31.03.2026
Matthias Mast

Brigitte Bardot – Adieu, Du Verbündete!

1977 mobilisierte Franz Weber die Weltmedien gegen das jährliche Massaker an Robbenbabys auf dem kanadischen Packeis. Brigitte Bardot bot daraufhin ihre Unterstützung an. Daraus entstand eine lebenslange Verbundenheit. Im vergangenen Januar erwies Vera Weber der Familienfreundin und Mitstreiterin die letzte Ehre.

Franz Weber wollte dem schrecklichen Drama, das sich jeden Frühling auf dem kanadischen Packeis abspielte, ein Ende setzen: Das Massaker an den Robben. Vor allem die neugeborenen Robbenbabys wurden wegen ihres dichten, schneeweissen Pelzes zu hunderttausenden auf grausamste Art mit Spitzhacken erschlagen und oft bei lebendigem Leib gehäutet. 

Franz Weber wendet sich an die Regierung Kanadas sowie an den König von Norwegen. Und er mobilisiert die Öffentlichkeit. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Judith Weber organisierte er im Januar 1977 eine Medienkonferenz mit dutzenden Journalistinnen und Journalisten sowie TV-Teams, die die Öffentlichkeit in den USA sensibilisierte. Die Bilder und die Schilderung der Geschehnisse schockierten unzählige Menschen. Trotzdem schalteten die kanadischen Behörden betreffend das Verbot der Robbenjagd auf stur. Ein Treffen mit dem zuständigen kanadischen Minister blieb entsprechend erfolglos. Bei Judith und Franz machte sich Frustration breit.

Zurück in der Schweiz jedoch übermannte das Ehepaar Weber einmal mehr eine immense Energie und sie planten umgehend weitere Schritte: Mit einer internationalen Kampagne sollten Heerscharen von Journalisten, Fotografen und TV-Teams nach Kanada eingeflogen werden. Denn mittlerweile fand Franz Webers Kampf gegen die Robbenjagd auch in den europäischen Medien eine breite Resonanz. Das französische Fernsehen strahlte zur besten Sendezeit eine Dokumentation darüber aus, und die Zeitung «La Suisse» publizierte eine grosse Reportage.

Express-Brief von Brigitte Bardot

Diese Berichte erschütterten auch die berühmteste Frau der Welt: Brigitte Bardot! Die Film-Ikone, welche sich seit ihrem endgültigen Ausstieg aus dem Filmgeschäft mit aller Kraft und viel Geld den Tieren widmete und dafür bösartige Kritik einstecken musste, wandte sich per Express(!)-Brief an Franz Weber:

«Lieber Franz Weber

In der Zeitung «La Suisse» habe ich vom unglücklichen Resultat Ihres wunderbaren Unternehmens gelesen. Auch ich habe mit dem schmutzigen  Ausgang des schönen Unternehmens mit Namen «Fondation Brigitte Bardot eine bittere Niederlage erlitten.

In der Algebra hat man uns gelehrt, dass minus mal minus plus ergibt. 

Wenn Sie möchten, schliesse ich mich Ihnen an – mit meiner Zeit, meinem Namen, meinem Geld –, vielleicht kann ich Ihnen nützlich sein. 

Das Problem der Robbenbabys liegt mir ganz speziell am Herzen. Nichts wäre mir lieber, als die menschliche Dummheit und Grausamkeit zu besiegen. Doch allein bin ich machtlos, zu schwach, von allen Seiten angegriffen. 

Mit Ihnen, mit Ihrer Kraft, Ihrem Mut, habe ich das Gefühl, dass wir gewinnen oder mindestens entscheidende Etappen überwinden könnten.

Ich stehe zu Ihrer Verfügung. Ich möchte so gerne in dieser Sache wirklich nützlich sein.»

– Brigitte Bardot

Franz Weber ruft Brigitte Bardot noch am selben Abend an. Das Gespräch war warm und herzlich; umgehend vereinbarten sie ein Treffen für Anfang März 1977 in Paris. 

BB: «Franz Weber war der Mann meines Lebens»

Der Rest ist Geschichte: Es war Franz Weber, der Brigitte Bardot seit der denkwürdigen gemeinsamen Reise nach Kanada – bei der das ikonische Bild mit dem Robbenbaby entstand – in ihrem Kampf für den Tierschutz den Rücken stärkte, damit sie ihre Fondation Brigitte Bardot in Frankreich zum Erfolg führen konnte.  

