29.06.2026
Leïla Ezzat

Von einem Gehege ins nächste

Ende März 2026 wurden die zwei Afrikanischen Elefantinnen Maya und Rosy, die fast ihr ganzes Leben zusammen waren, aus dem Zoo Basel in zwei unterschiedliche Einrichtungen in Frankreich verlegt. Die Entscheidung, die vom «Zolli» als Reaktion auf ihre sich verschlechternden Beziehungen nach dem Tod der Elefantenkuh Heri dargestellt wurde, wirft ernsthafte Fragen auf. Ging es bei der Entscheidung des Zoos um das «Wohlergehen» der Elefantinnen oder doch in erster Linie um eigene Interessen? Die Fondation Franz Weber begab sich nach Peaugres und Amnéville, um sich dort ein Bild von den Aufnahmebedingungen und der sozialen Dynamik der Elefantinnen zu machen.

Um sich ein Bild von der Situation der Elefantinnen Rosy und Maya nach ihrem Transfer aus Basel zu machen, entsandte die FFW im Mai 2026 ein Team unter der Leitung des international anerkannten Elefantenbiologen Dr. Keith Lindsay nach Frankreich. Ziel des Besuchs war es, die neuen Lebens- und Haltungsbedingungen der beiden Elefantinnen vor Ort zu beurteilen.

Für Maya bedeutet der Umzug nach Peaugres eine gewisse Verbesserung

Maya, laut dem Zolli die «zurückhaltendere, aber auch die ausgeglichenere» der beiden Elefantinnen, wurde am 24. März 2026 in den Wow Safari Peaugres verlegt. Sie kam dort mit zwei Afrikanischen Elefantinnen zusammen – der etwa 38 Jahre alten Kenya aus Simbabwe, die 2009 im Zoo eintraf, nachdem sie mehrere Jahre lang von der Zirkusindustrie ausgebeutet worden war, und der 58-jährigen Ettie aus dem Kruger-Nationalpark, die 1992 ankam.

Unser Team unter der Leitung von Keith Lindsay, Biologe und Experte für Elefanten, konnte mehrere positive Aspekte verzeichnen. In Peaugres steht den Elefanten mehr Platz zur Verfügung, was ein natürlicheres Verhalten zulässt, sowie ein Feuchtgebiet, in dem sie baden und frische Pflanzen fressen können. Doch trotz der Grösse des Parks (80 Hektar) bleibt der ihnen zugedachte Platz begrenzt. Das Gehege, das überwiegend aus gestampfter Erde besteht, bietet keinerlei Schatten – ein Muss bei grosser Hitze, zumal die Elefanten offenbar dazu gezwungen werden, sich tagsüber im Freien aufzuhalten. 

Die zwei Elefantinnen sind in sehr unterschiedlicher körperlicher Verfassung. Ettie, die ältere, ist mager und weist deutliche Alterserscheinungen auf. Kenya dagegen scheint übergewichtig zu sein und legt vor der Stalltür ein stereotypes Verhalten (head bobbing) an den Tag – ein Zeichen von Stress und Frustration darüber, dass sie nicht hineingehen, fressen und frei interagieren kann. Wie bei den zwei anderen Elefantinnen tritt bei der vor Kurzem angekommene Maya Sekret aus den Schläfendrüsen aus, was auf Stress hinweist. 

Die soziale Dynamik der Tiere wirkt fragil. Ettie sondert sich ab und meidet den Kontakt mit den zwei anderen Elefantinnen. Maya wiederum versucht, sich Kenya anzunähern, erhält darauf jedoch offenbar keine positive Reaktion. «Die drei scheinen kein besonders freundschaftliches Verhältnis zu haben, sondern gehen sich eher aus dem Weg und halten einen nahezu gleichen Abstand zueinander ein», stellt Dr. Keith Lindsay fest. Bei Elefanten, insbesondere bei Elefantenkühen, ist die soziale Dynamik jedoch entscheidend für ihr Wohlergehen. 

