10.12.2020
Virginia Portilla

Die Galapagosinseln, die Pandemie und die Natur

Fast die gesamte Welt ist von der Covid-19-Pandemie betroffen. Die Öffentlichkeit hat gehandelt, und in Ecuador hat der Staat angesichts des Gesundheitsnotstands, auf den er nicht angemessen reagieren konnte, seine Umweltprojekte zurückgestellt.

In einem Land wie Ecuador, wo der Nonprofitsektor schwächer aufgestellt ist, hat eine solche Krise besonders schwerwiegende Auswirkungen. Infolgedessen treten die Bemühungen zum Schutz der Tiere und der Ökosysteme, die ohnehin schon verletzlich sind, schnell in den Hintergrund. Dies gilt besonders für die Galapagosinseln, Diese Gruppe natürlicher Inseln, die zum UNESCO-Welterbe gehören und gemeinsam das besterhaltene Ökosystem der Erde bilden, muss vor diesen Zeiten der globalen Krise geschützt bleiben.
2019 unterzeichnete die Fondation Franz Weber (FFW) einen Vertrag zur Zusammenarbeit mit der Kommunalverwaltung der Hauptstadt der Galapagosinseln, dem Kanton San Cristóbal. Diese Übereinkunft sollte in eine Reihe von Massnahmen zur Erhaltung der freilebenden Tiere münden, die – so sahen es die eingegangenen Verpflichtungen vor – von unserer Organisation ausgearbeitet und begleitet, und von der Stadtverwaltung umgesetzt werden sollten. Die Massnahmen, die eine ethische und verantwortungsvolle Regulierung der städtischen Fauna und die Aufklärung der Gemeinschaften zum Ziel hatten und auf den Inseln Santa Cruz, Isabela und Floreana umgesetzt werden sollten, wurden seit der Covid-19-Krise ausgesetzt.
Der Stellenabbau und die Kürzung des öffentlichen Haushalts durch die ecuadorianische Zentralregierung brachten leider zahlreiche Projekte
zum Stillstand, so dass auch uns nichts anderes übrigblieb, als unser Projekt auf einen kombinierten Ansatz aus öffentlicher und privater Hand umzustellen, um unsere Bemühungen fortzuführen und zu stärken. Eine der grössten Herausforderungen unserer Naturschutzarbeit vor Ort ist dabei die Mobilisierung wirtschaftlicher Mittel des privaten Sektors, um die Galapagosinseln während der Pandemie effektiv schützen zu können. Wir verfügen über das notwendige technische und professionelle Rüstzeug, um speziell auf die Galapagosinseln zugeschnittene Naturschutzpläne definieren zu können.
Die Folgen jahrzehntelanger Versäumnisse bei der städtischen Fauna in einem Naturschutzgebiet wie den Galapagosinseln zu bereinigen, wird allerdings weder leicht noch schnell gehen. Dafür ist eine gründliche, von der öffentlichen Politik strukturierte und durch Aufklärung gestützte Arbeit erforderlich, die sich in der Praxis in einem neuen Modell des verantwortungsvollen Zusammenlebens mit den Tieren widerspiegelt, in dem jede Art ihren Stellenwert hat. Dieses Modell anerkennt die emotionale Bindung, welche die lokale Bevölkerung zu ihren Hunden und Katzen aufgebaut hat, und ermutigt sie zugleich, sich auch um die endemischen wilden Tiere zu kümmern. Denn letztere wichtigsten und weltweit berühmten Arten der Inseln, sind für die Lebensfähigkeit ihres Wirtschaftssystems, das auf «sanftem» Tourismus mit geringen Umweltauswirkungen basiert, von zentraler Bedeutung.

Ziel unserer Kampagne auf den Galapagosinseln ist es deshalb, die erste Tierklinik der Region zu errichten, in welcher Hunde und Katzen versorgt und sterilisiert werden können. Eine solche Einrichtung ist zur Kontrolle der Tiergesundheit und zur Regulierung ihrer Vermehrung unerlässlich. Parallel dazu sollen in der Klinik auch endemische Arten behandelt werden, für die derzeit ebenfalls keine Versorgung im Krankheits- oder Verletzungsfall existiert.

Wir wollen der Gemeinschaft von San Cristóbal die notwendigen Instrumente an die Hand zu geben, um eine Kultur des Schutzes ihrer Umwelt zu fördern, deren zentraler Bestandteil die Tiere sind. Unter den gegenwärtigen Umständen erweist sich diese Aufgabe für die Kommunalverwaltung als schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Doch wir geben die Hoffnung nicht auf. Auch wenn sich die Probleme durch
die Pandemie verschärft haben, arbeiten wir weiter daran, unseren Plan zur Erhaltung eines der erstaunlichsten und artenreichsten Ökosysteme, die heute noch auf der Welt existieren, Realität werden zu lassen.

 

Mehr Informationen:

  • Unsere Projektseite «Meeresschutz»
  • Dieser Artikel wurde erstmals im Journal Franz Weber 134 publiziert. Die PDF-Version aller bisheriger Journale finden Sie hier.
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