20.10.2026
FONDATION FRANZ WEBER

Waldbrände und Tierwelt: die Folgen für die Biodiversität

Waldbrände und Tierwelt: die stille Katastrophe, die die Biodiversität zerstört
Feuer macht keine Unterschiede. Bricht ein Waldbrand aus – sei es aus natürlichen Ursachen, durch menschliche Fahrlässigkeit oder, wie allzu oft, vorsätzlich –, vernichtet er alles, was ihm in den Weg kommt. Und zu diesem «alles» gehören Tausende von Tieren, die nicht fliehen können, ihr Zuhause verlieren oder überleben, nur um sich in einer Landschaft wiederzufinden, die sie nicht mehr ernähren kann.

Waldbrände gehören zu den Naturkatastrophen mit den grössten direkten Auswirkungen auf Wildtiere. Diese Auswirkungen bemessen sich nicht nur an unmittelbaren Todesfällen, sondern auch an der Zerstörung ganzer Nahrungsketten, dem Verlust einzigartiger Lebensräume und der Zersplitterung von Populationen, deren Erholung Jahrzehnte dauern kann.

Es ist die stille Katastrophe, die sich jeden Sommer in Europa ereignet, in jeder Trockenzeit in Lateinamerika, jedes Jahr in Australien oder in Afrika südlich der Sahara. Und die sich weitgehend vermeiden oder abmildern liesse.

Wie viele Tiere sterben bei einem Waldbrand?

Die Zahlen lassen sich nur schwer genau beziffern – tote Tiere werden nach einem Brand nicht so gezählt wie verbrannte Hektaren –, doch die verfügbaren wissenschaftlichen Studien zeichnen ein verheerendes Bild.

Die Brände in Australien 2019–2020, bekannt als «Black Summer», haben Schätzungen zufolge fast 3 Milliarden Tiere getötet oder vertrieben. In Spanien waren 2022 über 300’000 Hektaren von Bränden betroffen; Fachleute bezeichneten die Folgen für die Tierwelt in einigen Gebieten als «katastrophal».

Am stärksten betroffen sind die am wenigsten mobilen Tiere: Reptilien, Amphibien, kleine Säugetiere, brütende Vögel. Insekten – Nahrungsgrundlage für eine enorme Vielfalt von Arten – erleiden massive Verluste, die sich kaskadenartig auf das gesamte Ökosystem auswirken.

Die am stärksten vom Feuer betroffenen Arten in Spanien und Europa

Im europäischen Mittelmeerraum haben Waldbrände besonders schwerwiegende Folgen für mehrere bedrohte Arten:

  • Maurische Landschildkröte (Testudo graeca): Sie kann dem Feuer nicht entkommen und erleidet in ihren Populationen im Südosten der Iberischen Halbinsel massive Verluste.
  • Spanischer Kaiseradler: Die Brände zerstören die Kiefern- und Steineichenwälder, in denen diese vom Aussterben bedrohte Art brütet.
  • Iberischer Luchs: Er ist zwar mobil genug, um dem Feuer zu entkommen, doch die Zerstörung seines Lebensraums verringert das Angebot an Beutetieren und Revieren drastisch.
  • Zugvögel: Brände in Rast- und Überwinterungsgebieten treffen Arten schwer, die auf diese Ökosysteme angewiesen sind, um ihren Lebenszyklus zu vollenden.

Die Fondation Franz Weber setzt sich aktiv für den Schutz von Zugvogelkorridoren ein. Das Projekt Col de l’Escrinet – Zugvögel zeigt, wie sich neuralgische Punkte auf den europäischen Zugrouten erhalten lassen.

Was mit den Ökosystemen nach dem Brand geschieht

Der Schaden eines Waldbrands endet nicht, wenn die Flammen erlöschen. Für die überlebenden Tiere ist die Zeit nach dem Brand oft ebenso kritisch wie der Brand selbst.

Tiere, die lebend entkommen sind, kehren in ein Gebiet ohne Pflanzendecke, ohne Unterschlupf und ohne Nahrungsquellen zurück. Der freiliegende Boden ist Erosion und Regen ausgesetzt, die Sedimente in die Fliessgewässer spülen und so die Wassertiere beeinträchtigen. Opportunistische Arten breiten sich aus und verdrängen die einheimischen, bevor diese sich erholen können.

Der Waldschutz und der Baumschutz ist daher eine ebenso wichtige – wenn nicht wichtigere – Strategie zum Schutz der Tierwelt wie direkte Massnahmen für die Tiere. Wer einen Wald schützt, schützt auch alle Lebewesen, die von ihm abhängen.

Brände und Klimawandel: ein sich selbst verstärkender Kreislauf

Der Klimawandel verändert das Wesen von Waldbränden. Die Brandsaisons werden länger, die Brände heftiger und die betroffenen Gebiete grösser. Extreme Hitze und Trockenheit schaffen Bedingungen, die einst widerstandsfähige Wälder in Pulverfässer verwandeln.

Und die Brände wiederum beschleunigen den Klimawandel: Bei der Verbrennung von Waldbiomasse werden grosse Mengen CO₂ freigesetzt, die über Jahrzehnte gespeichert waren. Ein Teufelskreis, der ausser Kontrolle zu geraten droht, wenn nicht dringend bei beiden Faktoren angesetzt wird.

Erholung der Tierwelt nach dem Feuer: Ist das möglich?

Die gute Nachricht: Ökosysteme verfügen über eine bemerkenswerte Erholungsfähigkeit, wenn man ihnen die nötige Zeit und die richtigen Bedingungen lässt. Einige Studien haben gezeigt, dass die Tierwelt betroffene Gebiete ohne erneute Brände innerhalb von fünf bis fünfzehn Jahren wieder besiedeln kann.

Doch diese Erholung geschieht weder automatisch, noch ist sie garantiert. Sie setzt voraus, dass angrenzende, unversehrte Wälder als Rückzugsräume für die Tierwelt dienen. Sie setzt voraus, dass der menschliche Druck auf die sich erholenden Gebiete nicht zu gross ist. Und sie setzt vor allem voraus, dass es zu keinen neuen Bränden kommt, bevor sich das Ökosystem regenerieren konnte.

Wie sich die Fondation Franz Weber für den Schutz von Lebensräumen einsetzt

Für die Fondation Franz Weber sind der Schutz der Tierwelt und der Schutz ihrer Lebensräume zwei Seiten derselben Medaille. Mit ihren Projekten zum Waldschutz und zum Baumschutz setzt sie sich für den Erhalt von Waldökosystemen ein, in denen Tausende von Arten zu Hause sind.

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