Für Rosy ist die Verlegung nach Amnéville ein dramatischer Rückschlag

Rosy wurde am 26. März nach Amnéville im Norden von Metz verlegt. Die Anlage für Elefanten ist dort mehr als enttäuschend: Der etwa 2000 Quadratmeter umfassende Aussenbereich wird von kleinen, nur wenig Schatten spendenden Bauminseln noch weiter verkleinert. Auf dem Boden wachsen keinerlei frische Pflanzen, die Beschäftigungsmöglichkeiten sind minimal, das Wasserbassin sehr schmal, und das veraltete Innengehege gleicht demjenigen im Zoo Basel. Im Zoo, der an einen Hotelkomplex und ein Casino angrenzt, wird mehr Wert auf das Besuchererlebnis gelegt als darauf, einen Raum zu schaffen, der dem Artenschutz und den Bedürfnissen der Tiere gerecht wird. 

Anders als Maya lebt Rosy nur mit einer einzigen Elefantin, Inga, zusammen, die seit dem «plötzlichen» Tod des Elefantenbullen Niko im Dezember 2025 alleine war. Inga kam 2018 aus einem Zirkus in Portugal nach Amnéville. Der Gesundheitszustand der etwa vierzigjährigen Elefantenkuh ist alarmierend, was wahrscheinlich auf Misshandlungen in der Vergangenheit zurückzuführen ist. Sie leidet unter Knorpelrissen an beiden Ohren, Narben an der linken Flanke, starkem Untergewicht sowie Bewegungseinschränkungen und weist ein stereotypes Verhalten auf. «Sie näherte sich dem Innengehege mindestens eine Stunde vor dessen Öffnung … und schaukelte ihren Kopf stressbedingt auf und ab.», berichtet Dr. Lindsay. 

Verglichen mit Inga befindet sich Rosy in besserer körperlicher Verfassung – hat jedoch etwas Übergewicht. Sie passt sich allmählich ihrer neuen Umgebung an und versucht im Aussengehege, Kontakt mit Inga aufzunehmen, jedoch ohne nennenswerte positive Reaktion. 

Um 16 Uhr wurden die Elefantinnen zu einer «Tierbeschäftigungs-Vorstellung», die eher der Unterhaltung der Besucherinnen und Besucher diente als dem Wohlbefinden der Tiere, in den Innenraum gelockt. Jede von ihnen machte sich in ihrem jeweiligen Gehege an einem Futterball zu schaffen, um an «Leckerbissen» zu gelangen. Für Rosy war das besonders frustrierend. Nach Ansicht von Dr. Lindsay trägt «das Innengehege nicht zum Wohlbefinden der Elefanten bei und bietet sicherlich nichts, was man als Bereicherung der Umgebung bewerten könnte». 

Ein Vergleich

In beiden Zoos war ein Ethologiestudent anwesend, um die Verhaltensdynamik der Elefanten zu beobachten. Den gesammelten Informationen zufolge löste Rosys Ankunft Aggressionen bei Inga aus, die eigentlich als unterwürfige Elefantin beschrieben wurde. In Peaugres wurde dem Team mitgeteilt, dass sich Ettie, die ältere Elefantenkuh, seit Mayas Ankunft zurückgezogen habe. In beiden Fällen betont das Personal, dass die Eingewöhnung der zwei Elefantinnen schrittweise erfolgt, insbesondere durch einen allmählichen Zugang zu den gemeinsamen Bereichen. 

Logistik hat Vorrang vor dem Wohlbefinden der Elefantinnen

Die Situation in beiden Zoos ist sehr unterschiedlich. Der Wow Safari Peaugres stellt verglichen mit dem Basler Zolli eine gewisse Verbesserung dar, wird jedoch den sozialen, räumlichen und verhaltensbezogenen Bedürfnissen der Elefanten nach wie vor nicht gerecht. Amnéville hingegen bietet für Rosy keine wesentliche Verbesserung, weder in Bezug auf die Anlage noch auf die sozialen Beziehungen – ganz im Gegenteil: Rosy hat nun alles verloren, sogar die Bindung zu der Elefantin, mit der sie seit ihrem Fang als Baby zusammenlebte. 

