01.07.2019
Rebekka Gammenthaler

44 Jahre CITES-Übereinkommen über den Handel mit bedrohten Arten: Wo steht der Elefantenschutz heute?

Heute vor 44 Jahren trat das UN-Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES) in Kraft. Die Schweiz gehörte zu den ersten fünf Ländern, welche das Übereinkommen ratifizierten. Seit 1989 ist die Fondation Franz Weber (FFW) offizielle Beobachterin bei der CITES und nimmt an der alle drei Jahre stattfindenden Konferenz der Vertragsstaaten (CoP) teil.

Eine der Tierarten, die im Rahmen der CITES Anlass zu den meisten Debatten gibt, ist der legendäre Afrikanische Elefant. 1989, also vor genau 30 Jahren, wurde an der damaligen Konferenz der Parteien (CoP7) in Lausanne erwirkt, dass alle afrikanischen Elefantenpopulationen auf Anhang I des Abkommens gesetzt wurden. Dies entspricht einem kompletten Handelsverbot! Für das Zustandekommen dieses Beschlusses spielte die Fondation Franz Weber eine massgebliche Rolle.

Ungenügender Schutz durch CITES

Doch das Glück der Elefanten währte nicht lange. Botswana, Namibia, Südafrika und Simbabwe überzeugten die Konferenz der Parteien 1997 und 2000 davon, dass ihre ländereigenen Elefantenpopulationen wüchsen und darum nicht gefährdet seien, und erreichten so deren Herabstufung auf Anhang II. Den vier Ländern wurde erlaubt, ihre Elfenbeinvorräte in einmaligen Grossverkaufsaktionen (sogen. „one-off sales“) zu veräussern: 1999, als 60 Tonnen nach Japan gingen, und 2008, als 102 (!) Tonnen Elfenbein an China und Japan verkauft wurden. Als Begründung für die Lockerungen hatten die vier Länder argumentiert, dass der temporär legale Elfenbeinhandel durch das grössere vorhandene Elfenbeinangebot den Preis senken würde. Dies wiederum würde dazu führen, dass die Schwarzmärkte und die Wilderei zusammen brechen würden, während legale Erlöse aus Elfenbeinverkäufen für Umweltmassnahmen eingesetzt werden könnten. Das war nicht der Fall: Tatsächlich sanken die Preise zwar nach den one-off sales kurzfristig. Jedoch explodierte folglich die Nachfrage nach Elfenbein förmlich – vor allem aus China – und die Preise stiegen sofort rasant an. Die Wilderei breitete sich erneut epidemisch aus, mit rund 100’000 getöteten Elefanten allein in den Jahren 2010 bis 2012. Die Bestände des Afrikanischen Elefanten gingen von 2007 bis 2014 um 30 Prozent zurück. Ein dramatischer Einbruch, der auf den unstillbaren weltweiten Hunger nach dem tödlichen Luxusprodukt Elfenbein zurückzuführen ist!

Masslose Wilderei

Mittlerweile hat die Wilderei wieder das gleiche Ausmass wie vor 30 Jahren. Wegen dem skrupellosen Elfenbeinhandel fallen jährlich über 30’000 Elefanten gewissenlosen Wilderern zum Opfer. So gibt es heute Schätzungen zufolge nur noch etwa 420’000 Elefanten in Afrika, die in der Freiheit der Natur leben. Bekommt die internationale Gemeinschaft diese Wilderei-Krise nicht in den Griff, wird der Afrikanische Elefant in freier Wildbahn bereits in 15 Jahren ausgestorben sein.

Handelsverbot jetzt!

Das Ziel der Fondation Franz Weber ist ein weltumspannendes, uneingeschränktes Handelsverbot für Elfenbein. Damit verbunden ist die strikte Einhaltung der bereits vorhandenen internationalen Gesetze und Verbote, die Schliessung aller Binnenmärkte ­–auch für antikes Elfenbein –, die Förderung von Elefantenschutzprojekten in Afrika sowie die Eindämmung der Wilderei.

32 Staaten für den Afrikanischen Elefanten

Im Rahmen ihres Einsatzes für den Afrikanischen Elefanten unterstützt die Fondation Franz Weber die Aktion der Koalition für den Afrikanischen Elefanten (AEC), deren Ziel eine überlebensfähige, gesunde und vor den Gefahren des internationalen Elfenbeinhandels geschützte Elefantenpopulation ist. Die AEC wurde 2008 in Bamako, Mali, offiziell gegründet. Die 32 afrikanischen Mitgliedstaaten stimmen seit mehr als zehn Jahren ihre Bemühungen und Massnahmen miteinander ab, um die hochintelligenten und sensiblen Dickhäuter zu schützen.

Um ihre Ziele zu erreichen, unterbreitet die AEC der CITES – und zwar sowohl im Ständigen Ausschuss, der jährlich zusammentritt, als auch der Konferenz der Parteien, dem obersten Organ, dessen Sitzungen alle drei Jahre stattfinden – Vorschläge, um den Schutz der Elefanten zu stärken. Zudem bemüht sich die AEC um die Unterstützung anderer CITES-Mitgliedstaaten, indem sie massgeblichen politischen Druck auf führende Politiker der Welt ausübt.

Die AEC fordert die 18. Konferenz der Vertragsparteien – die CITES CoP18, welche vom 16. bis 28. August 2019 in Palexpo in Genf stattfinden wird, dazu auf, alle afrikanischen Elefanten im CITES Anhang I (höchster Schutz-Status) aufzulisten, alle inländischen Elfenbeinmärkte zu schliessen, die staatlich gehaltenen Elfenbeinbestände besser zu verwalten und die Ausfuhr lebender, wild gefangener afrikanischer Elefanten ausserhalb ihres natürlichen Lebensraums zu unterbinden.

Die Fondation Franz Weber wird mit ihrem Expertenteam an der CoP18, die im August in Genf stattfindet, anwesend sein und mit allen Mitteln für den umfassenden Schutz der sanften Riesen kämpfen.