20.10.2026
FONDATION FRANZ WEBER

Können Tiere Naturkatastrophen vorhersehen?

Können Tiere Naturkatastrophen vorhersehen? Die Wissenschaft erklärt es
Stunden vor dem Tsunami, der im Dezember 2004 die Küsten des Indischen Ozeans verwüstete, wurde in der Region ungewöhnliches Verhalten von Tieren beobachtet: Elefanten, die auf höher gelegenes Gelände flohen, Flamingos, die ihre Brutgebiete an der Küste verliessen, Hunde, die sich weigerten, nach draussen zu gehen. Als die Welle kam, waren viele dieser Tiere bereits in Sicherheit.

Zufall? Instinkt? Ein sechster Sinn? Die Frage, ob Tiere Naturkatastrophen vorhersehen können, fasziniert die Menschheit seit der Antike. Und die moderne Wissenschaft beginnt, Antworten zu liefern, die – gelinde gesagt – überraschen.

Dokumentierte Fälle: Tiere, die eine Katastrophe vorausahnten

Historische Berichte über auffälliges Tierverhalten vor Katastrophen sind zahlreich und stammen aus ganz unterschiedlichen Kulturen:

  • Erdbeben von Haicheng (China, 1975): Die chinesischen Behörden evakuierten die Stadt unter anderem aufgrund von Berichten über auffälliges Verhalten bei Haus- und Wildtieren. Das Beben der Stärke 7,3, das wenige Stunden später folgte, forderte deutlich weniger Opfer als erwartet.
  • Tsunami im Indischen Ozean (2004): In Sri Lanka und Thailand berichteten Wildhüter, dass Elefanten Stunden vor dem Eintreffen der Wellen unruhig wurden und landeinwärts zogen. In den verwüsteten Gebieten wurden nur sehr wenige Kadaver von Wildtieren gefunden.
  • Erdbeben von L’Aquila (Italien, 2009): Forschende der Open University stellten fest, dass fünf Tage vor dem Beben 96 % der männlichen Kröten einer Population ihren 74 km vom Epizentrum entfernten Laichplatz verlassen hatten. Drei Tage vor dem Beben war dort kein einziges Paar mehr anzutreffen. Es handelt sich um eine der ersten Studien, die das Verhalten von Tieren vor, während und nach einem Erdbeben dokumentieren.
  • Erdbeben in der Türkei (2023): In den Stunden davor teilten zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer in den sozialen Medien Videos von ungewöhnlichem Verhalten bei Hunden, Katzen und Stadtvögeln. Der Zusammenhang mit dem anschliessenden Beben hat die wissenschaftliche Debatte neu entfacht.

Welche Sinne ermöglichen es ihnen, wahrzunehmen, was wir nicht sehen?

Die Wissenschaft hat mehrere Mechanismen identifiziert, die erklären könnten, warum manche Tiere bestimmte Naturkatastrophen vorausahnen:

  • Infraschall: Erdbeben und Tsunamis erzeugen Druckwellen mit sehr tiefer Frequenz (Infraschall). Bei einem Tsunami können diese Wellen die Küste lange vor der eigentlichen Flutwelle erreichen. Viele Arten – Elefanten, Wale, Vögel – können diesen Infraschall dank spezialisierter Sinnesorgane wahrnehmen, die wir Menschen nicht besitzen.
  • Schwankungen des Erdmagnetfelds: Einigen Studien zufolge reagieren Tiere wie Tauben und manche Fischarten empfindlich auf Schwankungen des Erdmagnetfelds, die einem Erdbeben vorausgehen können. Die Magnetorezeption – die Fähigkeit, Magnetfelder wahrzunehmen – ist bei Dutzenden von Arten nachgewiesen.
  • Veränderungen unterirdischer Gase: Seismische Aktivität vor einem Beben kann Gase durch Risse in der Erdkruste freisetzen und die chemische Zusammensetzung des Grundwassers verändern. Manche Tiere mit einem äusserst feinen Geruchssinn, etwa Hunde oder Schweine, könnten einige dieser Veränderungen im Boden oder im Wasser wahrnehmen.
  • Bodenvibrationen: Sehr schwache Erschütterungen, die einem Beben vorausgehen, können von Tieren mit hochempfindlichen Hautrezeptoren wahrgenommen werden – etwa von Schlangen und Eidechsen, die viel Zeit in direktem Kontakt mit dem Boden verbringen.

