Ort gehen und ihnen helfen können. Die Rote Taube sollte «das Leiden der Tiere verhüten und lindern» und ihr Leben und ihre Gesundheit schützen.

Mehr als vierzig Jahre später fliegt die Rote Taube wieder – überall dort, wo wir die Möglichkeit haben, konkret und wirksam zu handeln, wie jetzt in Venezuela.

 

Ihre Spenden geben uns die Mittel, dort zu handeln, wo wir uns konkret einsetzen können. Von Herzen DANKE!

 

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