11.04.2018
Alejandra Garcia

Die Rettung der 270 Pferde von Salta – ein Wettlauf gegen die Zeit

Hilferufe erreichen uns zur Genüge, doch dieser hier war besonders verzweifelt. 270 Pferde und Esel würden auf einem Grundstück der Polizei in Salta in Nordargentinien an Hunger und Krankheiten sterben. Die Tiere, die grösstenteils zur Müllsammlung eingesetzt worden waren, wurden von der Polizei bei den Besitzern wegen Misshandlung beschlagnahmt. Doch die vermeintliche Rettung der Tiere wurde zu einem neuen Albtraum.

Nach dem Notruf einer jungen Frau aus Salta machte sich das argentinische Team der Fondation Franz Weber (FFW) sofort auf den Weg. Der Ort des Grauens liegt 800 Kilometer vom Gnadenhof EQUIDAD entfernt. Man wollte sich vor Ort ein Bild der Lage machen und in Zusammenarbeit mit der Polizei einen Aktionsplan vorlegen, um den Tieren zu helfen. Was unser Team vorfand, war der reinste Albtraum.

In einem Hof der Polizei von Salta leben die Tiere in einer Hölle aus Schlamm und Exkrementen. Sie versinken bis zum Sprunggelenk darin und ziehen sich so Verletzungen und Infektionen zu. Ihre Hufe verfaulen buchstäblich. Sie sind abgemagert; das spärliche Futter ist schlecht. Nur um an etwas Wasser aus einem verrosteten Bottich zu kommen, gibt es ein verzweifeltes Gerangel. Hengste leben mitten in der Gruppe, so dass jede Woche auch noch Fohlen in diese unerträglichen Lebensbedingungen hineingeboren werden…

Die Tiere zahlen den Preis
Unsere Empörung über diese Zustände wurde noch viel grösser, als wir erfuhren, dass verschiedene öffentliche Behörden dafür verantwortlich waren. Zwar hat die Gemeinde von Salta den Einsatz von Zugtieren verboten – ohne allerdings den gut 300 Familien der Abfallverwerter dieser Stadt andere Möglichkeiten zu bieten. Dabei hatte sich Salta verpflichtet, unser Programm «Basta de TaS!» (Schluss mit der Müllabfuhr mit
Pferden) umzusetzen. Die Verwaltung begnügte sich damit, lediglich 50 Motorfahrzeuge zur Verfügung zu stellen, ohne die Pferde zum Austausch zu verlangen. Zudem ergriff sie weder politische Massnahmen zur sozialen Eingliederung noch gewährte sie den Familien Unterstützung.

Da das Einkommen der 250 Familien, die ohne Motorfahrzeug auskommen mussten, sank (weil sie ihre Pferde nicht mehr brauchen durften), verschlechterte sich der Zustand der Pferde zusehends. Einige von ihnen landeten auf den öffentlichen Strassen, wo sie herumirrten. Diese griff die Polizei auf und brachte sie auf den zum Kommissariat gehörenden Hof.

Doch die Polizei beharrt darauf, dass diese Pferde ihr nicht gehörten. Sie seien aufgrund eines Gerichtsbeschlusses beschlagnahmt worden und daher sei die Justiz für sie zuständig. So sind es die Tiere, die den Preis dafür zahlen: Sie erhalten viel zu wenig und noch dazu schlechtes Futter, während sie unter den genannten grauenvollen Bedingungen ausharren müssen. Die Provinzregierung aber, der die Polizei unterstellt ist, hat keinerlei Interesse an den Pferden und überlässt sie der Willkür der Polizei.

Wettlauf gegen die Zeit
Vor Ort haben wir unverzüglich bei den für diese Dossiers zuständigen Gerichten eine Reihe von Verfahren angestrengt. Wir wollen die richterliche Genehmigung erhalten, dass wir uns um diese Tiere kümmern und sie dort herausholen dürfen. Doch trotz vorgeblich guten Willens hat die Polizei nicht die geringste Lust, mit uns zusammenzuarbeiten. Der Polizei zufolge dringen wir in ihr Territorium ein, auf ein Gelände, auf welchem diese Scheusslichkeit verborgen bleiben sollte. Bricht ein Pferd im Schlamm zusammen und stirbt, so wird dies mit absoluter Gleichgültigkeit hingenommen oder – schlimmer noch – mit widerlichen Scherzen kommentiert.

Zudem wollen gewisse Richter der Polizei die Versteigerung der Pferde erlauben, auf welche dann ein qualvoller Tod auf dem Schlachthof wartet.

Dem Team der FFW ist es zum Glück gelungen, die erste Versteigerung, die von einem der Gerichte durchgeführt werden sollte, zu verhindern. Doch unser Team hat sich auf einen echten Wettlauf mit der Zeit eingelassen, um die Tiere aus diesem Lager zu befreien, bevor ein anderer Richter ihre Versteigerung beschliesst. Obwohl die Polizei weiter beteuert, mit uns zusammenzuarbeiten, ersucht sie gleichzeitig die Richter darum, diese Art des Verkaufs zu veranlassen, um sich die Einnahmen daraus zu sichern und sich des Problems schnell zu entledigen.

Ein Hoffnungsschimmer?
Um den Tieren etwas Linderung zu verschaffen, finanzieren wir seit drei Monaten ihr Futter, ihre Medikamente und ihre tierärztliche Versorgung. Unserem Team ist es zudem gelungen, mit der veterinärmedizinischen Fakultät der katholischen Universität von Salta eine Vereinbarung zu unterzeichnen, um die schlimmsten Opfer dorthin zu bringen.

Darüber hinaus stehen wir mit zwei Richtern in Verbindung, die bereit scheinen, uns zu helfen, damit uns die Pferde überlassen werden und wir sie auf den Gnadenhof EQUIDAD überführen können. Dort werden wir sie versorgen und heilen, bevor wir Adoptivfamilien für sie finden.

Die ersten Tiere sind gerettet!
Im Mai haben wir bereits die ersten Tiere nach EQUIDAD überführt: Zwei Esel und dreizehn Pferde sind gerettet. Die ältesten Tiere werden auf EQUIDAD bleiben. Die anderen werden, sobald sie wieder zu Kräften und Gesundheit gekommen sind, bei neuen Familien unterkommen, die ihnen die nötige Fürsorge schenken.

 

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