29.06.2026
Anna Zangger

Zoo Basel: der endlose Kreislauf des Tauschhandels mit Elefanten

Ende März 2026 gab der Zoo Basel die zwei noch dort lebenden dreissigjährigen Afrikanischen Elefantinnen Maya und Rosy an den Wow Safari Peaugres beziehungsweise den Zoo d’Amnéville in Frankreich ab. Der «Zolli» kündigt für Mai 2026 die Aufnahme einer neuen Elefantengruppe an. Bei diesem Transfer, der als Tierschutzmassnahme präsentiert wird, handelt es sich in Wirklichkeit um ein wohlkalkuliertes Vorgehen mit dem Ziel, ein grausames und zum Scheitern verurteiltes Zuchtprogramm in Gefangenschaft weiterzubetreiben.

Maya und Rosy wurden Ende der 1990er Jahre in Botswana als Jungtiere brutal ihren Familien aus freier Wildbahn entrissen. 1999 wurden sie gemeinsam in den Zoo Basel umgesiedelt und verbrachten dort ihr Leben in Gefangenschaft, wobei sie in ihrer Gruppe immer wieder den Tod anderer Elefanten erleben mussten. Seit der Einschläferung von Heri (49 Jahre) im Jahr 2024 lebten sie allein in ihrem Gehege. Als Grund für ihre Trennung und Verlegung in verschiedene Zoos wurden Spannungen zwischen Rosy und Maya angeführt, die nach Heris Tod aufgetreten seien. 

Es wurden weder Erklärungen dazu abgegeben, welcher Art oder wie stark die sogenannten «Konflikte» zwischen den zwei Elefantinnen gewesen seien, noch warum sich der Zoo dagegen entschied, wenigstens eines der Tiere zu behalten. In Wirklichkeit handelt es sich um reine Strategie, denn Rosy und Maya haben niemals Nachwuchs zur Welt gebracht. Die Best-Practice-Guidelines für Elefanten des Europäischen Verbands für Zoos und Aquarien (EAZA) empfehlen jedoch, Weibchen in ihrem Alter, die keine Erfahrungen mit einer erfolgreichen Fortpflanzung haben, nicht mehr zur Zucht einzusetzen. Mit anderen Worten: sie sind zu alt, um noch «nützlich» zu sein. 

Wer sind die Neuankömmlinge im Basler Zoo?

Wie der Zoo Basel Mitte April 2026 bekannt gab, sollen im Mai drei neue Elefanten aus dem Zoo Wuppertal (Deutschland) aufgenommen werden; die Elefantin Tika (geboren 2007 in Wuppertal) und ihre 2020 und 2022 geborenen Töchter Kimana und Mali. Sie werden von ihrer jetzigen Gruppe getrennt, darunter auch von Tikas Mutter Sabie, mit der sie ihr gesamtes Leben verbracht haben. 

Der Zoo beschreibt die drei Elefantendamen als Mitglieder einer «matriarchalischen Linie», die jeweils «dominant, schelmisch und übereifrig» seien. Abgesehen von der infantilisierenden, vereinfachenden und vermenschlichenden Darstellung der Tiere zeugt die vom Zoo verwendete Terminologie, insbesondere der Verweis auf «matriarchalische Linien», von einem unzureichenden Verständnis der Biologie und Sozialstruktur von Elefanten. Denn in freier Wildbahn basieren die sozialen Strukturen auf engen und stabilen familiären Bindungen, aber auch – und vor allem – darauf, dass die Individuen ihre sozialen Interaktionen frei wählen können. 

Bis vor Kurzem folgte der Zoo Wuppertal im Umgang mit seinen Elefanten noch der Methode des «direkten Kontakts». Dabei bewegen sich Pfleger und Tiere ohne Sicherheitsbarriere im selben Raum. Die Zooleitung hat angekündigt, diese Praxis bis 2030 schrittweise aufzugeben. Mehrere Elefanten, darunter auch Tika, wurden jedoch nach dieser Methode trainiert und gehalten. Diese Haltungsform gilt als gefährlich für die Pfleger und als Stressfaktor für die Tiere. Zudem kommt dabei häufig der «Bullhook» (Elefantenhaken) zum Einsatz, ein Instrument, mit dem bei Widerstand oder Auflehnung der Gehorsam durch körperlichen Schmerz, insbesondere im Kopfbereich, erzwungen wird. 

Welchem Zweck dienen die Verlegungen?

Erklärtes Ziel des Zolli ist die Fortpflanzung. Der Zoo verzeichnete in der Vergangenheit jedoch eine hohe Sterblichkeitsrate, während Züchtungsversuche seit über dreissig Jahren misslingen – die letzte erfolgreiche Geburt fand 1992 statt. Um die Verlegungen und seine Ziele zu rechtfertigen, beruft sich der Zoo auf das Ex-Situ-Zuchtprogramm (EEP) der EAZA, dessen Koordinator übrigens der Direktor des Zoos Wuppertal, Arne Lawrenz, selbst ist. 

