02.04.2020
Viktoria Kirchhoff

Australien brennt, doch das Franz Weber Territory grünt und blüht

Seit 30 Jahren ist das Reservat «Bonrook» in Pine Creek (Australien) ein Paradies für wilde Pferde und pensionierte Reitpferde. Viktoria Kirchhoff war kürzlich auf dem legendären «Franz Weber Territory» zu Besuch und schildert hier ihre Eindrücke.

Nach 2,5 Stunden Autofahrt von Darwin gegen Süden auf dem Stuart Highway, biege ich kurz nach dem Städtchen Pine Creek links ab. Ich werde willkommen geheissen von vier wunderschönen Pferden, zwei davon geniessen gerade eine Abkühlung im Bach. Sie sind sehr zutraulich und kommen sogleich auf mein Auto zu, um mich zu begrüssen. Ihr Fell glänzt und sie sind gut genährt. Da sie sehr zahm sind, wird mir schnell klar, das können keine Brumbies sein, sondern müssen die pensionierten Reitpferde vom Franz Weber Territory sein. Ich komme direkt von Sydney, welches 4,5 Flugstunden südöstlich von Darwin liegt. Monatelang hatten wir immer wieder Tage mit dichtem Rauch von den nahen Feuern, die brutal durch die Staaten Queensland, New South Wales und Victoria gefegt sind. Es ist wunderbar zu sehen, wie hier im Norden des Landes die Regenzeit herrscht und alles grünt.

Als ich über die Fussbrücke des Bonrook Creek laufe, kommen mir Sam, der Station Manager von Bonrook, und seine drei Hunde Momo, Hendo und Luna entgegen und nehmen mich sofort gastfreundlich in ihrem Zuhause auf. Am nächsten Morgen geht es um 7.30 Uhr los: Sam und ich fahren mit den zwei Quads in den Busch. Wir fahren durch hohes, saftiges Gras, Gestrüpp, Bäume, holprige Wege, Steine und Bäche. Sam erzählt mir, dass man normalerweise während der Regenzeit weder Brumbies noch andere Tiere zu Gesicht bekommt, da das Gras so hoch ist, der Busch sehr dicht und es über das 500 km2 (18 km mal 28 km) grosse Bonrook-Gebiet verteilt überall Wasserstellen und gefüllte Billabongs gibt, sodass sich die Wildpferde verbreiten können. Doch wir haben Glück: Nach nur 40 Minuten sehen wir 150 Meter links von uns eine Herde von ungefähr 15 Brumbies parallel zu uns entlang galoppieren! «Dies ist eine aussergewöhnlich grosse Herde, normalerweise sind die ‹Mobs› nur etwa 7–8 Pferde gross. Dies deutet auf einen starken Alpha-Hengst hin, der es schafft, so eine grosse Gruppe zusammenzuhalten», meint Sam.

Gehegt und gepflegt
Ich bin erstaunt, wie ein einzelner Mann ein so grosses Gebiet alleine betreiben kann. Sam lacht und sagt: «Mir wird es nie langweilig, ich liebe meine Arbeit. Es gibt keine Routine; jeder Tag ist anders.» Sams Arbeit ist sehr abwechslungsreich und fordert viele verschiedene Eigenschaften. So kontrolliert und repariert er Zäune, beobachtet die Brumbies, kontrolliert die Wassertanks der Pferde, platziert Salzsteine für die Brumbies an verschiedenen Wasserstellen, wartet und repariert alle Fahrzeuge und Maschinen, mäht den Rasen, schneidet Bäume um das Homestead herum, arbeitet an den alten Hotelgebäuden und betreibt Feuer-Risikomanagement.

Bis 2008 war ein Hotel auf Bonrook in Betrieb. Da der Tourismus im Staat Northern Territory jedoch zurückging, und die Versicherungskosten für den Hotelbetrieb in die Höhe schoss, entschied sich die FFW im Jahr 2008, ihre Arbeit komplett auf das Hegen und Pflegen der Brumbies und der pensionierten Reitpferde zu fokussieren und schloss das Hotel.

Wunderbare Flora und Fauna
Knallgrünes Gras wohin ich nur schaue. Sam erklärt: «Alle Ländereien im Northern Territory werden all drei Jahre von einer staatlichen Behörde kontrolliert.» Untersucht wird der Zustand und die Qualität der Wiesen, Gräser und der Erde. Die letzte Kontrolle auf Bonrook war im August letzten Jahres: An 16 verschiedenen Stellen wurden Flächen von jeweils 50 Metern Radius getestet. Der Befund: «Gut» – ein exzellentes Resultat für ein Gebiet, das von Wildtieren bewohnt ist.

Obwohl mir Sam erklärt, «Mitte Jahr, während der Trockenzeit, haben wir hier eine grössere Vielfalt an Vögeln», sehe und höre ich unzählige Vögel, wie z.B. Kakadus (Cockatoos), Galahs, Fasanspornkuckucke (Pheasant Coucals), Regenpfeifer (Plovers), Australische Ibisse (White Ibis) und Brolgakraniche (Brolgas). Als wir am zweiten Tag den südwestlichen Teil des Franz Weber Territory erkunden, entdecke ich am Wegrand etwas für mich ganz Spezielles: Das wunderbare, mit viel Liebe und Geschick gebaute Nest eines Graulaubenvogels (Great Bowerbird) aus vorsichtig ausgewählten Zweigen. Die Eingänge sorgfältig geschmückt mit weissem Empfangsteppich aus Hunderten Schneckenhäuschen und farbigen Glasscherben, so versucht das Männchen eine Partnerin anzulocken. Dank seinem aussergewöhnlich klugen Nestbau wird der Graulaubenvogel als einer der intelligentesten Vögel angesehen.

Stets dem Feuer ein Schritt voraus 
Die verheerenden Feuer im Süd-Osten Australiens betreffen Sam und Bonrook nicht direkt. Trotzdem beschäftigt er sich ernsthaft mit dem Thema; er bespricht es an Sitzungen mit Nachbarn, indigenen Gruppen und der lokalen Feuerwehr. Als Vize-Kapitän der lokalen Freiwilligen Feuerwehr, hat Sam ein ausgezeichnetes Wissen über Risiko, Kontrolle und Management von Buschfeuern. «Feuer-Risikomanagement muss kontinuierlich das ganze Jahr über betrieben werden. Der Schlüssel ist, dem Feuer immer einen Schritt voraus, stets proaktiv und gut vorbereitet zu sein», meint Sam.

Nach vier Tagen neigt sich mein Besuch auch schon wieder dem Ende zu. Ich bin froh zu sehen, wie gut es den Tieren und der Natur auf Bonrook geht und kann nun auch nach mehreren Tagen Regen im Süden des Landes in ein rauchfreies Sydney zurückkehren.

 

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