29.06.2026
Anna Zangger

Im Elefantenschutzgebiet in Brasilien

Schon seit mehreren Jahren arbeitet die Fondation Franz Weber (FFW) im Rahmen ihrer Kampagne «ELE» mit dem Elefantenschutzgebiet in Brasilien zusammen. Ziel dieser Kampagne ist es, Elefanten, die in Südamerika, insbesondere in Argentinien, in Gefangenschaft leben, zu befreien und sie in Schutzgebiete umzusiedeln, die ihren Bedürfnissen angepasst sind. Im März 2026 durfte ich diesen einzigartigen Ort besuchen und das Team kennenlernen ebenso wie die Bewohner, die dort – nach jahrzehntelanger Gefangenschaft in Zoos oder Zirkussen – nun ein würdiges Leben führen.

Im Herzen des brasilianischen Elefantenschutzgebiets

Das über 1’000 Hektar grosse brasilianische Elefantenschutzgebiet (SEB) liegt im Bundesstaat Mato Grosso im Zentrum von Brasilien. Die Elefanten leben hier in einer weitläufigen Landschaft aus Wäldern und Naturgebieten, durchzogen von Flüssen und Wasserstellen. Der Kontrast zu den beengten und künstlich angelegten Zoogehegen könnte nicht grösser sein.

Dennoch geniessen die Elefanten im Schutzgebiet keine uneingeschränkte Freiheit. Stabile Zäune begrenzen ihren Lebensbereich, und die vorhandene Infrastruktur gewährleistet die notwendige Versorgung. Es ist ein Ort zwischen Gefangenschaft und Freiheit, der ihnen ein würdigeres Leben ermöglicht, wenn man ihnen das Leben in freier Wildbahn schon nicht zurückgeben kann. 

Die Elefanten sind durch die Gefangenschaft für immer gezeichnet

Fünf asiatische Elefantinnen leben derzeit im Schutzgebiet: Maia, Rana, Bambi, Mara und Guillermina. Sie haben ihr gesamtes Leben in Zirkussen oder Zoos verbracht. Einige von ihnen sind über sechzig Jahre alt. 

Ihre Körper erzählen die Geschichte ihres Lebens: Sie haben Probleme mit den Füssen, beschädigte Nägel, vorzeitige Alterserscheinungen. Doch sie sind nicht nur körperlich verletzt. So beobachten die Pflegerinnen und Pfleger immer noch Stereotype – ein für Tiere in Gefangenschaft typisches repetitives Verhalten – die vor allem in «Stresssituationen» weiterhin auftreten, etwa wenn sie einige Minuten warten müssen, bevor sie gefüttert und versorgt werden. Was bei einem Besuch im Schutzgebiet ins Auge sticht, ist die Tatsache, dass diese Elefanten ehemalige Gefangene sind – alte, geschwächte Tiere, in deren Körper und Geist sich die Spuren lebenslanger Ausbeutung eingebrannt haben. 

Daher verfolgt das Schutzgebiet einen gleichermassen konsequenten wie zutiefst empathischen Ansatz. Jeder Elefant erhält eine individuelle Betreuung, die aus einer Kombination tierärztlicher Versorgung, ergänzenden Behandlungen, sanfter Medizin und positiver Verstärkung besteht. Die Interaktionen erfolgen im sogenannten «geschützten Kontakt», was die Sicherheit von Mensch und Tier gewährleistet. 

Eine beeindruckende logistische Leistung im Dienste des Tierwohls

Das Schutzgebiet ist hervorragend organisiert. Alle kennen ihre Aufgabe genau, ebenso wie das Temperament und die Eigenheiten jedes Elefanten. Zweimal täglich bereiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter passende Futterrationen zu, verabreichen Medikamente und führen auf das jeweilige Tier abgestimmte Behandlungen durch, wie Fussbäder für Rana oder Augenpflege für die fast blinde Bambi.

Das Schutzgebiet wird von einem kleinen, äusserst engagierten Team betrieben, das mit jedem einzelnen Elefanten bestens vertraut ist. Die Fürsorge, die den Tieren hier zuteil wird, spiegelt sich auch im Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wider, der respektvoll und achtsam ist. 

Wir müssen unsere Beziehung zu den Elefanten dringend überdenken

Im Elefantenschutzgebiet werden neben den Erfolgen auch die Grenzen sichtbar sowie das Ausmass der Schäden, die die Gefangenschaft verursacht hat. Obwohl sich die Lebensbedingungen der Elefanten erheblich verbessert haben, bleiben sie für den Rest ihres Lebens gezeichnet, da sie sowohl körperlich als auch seelisch schwer traumatisiert sind.

Das Schutzgebiet ist nicht die Lösung aller Probleme. Aber es ist ein Ort der Heilung. In einer Welt, in der Elefanten weiterhin zu Unterhaltungszwecken ausgebeutet oder in völlig ungeeigneten Gehegen ausgestellt werden, markiert es eine wichtige Etappe: Es zeugt von einem Umdenken – und von einem Paradigmenwechsel.

Die Fondation Franz Weber und die Kampagne «ELE»

Seit mehr als zehn Jahren setzt sich die Fondation Franz Weber (FFW) im Rahmen ihrer Kampagne «ELE» aktiv dafür ein, der Gefangenschaft von Elefanten in Südamerika und auf der ganzen Welt ein Ende zu setzen. Ihr Ziel ist klar: Elefanten, die in Zoos oder veralteten Anlagen gehalten werden, sollen in Schutzgebiete umgesiedelt werden, die ihren Bedürfnissen gerecht werden. 

Dabei geht die FFW diplomatisch, politisch und operativ vor. Sie steht in direktem Dialog mit den Zooleitungen und den zuständigen Behörden, um konkrete und für alle Beteiligten tragbare Lösungen zu finden. Zudem begleitet sie die komplizierten administrativen Schritte im Zusammenhang mit den Umsiedlungen der Elefanten weltweit und unterstützt die dafür notwendigen Entscheidungsprozesse. Diesem Engagement ist es zu verdanken, dass mehrere der derzeitigen Bewohner des brasilianischen Schutzgebiets nun ein neues, würdigeres Leben führen können, das ihren arttypischen Bedürfnissen besser gerecht wird. 


Pupy und Kenya

2025 wurden die zwei Afrikanische Elefantinnen Pupy und Kenya aus argentinischen Zoos ins Elefantenschutzgebiet in Brasilien umgesiedelt mit dem Ziel, ihnen nach jahrzehntelanger Gefangenschaft endlich ein angemesseneres Leben zu bieten. Leider starben beide fünf beziehungsweise sechs Monate nach ihrer Ankunft. Die genauen Todesursachen sind noch nicht vollständig geklärt, insbesondere, da die postmortalen Untersuchungen viel Zeit in Anspruch nehmen. 

Eine Ursache liegt jedoch auf der Hand: die extreme Anfälligkeit dieser Tiere, die körperlich und seelisch tief von ihrem Leben in Gefangenschaft gezeichnet waren.  Weitere Informationen dazu finden Sie in der vorherigen Ausgabe des Journal Franz Weber.

 

Share this