Der Zoo Basel wird also weiterhin «Tauschgeschäfte» mit Elefanten betreiben und versuchen, neue Elefantenbabys zu zeugen, ohne jemals seine früheren Misserfolge anzuerkennen, die ethischen Grenzen der Gefangenschaft in Zoos zu hinterfragen und sich mit den damit einhergehenden Fragen von Tierwohl und Würde auseinanderzusetzen. 

Der Zoo Basel ist für die Bedürfnisse von Elefanten besonders ungeeignet

Wie neuere wissenschaftliche Untersuchungen  gezeigt haben, sind Elefanten nicht für die Haltung in Zoos geeignet. Selbst in den am besten ausgestatteten Einrichtungen können ihre Grundbedürfnisse (Raum, stabile soziale Strukturen, Selbstbestimmung, Stimulation) nicht befriedigt werden. Verglichen mit ihrem natürlichen Lebensraum sind die Gehege lächerlich klein und machen es den Elefanten unmöglich, sich mehr als nur ein paar Meter am Stück fortzubewegen. Die wiederholten Verlegungen zwischen den Einrichtungen, wie sie nun der Zoo Basel beschlossen hat, gelten als Stressfaktoren und beeinträchtigen das Wohlergehen der Tiere. 

Der Zoo Basel bildet da keine Ausnahme. «Das Gehege des Basler Zoos ist für die Haltung von Tieren von der Grösse, Intelligenz und sozialen Komplexität eines Elefanten vollkommen ungeeignet», erläutert Dr. Keith Lindsay, weltbekannter Biologe und Experte für Elefanten. 

Die bereitgestellte Infrastruktur ist im Vergleich zu den Naturgebieten, die Elefanten durchqueren – und selbst verglichen mit einigen anderen europäischen Zoos – sehr begrenzt. Sie besteht weitgehend aus Stein, verfügt über wenig Vegetation und bietet kaum stimulierende Umwelteinflüsse. Zudem erlaubt sie weder ausreichende Fortbewegung noch exploratives Verhalten oder natürliche Nahrungssuche. Die Elefanten können ihre sozialen Interaktionen dort nur in sehr geringem Masse selbst bestimmen, obwohl es für diese äusserst sozialen und intelligenten Tiere ein Grundbedürfnis ist, selbst wählen zu können, mit welchen Individuen sie interagieren oder von welchen sie sich abgrenzen. 

Kein echter Beitrag zum Artenschutz vor Ort

2017 weihte der Zoo Basel nach jahrelangen Bauarbeiten sein neues Elefantengehege «Tembea» ein. Das Projekt kostete fast 28 Millionen Franken. Mit dieser Summe hätte man einen massgeblichen Beitrag zum Schutz der Elefanten in ihrem natürlichen Lebensraum leisten können, insbesondere für den Erhalt der Ökosysteme in Afrika, die Bekämpfung von Wilderei, die Unterstützung von Programmen zur Koexistenz mit den lokalen Gemeinschaften oder die Entwicklung eines nachhaltigen Ökotourismus, der den betroffenen Gemeinschaften Einnahmen verschafft. Für den Artenschutz in situ in Afrika wendet der Zoo Basel dagegen laut den Angaben auf seiner Website nur 50‘000 Franken pro Jahr über die Organisation «Big Life Foundation» auf.

Mit Ex-Situ-Programmen (wie der Zurschaustellung von Elefanten in Zoos) lassen sich die grössten Gefahren für die Art in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet, wie der Verlust von Lebensräumen, die Konflikte zwischen Menschen und Elefanten oder die Wilderei, nicht bekämpfen. Die Zoos könnten ihre finanziellen Mittel weitaus sinnvoller in situ (das heisst, direkt im natürlichen Lebensraum der Elefanten) investieren, statt in den Bau von Anlagen für ein Leben in Gefangenschaft, die auch nach ihrer Modernisierung nicht geeignet sind, den biologischen, kognitiven und sozialen Bedürfnissen der Art auch nur annähernd gerecht zu werden. 

Schluss mit der Haltung von Elefanten in Zoos 

Die Fondation Franz Weber ist der Auffassung, dass die Haltung von Elefanten in Zoos dringend beendet werden muss. Ein erster wichtiger Schritt wäre die Beendigung der Verlegung und des Handels mit Elefanten im Rahmen von Zuchtprogrammen, deren Hauptzweck die künstliche Aufrechterhaltung von Elefantenpopulationen in Zoos ist.

Vera Weber, Präsidentin der FFW, erklärt: «Der Zoo Basel sollte keine ‚Produktionskette‘ sein, die endlos Elefanten verschickt und aufnimmt. Es ist an der Zeit anzuerkennen, dass die Haltung von Elefanten in Zoos ein überholtes Modell ist, das weder den Anforderungen an das Tierwohl noch den Herausforderungen des Artenschutzes gerecht wird.»

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