Nach 28 Jahren traten die beiden Verbündeten in Genf wieder gemeinsam öffentlich auf. Am 5. Dezember 2005 war Brigitte Bardot Hauptklägerin im aufsehenerregenden Robben-Prozess gegen Kanada im CICG (Centre International der Conferences de Genève), und Franz Weber amtierte als Präsident des von ihm 1979 gegründeten Internationalen Gerichtshofs für Tierrechte. 

Privat und hinter den Kulissen blieben die beiden stets verbunden. Diese Tatsache bekräftigte Brigitte Bardot kurz nach dem sie die Nachricht vom Tode Franz Webers im Frühling 2019 erreichte mit eindringlichen Worten: 

«Franz Weber war der Mann meines Lebens! Dank ihm bin ich zur Kriegerin geworden, zur Kämpferin gegen all die Arten von Gräueltaten, die Menschen den Tieren überall auf der Welt zufügen.»

Vera Weber übernimmt den Kampf gegen die Robbenjagd

Franz Webers Kampf mit Brigitte Bardot stoppte für einige Jahre die Robbenjagd. Leider nahm sie jedoch bald wieder Fahrt auf – diesmal auf etwas ältere Robben, aber auch nur wenige Wochen alt. Jedes Jahr wurden zehntausende Jungtiere auf brutalste Art erschlagen. 

2006 reiste Vera Weber gemeinsam mit einem EU-Abgeordneten und verschiedenen Journalisten auf das Packeis. Was sie dort sahen, war entsetzlich. Ihre Berichte erschütterten die Öffentlichkeit und rüttelten wach.

Die positive Folge: 2009 trat das EU-Importverbot für Robbenprodukte in Kraft – dank der Arbeit der FFW. Und die Wirkung war gewaltig: Die Zahl der getöteten Robben sank drastisch. Der Markt brach ein. Und mit ihm das wirtschaftliche Interesse an dieser blutigen Jagd. Ein grosser Schritt für die Tiere, für die Artenvielfalt – und für das unermüdliche Engagement der FFW.

Erst am 1. April 2017 war es endlich auch in der Schweiz so weit: Nach über 40 Jahren unermüdlichem Kampf erreichte die Fondation Franz Weber auch hier das Verbot für den Import und Verkauf von Robbenprodukten.

Heute verdanken hunderttausende Robben ihr Leben diesen Verboten. Und all jenen, die von Anfang an nicht weggeschaut haben: Vor allem Judith und Franz Weber – und Brigitte Bardot. 

 «Brigitte Bardot rückte den Tierschutz ins Zentrum des Bewusstseins.»

Und so auch Vera Weber, über deren Wirken als Präsidentin der FFW sich Brigitte Bardot in einem Brief an Judith Weber mit grosser Freude ausdrückte: «Je vous aime, comme j’aime Franz et aussi votre Vera qui a repris le flambeau!»

Am 28. Dezember 2025 ist die jahrzehntelange Verbündete der Fondation Franz Weber gestorben. Vera Weber begleitete Brigitte Bardot auf ihrem letzten Weg an der Trauerfeier in St. Tropez und widmete ihr folgende Worte: 

«Sie ist gegangen, um sich den Sternen der Tiere anzuschliessen. Brigitte Bardot, die schöne Rebellin, die Ikone des französischen Kinos, die ihre Filmkarriere beiseitelegte, um ihr Leben dem Schutz der Tiere zu widmen, ist nicht mehr.

Mit tiefer Emotion und grossem Respekt nehmen wir Abschied von jener, die die Tierschutzbewegung vorangebracht hat, wie keine andere es vermocht hätte. Dank einer ebenso strahlenden Schönheit im Inneren wie im Äusseren verstand sie es, die Herzen der Menschen in Frankreich, in Europa und auf der ganzen Welt zu berühren und den Tierschutz ins Zentrum des Bewusstseins zu rücken. 

Brigitte Bardot war – und bleibt – die Essenz jener Schönheit, die die Welt so dringend braucht.

Wir setzen den Kampf fort. Für Brigitte Bardot, für Franz Weber, aber vor allem: für die Tierwelt.»

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