Hunde, Elefanten, Schlangen: die besten «natürlichen Sensoren»

  • Elefanten: Sie sind vielleicht die Tiere, deren Fähigkeit, Katastrophen wahrzunehmen, am besten dokumentiert ist. Ihre Kommunikation über Infraschall und ihre ausserordentliche Empfindlichkeit für Bodenvibrationen – die sie über ihre Fusssohlen wahrnehmen – machen sie zu aussergewöhnlich feinen Frühwarnsystemen.
  • Hunde: Der Geruchssinn von Hunden, der Substanzen in Konzentrationen im Bereich weniger Teile pro Billion wahrnehmen kann, könnte erklären, warum sie chemische Veränderungen vor Erdbeben bemerken. Mehrere Studien haben Verhaltensänderungen bei Haushunden vor Erdbeben dokumentiert.
  • Schlangen: In China wurden in Schlangenfarmen rund um die Uhr laufende Überwachungskameras als seismisches Frühwarnsystem installiert – gestützt auf die Beobachtung, dass sich Schlangen Tage vor einem Erdbeben auffällig verhalten.
  • Kröten und Amphibien: Sie reagieren äusserst empfindlich auf Veränderungen in der chemischen Zusammensetzung des Grundwassers und gehören zu den am häufigsten untersuchten Tieren im Zusammenhang mit der Erdbebenvorhersage.

Die Fondation Franz Weber setzt sich für den Schutz der Elefanten und anderer Schlüsselarten ein – nicht nur wegen ihres Eigenwerts, sondern auch, weil sie ein wesentlicher Teil der Ökosysteme sind, die wir alle teilen.

Warum der Schutz der Tiere auch uns schützt

Die Forschung zur Fähigkeit von Tieren, Naturkatastrophen vorauszusehen, macht etwas deutlich, das traditionelle Kulturen schon immer wussten und das die Moderne zu vergessen neigt: Tiere sind unserer Welt nicht fremd. Sie sind ein Teil davon. Und ihr Wohl und unser eigenes sind eng miteinander verbunden.

Der Schutz der Biodiversität ist nicht nur eine ethische Frage – auch wenn er das im Kern ist. Er ist auch eine Frage der kollektiven Intelligenz: Tiere passen sich seit Millionen von Jahren an diesen Planeten an und haben Fähigkeiten entwickelt, die uns schlicht fehlen. Sie zu ignorieren, ist in jeder Hinsicht ein Verlust.

Die Fondation Franz Weber arbeitet jeden Tag daran, dass es nicht zu diesem Verlust kommt. Mit ihren Projekten für Tierschutz und Naturschutz vertritt die Fondation die Überzeugung, dass tierisches Leben einen Wert hat, der weit über das hinausgeht, was wir beziffern können.

Die Fondation Franz Weber und die Verbindung zwischen Tier und Natur

Seit ihrer Gründung handelt die Fondation Franz Weber aus der Überzeugung, dass Tiere und Natur aktiven Schutz verdienen – nicht bloss Absichtserklärungen. Diese Überzeugung zeigt sich in konkreten Projekten, in Noteinsätzen und in einer beständigen Präsenz überall dort, wo Tiere jemanden brauchen, der für sie einsteht.

Wenn Tiere uns helfen, Naturkatastrophen vorauszuahnen, ist das Mindeste, was wir tun können, für sie zu sorgen. Unterstützen Sie die Arbeit der Fondation Franz Weber und tragen Sie zu einer Welt bei, in der die Verbindung zwischen Mensch und Natur respektiert und geschützt wird.

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