Laut einer Mitteilung des Zoos Basel «haben sich Maya und Rosy in ihren jeweiligen Zoos gut eingelebt». Die Beobachtungen unseres Teams beweisen jedoch das Gegenteil. Von einem Zoo in den anderen verschickt wie austauschbare Gegenstände, finden sich diese sozialen Riesen in Gruppen wieder, die dem Sozialleben abträglich sind und in denen gegenseitige Vermeidung zur Norm wird. Die Tiere verlieren die einzigen stabilen Bindungen, die ihnen noch geblieben waren. Ihre Einsamkeit ist absolut.

Diese Feststellung wirft die Frage auf, ob es sinnvoll war, Maya und Rosy nach so vielen gemeinsamen Jahren zu trennen, und gibt Aufschluss über die Prioritäten des Basler Zoos, der drei neue – und gebärfähige – Elefantenkühe aufnehmen will. Der Basler Zoo bekräftigt mit dieser Entscheidung seinen Willen, sich aktiv am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) des EAZA zu beteiligen. Dabei fand dort seit 1994 keine einzige erfolgreiche Elefantengeburt mehr statt, d.h. der Zolli hat in den letzten drei Jahrzehnten keinerlei Beitrag zu einer sogenannten «Reservepopulation» geleistet. 

Vor diesem Hintergrund stand bei der Verlegung von Maya und Rosy offenbar nicht so sehr das Wohlergehen der Elefantinnen im Mittelpunkt, als vielmehr der Wunsch, Besucherinnen und Besucher anzuziehen und zu unterhalten. Dr. Lindsay meint dazu: «Der Ansatz des Basler Zoos besteht darin, die Elefanten zu zwingen, sich dem Zoo anzupassen, und nicht die vom Zoo gebotenen Bedingungen den Elefanten anzupassen.» 

Die Zukunft dieser Riesen sollte nicht darin bestehen, von Betongehege zu Betongehege verschickt zu werden, sondern in einer endgültigen Umsiedlung in weitläufige Schutzgebiete. Nur Gebiete, in denen die Freiheit nicht in Quadratmetern, sondern in Hektaren gemessen wird, können Elefanten die Möglichkeit zurückgeben, selbst zu entscheiden, mit wem sie leben und wohin sie gehen wollen – und ihnen damit jene Würde zurückgeben, die ihnen ein Leben in Gefangenschaft verwehrt.

 

Informationen, die die beiden Zoos teilen

Die Informationen, die beide Zoos ihren Besucherinnen und Besuchern vermitteln, sind wissenschaftlich lückenhaft, unzureichend und bevormundend. Die Informationstafeln verzerren die Wahrnehmung von Erwachsenen und Kindern und lassen die Öffentlichkeit zunehmend den Bezug zum natürlichen Leben wildlebender Tiere verlieren.

Ein Beispiel aus Amnéville: Henk, einer von zwei Eisbären des Zoos, legt ein repetitives Verhalten an den Tag, das der Zoo als «pacing» bezeichnet. Laut der Informationstafel spiegelt das konstante Hin- und Herlaufen des Bären um das Wasserbecken nicht Unwohlsein wider, sondern zeigt, dass «ihm ein klein bisschen fehlt, um all seine Verhaltensweisen voll auszuleben». Dem Zoo ist es bis heute nicht gelungen, Henks Verhalten erfolgreich zu behandeln – eine Störung, die offenbar schon bei seiner Ankunft bestand. Wissenschaftlich betrachtet handelt es sich dabei ganz klar um ein in Gefangenschaft wohlbekanntes stereotypes Verhalten, das auf Stress, Langeweile und Frustration hindeutet. Offenbar geht es eher darum, zu unterhalten als zu lehren und zu sensibilisieren – obwohl sich die meisten Tierpärke genau das auf die Fahne schreiben. 

Auch werden nur sehr wenige Informationen darüber geteilt und aktualisiert, mit welchen Massnahmen Zoos sich an Artenschutzprogrammen beteiligen – eine überraschende Erkenntnis, wenn man bedenkt, wie sehr diese Einrichtungen ihre Bedeutung für den Erhalt der Artenvielfalt betonen.  

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