08.03.2022
Fondation Franz Weber

Medienmitteilung: Namibia exportiert 22 wilde Elefanten unter eklatanter Missachtung des internationalen Rechts

Am 6. März 2022 gab das namibische Ministerium für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus (MEFT) in einer per E-Mail versandten Erklärung schliesslich zu, dass der Staat 22 wild gefangene Elefanten wahrscheinlich in den Zoo von Al Ain in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) exportiert hat. Die Exporte wurden nur einen Tag vor einer Tagung des Übereinkommens über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES) in Lyon (Frankreich) bestätigt, bei der die Länder die Rechtmässigkeit des Vorgehens Namibias prüfen werden.

Die Erklärung der MEFT bestätigt die seit mehr als einem Jahr bestehenden Spekulationen, dass Namibia schon immer die Absicht hatte, seine Elefanten ausserhalb Afrikas zu exportieren, wie es dies in der jüngsten Vergangenheit nach Kuba und Mexiko getan hat. Technisch gesehen ist es Namibia jedoch nur erlaubt, lebende Elefanten zu In-situ-Erhaltungsprogrammen (d. h. innerhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets der Art in Afrika) zu exportieren, wie es die CITES-Liste seiner Elefantenpopulation vorsieht. Namibia beruft sich auf eine juristische Auslegung dieser Bestimmungen, um zu rechtfertigen, dass wild gefangene Elefanten in Gefangenschafts-Einrichtungen ausserhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets verfrachtet werden – eine Auslegung, die höchst umstritten ist.

Die Ankündigung Namibias kommt nur einen Tag vor der 74. Sitzung des Ständigen CITES-Ausschusses (SC74), die diese Woche in Lyon, Frankreich, beginnt und bei der am Mittwoch, 9. März insbesondere die Rechtmässigkeit der namibischen Auslegung in Bezug auf die Ausfuhr lebender Elefanten geprüft werden soll. Burkina Faso, (Land mit Elefanten-Verbreitungsgebiet in Westafrika) der an der Sitzung teilnimmt, hat dem SC74 ein Rechtsgutachten vorgelegt, das belegt, dass diese Exporte gegen die CITES-Bestimmungen verstossen – und dies auch weiterhin tun.

Namibia versucht, die Verkäufe als «Eingriff bei den zunehmenden Konflikten zwischen Mensch und Tier, insbesondere mit Elefanten…» zu rechtfertigen. Alle 22 Elefanten wurden jedoch im kommerziellen Landwirtschaftsgebiet von Kamanjab gefangen, ein ländliches Gebiet, das nicht sehr stark bevölkert ist. Einem Bericht aus dem Jahr 2021 zufolge handelt es sich um ein Gebiet in der trockenen Kunene Region im Nordwesten Namibias, in dem die Elefantenbestände gefährlich niedrig sind. Dies ist vor allem auf die jahrelange Dürre und auf vom Menschen verursachte Umstände wie Trophäenjagd, Verfolgung und Beeinträchtigung des natürlichen Lebensraums für landwirtschaftliche Aktivitäten zurückzuführen.

Nach Ansicht von Dr. Keith Lindsay, Experte für Elefantenbiologie, sind diese Begründungen nicht stichhaltig. «Besonders besorgniserregend sind die extrem niedrigen Zahlen der Zuchtbullen und die hohe Kindersterblichkeitsrate (100 Prozent seit 2014) der Population in diesem Gebiet der Kunene Region. Der Plan der MEFT, lebende Elefanten aus diesem speziellen Gebiet zu entfernen, läuft dem Schutz dieser Teilpopulation zuwider. Und da die Elefantenpopulation so gering ist, ist auch das Auftreten von Konflikten zwischen Menschen und Elefanten entsprechend niedrig, viel niedriger als in anderen Teilen Namibias, vor allem im Nordosten, wo Elefanten weit über internationale Grenzen hinweg auf Wanderung gehen», erklärt Lindsay eindrücklich.

Laut der MEFT-Erklärung wurden die Elefanten an einen namibischen Wildtierzüchter, einem gewissen G.H. Odendaal verkauft, der sie dann an die VAE weiterverkaufte. Es mutet seltsam an, dass die MEFT Odendaal als Privatperson – der den Preis für sich selbst erhöht haben muss – erlaubt hat, die Exporte abzuwickeln, anstatt dass die MEFT direkt mit den VAE verhandelte. Dieser Schritt widerspricht der üblichen Rhetorik, dass die Regierung ihre Wildtiere im Namen der Armutsbekämpfung für ländliche Gemeinschaften vermarktet. Dieser Export ist ein lukratives Geschäft, das nur einem bereits wohlhabenden weissen namibischen Landbesitzer zugutekommt.

Vera Weber, Präsidentin der Fondation Franz Weber, findet klare Worte: «Die Regierung muss diese Woche im Ständigen Ausschuss zur Rechenschaft gezogen werden, sowohl für die Verletzung der CITES-Regeln als auch für die Bedrohung einer Elefantenpopulation, die bereits von jahrelanger Dürre und menschlicher Verfolgung geprägt ist, unter dem Vorwand, die HEC-Vorfälle zu lösen. Im Jahr 2019 hat die Mehrheit der CITES-Mitglieder den internationalen Handel mit lebenden, in freier Wildbahn gefangenen Elefanten zur Nutzung in Gefangenschaft verboten, darunter auch die EU, die sich weltweit für den Schutz und die Erhaltung der Artenvielfalt einsetzt. Dieser barbarische Export lebender Elefanten sollte von politischen Entscheidungsträgern in Brüssel, Paris, Berlin und weit darüber hinaus verurteilt werden».