04.06.2026
Fondation FRANZ WEBER

Tod eines weiteren Elefantenkalbes im Zoo Zürich: Wann zieht der Zoo endlich Konsequenzen?

Der Tod von Indis neugeborenem Kalb, das am 1. Juni 2026 nur wenige Stunden nach seiner Geburt im Zoo Zürich euthanasiert werden musste, zeigt einmal mehr, dass Elefanten nicht in Gefangenschaft gehören, und wirft ernste Fragen zur Elefantenhaltung des Zoos auf. Seit 2016 hat der Zoo Zürich elf Elefanten verloren. Die Fondation Franz Weber (FFW) fordert den sofortigen Ausstieg aus dem europäischen Zuchtprogramm für Elefanten, ein Ende der Transfers zwischen zoologischen Einrichtungen sowie langfristig die Schliessung der Elefantenanlage.

Der Zoo bezeichnete diesen Todesfall als ein «natürliches Fortpflanzungsrisiko». Die in Zürich wiederholt beobachteten Todesursachen – insbesondere Infektionen mit dem Elefantenherpesvirus (EEHV) sowie der Tod junger Elefanten innerhalb der Herde – sind in freilebenden Elefantenpopulationen jedoch äusserst selten. Dass sich solche Vorfälle in derselben Institution immer wieder ereignen, lässt sich nicht einfach mit Pech oder Unvermeidbarkeit erklären.

Seit 2016 sind im Zoo Zürich mindestens elf Elefanten gestorben, darunter mehrere Jungtiere und Neugeborene. Dazu gehören drei Elefantenkälber, die 2022 an EEHV verendeten, mehrere Kälber, die kurz nach der Geburt starben, sowie ein junger Elefant, der 2025 infolge schwerwiegender gesundheitlicher Komplikationen verstarb, deren genaue Ursache bis heute nicht öffentlich bekannt ist.

Besonders besorgniserregend ist die Situation von Indi. Diese Elefantin hat fünf Kälber zur Welt gebracht: Drei sind gestorben, eines wurde in den Zoo Kopenhagen transferiert, und nur ihre Tochter Chandra lebt heute noch mit ihr in Zürich. Laut Dr. Keith Lindsay, einem international renommierten Elefantenbiologen, «ist es irreführend, diese wiederholten Ereignisse als einen ‹natürlichen› Prozess darzustellen. Die Elefanten im Zoo Zürich leben in einer künstlichen Umgebung, die vollständig vom Menschen kontrolliert wird.» Folgt man dieser Logik, müsste das Sterberisiko in Gefangenschaft deutlich geringer sein als in freier Wildbahn. Stattdessen scheinen Todesfälle bei jungen Elefanten in Zürich zunehmend zur Regel zu werden.

Neben dem Leid der Elefantenkälber darf auch das Leid der Muttertiere nicht ausser Acht gelassen werden. Elefantenkühe bauen aussergewöhnlich enge Bindungen zu ihren Jungen auf und investieren viele Jahre in deren Aufzucht. Sie wiederholt Trächtigkeit, Geburt und dem Verlust ihres Nachwuchses auszusetzen, wirft schwerwiegende ethische und tierschutzrelevante Fragen auf. Das Schweizer Tierschutzgesetz verlangt, dass Wohlbefinden und Würde der Tiere respektiert werden. Der wiederkehrende Kreislauf aus Geburten, Todesfällen und Transfers im Zoo Zürich lässt jedoch Zweifel aufkommen, ob diesem Anspruch tatsächlich genügt wird.

Der Zoo Zürich argumentiert, die Zucht in Gefangenschaft sei notwendig, um eine sogenannte «Reservepopulation» Asiatischer Elefanten zu erhalten. Tatsächlich wurde jedoch kein einziger in einem europäischen Zoo geborener Elefant jemals ausgewildert oder hat zur Erholung wildlebender Populationen beigetragen. Der Schutz Asiatischer Elefanten hängt vom Erhalt ihrer Lebensräume, der Verringerung von Mensch-Elefant-Konflikten und der Bekämpfung der Wilderei in den Herkunftsländern der Art ab – nicht von der Zucht von Elefanten in europäischen Städten. Die Idee einer «Reservepopulation» wirkt deshalb weniger wie eine Naturschutzstrategie als vielmehr wie eine Rechtfertigung für die Fortführung von Gefangenschaft und Zurschaustellung.

Diese Situation wirft zudem grundsätzliche Fragen zur Kohärenz der Schweizer Tierschutzpolitik auf. Die Schweiz hat ein Importverbot für Wale und Delfine im Jahr 2012 beschlossen, weil hochintelligente Tiere mit komplexen Sozialstrukturen und grossen Aktionsräumen ihre biologischen und verhaltensbedingten Bedürfnisse in künstlichen Umgebungen nicht angemessen ausleben können. Dennoch werden Elefanten – die grössten Landsäugetiere der Erde mit ähnlich ausgeprägten kognitiven Fähigkeiten, komplexen sozialen Beziehungen und enormem Platzbedarf – weiterhin gezüchtet und in Gefangenschaft gehalten. Wenn Tierschutzüberlegungen die Beendigung der Haltung von Walen und Delfinen rechtfertigten, weshalb sollte dieselbe Logik nicht auch für Elefanten gelten?

Für die Fondation Franz Weber sind die wiederholten Todesfälle von Elefanten im Zoo Zürich keine bedauerlichen Einzelfälle, sondern Symptome eines Systems, das den Bedürfnissen dieser Tiere nicht gerecht wird. Die Stiftung bekräftigt deshalb ihre Forderung nach einem sofortigen Ende der Zucht in Gefangenschaft, einem Stopp der Transfers zwischen Zoos sowie der Entwicklung von Lösungen auf der Grundlage von Schutzgebieten und Elefantenreservaten für die heute in Gefangenschaft gehaltenen Tiere.

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