20.10.2021
Fondation Franz Weber

Medienmitteilung: Giraffenbulle «Hanck» vom Stuttgarter Zoo stirbt während Narkose – Was waren die Gründe für die Operation?

Am 12. Oktober ist der Giraffe «Hanck» im Stuttgarter Zoo während einer Hufpflege verstorben. Nach Angaben des Deutschen Zoologischen und Botanischen Gartens war die für die Behandlung erforderliche Narkose die Todesursache. Was der Zoo nicht sagt: Die Gesundheitsprobleme der Giraffe waren eine direkte Folge der Gefangenschaft. Die Fondation Franz Weber (FFW) bedauert den vermeidbaren Tod des Giraffenbullen ausserordentlich und weist auf die mangelnde Transparenz von Zoos hin.

Die Narkose einer Giraffe birgt ein hohes Todesrisiko, da das Herz aufgrund der langen Beine und des langen Halses viel Energie benötigt, um das Blut zum Kopf hochzupumpen. Die Sterblichkeitsrate bei dieser Art von Operation beträgt beträchtliche 10 Prozent, das ist eine von 10 Giraffen. Hanck, der Giraffe im Stuttgarter Zoo, wurde am 12. Oktober 2021 während einer Operation zur Behandlung eines Problems an einem seiner Hufe zum Opfer.

Die Wucherung der Hufe ist eine häufige Krankheit bei Giraffen in Gefangenschaft. Langes Verharren auf harten Böden, Bewegungsmangel und unzureichende Fütterung sind die häufigsten Auslöser für diese besonders schwächende und schmerzhafte Krankheit. Dr. Monica Biondo, Biologin der Fondation Franz Weber, sagt: «Aufgrund der hohen Sterblichkeitsrate während der Narkose, stellen Zoos oft späte Diagnosen und führen Eingriffe nur als letzten Ausweg durch. Eine frühzeitige und regelmässige Behandlung könnte diesen Tieren jedoch jahrelanges Leiden ersparen.»

Der Stuttgarter Zoo stellt in seiner Pressemitteilung vom 13. Oktober 2021 fest, dass «Hanck» sich nicht «kooperativ» gegenüber den Zoomitarbeitern verhalten habe, daher seien diese nicht in der Lage gewesen, die Pflege und die «körperlichen Aktivitäten» durchzuführen, die genau auf die Vorbeugung dieser Hufkrankheit abzielten. Kurz gesagt: Das Schicksal diesesr Giraffenbullen, der im Jahr 2000 in Gefangenschaft geboren wurde und sein ganzes Leben in Zoos verbracht hat, ist seine eigene Schuld: Er hätte «fügsamer» sein müssen.

«Hanck litt mit grosser Wahrscheinlichkeit schon seit einigen Jahren an dieser Hufkrankheit – seine Schmerzen müssen unerträglich gewesen sein. Zoos spielen diese Art von Ereignissen immer herunter und scheinen dann fast schon überrascht zu sein, wenn ihre Tiere sterben. Danach beeilen sie sich, möglichst schnell einen Ersatz für das Tier zu beschaffen. Diese Art von Gesundheitsschäden ist jedoch in Gefangenschaft sehr häufig und gut dokumentiert», sagt Vera Weber, Präsidentin der FFW, «es ist höchste Zeit, dass die Öffentlichkeit über diese traurige Realität informiert wird.»