22.04.2019
nozeanium.ch

Irreführung der Öffentlichkeit: Aquarien sind keine Bildungseinrichtungen

Es gibt keine Belege dafür, dass der Besuch von Aquarien mit Bildung gleichgesetzt werden kann:
· Studien zeigen, dass es KEINE stichhaltigen Indizien dafür gibt, dass der Besuch von Aquarien weiterbildet oder das Umweltbewusstsein der Besucher fördert.
· Aquarien führen ihre Besuchenden in die Irre, indem sie dem Artenschutz widersprechende Botschaften vermitteln.

Eine Studie der American Zoo and Aquarium Association (AZA) aus dem Jahr 2007 lieferte angeblich den Beweis dafür, dass der Besuch von Aquarien positive Langzeiteffekte bezüglich der Einstellung der Besucher gegenüber wilden Meerestieren hat. Eine wissenschaftliche Überprüfung dieser Studie deckte jedoch „zahlreiche methodische Schwächen“ auf und konstatierte, dass „kein überzeugender Beweis dafür geliefert worden sei, dass der Besuch von Zoos und Aquarien die Bildung oder das Interesse der Besucher am Umweltschutz fördere“. Das Fazit sei daher „nicht ausreichend belegt und für Konsumenten potenziell irreführend“.

Die überprüfende Studie schliesst mit der Feststellung, dass die „enthusiastischen Thesen“ des AZA-Berichts „auf keiner belastbaren wissenschaftlichen Basis stehen“ und die Studie kaum die Frage beantworten kann, ob der Besuch von Zoos und Aquarien sich tatsächlich positiv auf Wissensstand und Umweltbewusstsein der Besucher auswirkt.

Dr. Lori Marino, Hochschuldozentin für Neurowissenschaften und Verhaltensbiologie an der Emory Universität von Atlanta, USA, erforscht seit Jahrzehnten das Verhalten von Meereslebewesen in Gefangenschaft und in Freiheit. Sie glaubt, dass die Selbstdarstellung der Aquarien als Stätten des Artenschutzes und der Bildung „letztlich wenig mit der Realität zu tun hat“.

„Menschen, die sich für tierlieb halten, fühlen sich einfach besser, wenn man ihnen erzählt, dass sie mit dem Kauf eines Tickets einen Beitrag zum Artenschutz leisten“, sagt Marino. „Tatsache ist jedoch, dass es sich bei Aquarien um nichts anderes handelt, als um Vergnügungsparks, die anders verpackt daher kommen“.
Marino bestätigt zudem, dass Kinder durch den Besuch von Zoos, Aquarien oder den Zirkus nicht in ihrer Liebe zur Natur bestärkt werden. „Es besteht Grund zur Sorge, dass unsere Kinder gerade in solchen Einrichtungen die falschen Dinge lernen“, betont die Wissenschafterin. „Dort erfahren sie, dass Natur etwas ist, das kontrolliert, eingegrenzt und modifiziert werden sollte, um so zu einem Objekt der Unterhaltung zu werden. Das ist das Gegenteil von Umweltschutz.“