An der zwanzigsten Tagung der Vertragsstaatenkonferenz (CoP20) des CITES, die vom 24. November bis zum 5. Dezember 2025 in Samarkand (Usbekistan) stattfand, beschlossen die 165 teilnehmenden Länder, den Schutz mehrerer bedrohter Arten zu verbessern. Dennoch bleibt der Afrikanische Elefant ein zentraler Streitpunkt, an dem zwei gegensätzliche Auffassungen von Artenschutz aufeinandertreffen. Die Fondation Franz Weber (FFW), seit 1989 offizielle Beobachterin im Rahmen des CITES, beteiligte sich erneut aktiv an diesem internationalen Gipfel.
Positive Bilanz beim Artenschutz
Trotz eines angespannten geopolitischen Kontexts verbesserten die Vertragsstaaten des Übereinkommens über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES) den internationalen Schutz zahlreicher Hai- und Rochenarten, Leguane und anderer Reptilien sowie von Fröschen der Gattung Pelophylax, der roten Vogelspinne und der gestreiften Hyäne.
Auch bei der Überwachung des Handels mit Meereszierfischen wurde auf Initiative der Fondation Franz Weber ein Fortschritt erzielt, (siehe Seite 17 JFW155).
Elfenbeinmärkte: Japan leugnet die Realität
In diesem Jahr verliefen die technischen Debatten über Elefanten zum ersten Mal seit Langem relativ ruhig.
Einziger Wermutstropfen: Japan, der letzte grosse noch offene Elfenbeinmarkt, wurde mit keinen spezifischen Forderungen konfrontiert. Das Land behauptet, sein Binnenhandel trage nicht zur Wilderei und zum illegalen Handel bei. Für zahlreiche afrikanische Staaten ist diese Position unverständlich: Wie kann ein Land ohne Elefanten behaupten, dass sein regelmässig mit Elfenbein belieferter Markt den Rückgang der Populationen in Afrika nicht fördert?
Namibia beharrt auf dem Verkauf seines Elfenbeins
Entgegen dem internationalen Trend legte Namibia einen Vorschlag vor, der den Verkauf seiner Rohelfenbeinvorräte (ganze Stosszähne und unverarbeitete Stücke) erlauben sollte. Die CoP lehnte diesen Antrag jedoch mit nahezu 80 Prozent der Stimmen ab. Ein weiteres Zeichen mangelnder Einsicht eines Landes, das nahezu bei jeder Tagung ähnliche Vorschläge einbringt – häufig verbunden mit Forderungen nach dem Verkauf von Nashornhörnern – ohne je zu überzeugen. Dieses Beharren steht im starken Gegensatz zum wachsenden internationalen Konsens, das Verbot des Elfenbeinhandels strikt aufrechtzuerhalten.
Unsicherheit für lebende Elefanten
Für lebende Elefanten bleibt die Situation unsicher. Grundsätzlich sollten ihre Exporte auf «geeignete und annehmbare Bestimmungsorte» beschränkt sein – also auf Schutzgebiete in situ in Afrika. Einige Länder des südlichen Afrikas, darunter Botswana, haben jedoch angedeutet, diese Bestimmungen weit auszulegen, um weiterhin Elefanten in Zoos ausserhalb des Kontinents exportieren zu können.
Unsere Mission ist klar: wachsam bleiben, jede einzelne Gefangennahme und jeden Export dokumentieren und auf der nächsten CoP mit noch mehr Nachdruck auftreten. Kein Elefant sollte zu einem Leben in Gefangenschaft verurteilt werden.
Ein überholtes Artenschutzmodell
Mehrere Länder des südlichen Afrikas – darunter Südafrika, Botswana, Namibia und Simbabwe – vertreten weiterhin eine utilitaristische Auffassung des Artenschutzes: Trophäenjagd, Handel mit Elfenbein oder Horn sowie der Verkauf lebender Tiere – ausbeuten, um besser zu schützen. Ihrer Ansicht nach sollen diese Einnahmen den Schutz der Arten finanzieren. Die Geschichte zeigt jedoch das Gegenteil. Der Verkauf offizieller Elfenbeinbestände im Jahr 2008 führte zu einem Anstieg der Wilderei und des illegalen Handels und verursachte den Zusammenbruch zahlreicher Elefantenpopulationen, während die Einnahmen intransparent blieben und kaum den lokalen Gemeinschaften zugutekamen.
Die FFW als offizielle Beobachterin und zentrale Akteurin
Was macht die FFW konkret als offizielle Beobachterin bei diesen internationalen Treffen? In Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen analysieren wir sämtliche der CoP vorgelegten Dokumente, um klare, fundierte und strategische Positionen für die Öffentlichkeit und die Entscheidungsträger zu formulieren. Mithilfe unserer Expertinnen und Experten für internationales Recht, die Biologie von Elefanten und marinen Arten sowie für politische Strategie und Kampagnen stellen wir den Vertragsstaaten Berichte, Stellungnahmen und vertiefte Analysen zur Verfügung, um ihnen zu helfen, die Tragweite der vorgelegten Vorschläge und deren konkrete sowie langfristige Auswirkungen vollständig zu erfassen.
Was ist die CoP20 der CITES?
Das Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES) ist ein internationaler Vertrag mit dem Ziel, den Handel mit Arten so zu regulieren, dass ihre Nutzung ihr Überleben nicht gefährdet. Oberstes Organ ist die Vertragsstaatenkonferenz (CoP), eine Art Generalversammlung, die alle drei Jahre sämtliche Mitgliedstaaten zusammenbringt, um über die zukünftige Ausrichtung des Abkommens zu entscheiden.
Während dieser Treffen verabschiedet die CoP Durchführungsbeschlüsse, ändert die Anhänge mit den geschützten Arten und erteilt dem Ständigen Ausschuss – dem Exekutivorgan – sowie dem Sekretariat Anweisungen, die Arbeiten zwischen zwei Sitzungen fortzuführen. Die CoP20 war die zwanzigste Tagung der Vertragsstaatenkonferenz, die nächste – CoP21 – wird 2028 in Panama stattfinden.
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