26.11.2020
Dr. Monica V. Biondo

Geplantes Grossaquarium «Shark City» hatte seit Jahren Haie «auf Vorrat» gefangen

Die Realisierung von «Shark City», ein Grossaquarienprojekt in Deutschland, scheint immer unwahrscheinlicher. Gut so, denn die weiterhin rückläufigen Besucherzahlen des «Aquatis» in Lausanne und das an der Urne verhinderte Ozeanium-Projekt in Basel zeigen in aller Deutlichkeit: Das Konzept «Aquarium» gehört der Vergangenheit an. Wir Menschen haben eingesehen, dass Tiere nicht hinter Glasscheiben gehören.

Die Eröffnung des deutschen Hai-Grossaquariums «Shark City», das mit bis zu 36 Haiarten und vielen weiteren Fischen bestückt werden soll, war ursprünglich für das Jahr 2019 geplant. In der Zwischenzeit wird die Eröffnung für 2023 angekündigt, doch vom 20.5-Millionen-Euro-Projekt in Pfungstadt ist weiterhin nichts zu sehen. Dennoch wurden ab 2016 Haie für «Europas grössten Hai-Zoo» nach Deutschland importiert und provisorisch in den Gebäuden der The Seven Seas Aquarium Betriebs GmbH untergebracht. Laut den Angaben der Projektinitianten von «Shark City» sollten etwa 15 Prozent der Haie aus dem Meer stammen. Die allermeisten marinen Zierfische, die im Grossaquarium zur Schau gestellt werden sollen, werden ebenfalls Wildfänge sein.

Genehmigungen fehlen
Bis jetzt fehlen nach wie vor Genehmigungen für den Bau und Betrieb, sodass weiterhin völlig unklar ist, ob das Aquarium überhaupt jemals eröffnen wird. Gemeinsam mit PETA Deutschland und dem Meeresschutzverein ElasmOcean e. V. hatte die Fondation Franz Weber Ende Juni eine Anfrage gemäss Landestransparenzgesetz von Rheinland-Pfalz an das Veterinäramt in Bad Dürkheim gestellt. In dieser Anfrage wurden neben den Haltungsbedingungen unter anderem die Anzahl, Arten und Herkunft sowie bisherigen Todesfälle der in Grünstadt eingesperrten Haie und anderen Meeresfische erfragt.

Verweigerung von Informationen
In seiner Antwort hatte das Veterinäramt lapidar mitgeteilt, dass es keine Informationen weitergebe, weil es sich um Geschäftsgeheimnisse handle. Wir haben aber in Erfahrung bringen können, dass mindestens ein Bullenhai und zwei Blaupunktrochen gestorben waren. In der Zwischenzeit sollen nicht nur alle Haie «verschwunden» sein, sondern auch die Website zu «Shark City» ist zu einer einzigen Intro-Seite verkümmert. Es macht den Anschein, dass die 500’000 erwünschten Besuchenden ein Wunsch bleiben werden!

Grossaquarien – Projekte von gestern
In der Schweiz hat im Mai 2019 die Stimmbevölkerung von Basel den Bau des Grossaquariums «Ozeanium», ein Projekt des Basler Zoos, an der Urne verhindert, und sich damit nicht nur viel Ärger, sondern auch vielen Tausenden Tieren ein trauriges und qualvolles Dasein erspart. Das «Aquatis» in Lausanne, das sich das grösste Süsswasseraquarium Europas rühmt, obwohl es ebenfalls Meereszierfische sowie gefährdete Grossechsen und Säugetiere hält, hatte noch bei der Eröffnung 2018 mit 450’000 Eintritten gerechnet. Tatsächlich kamen im Eröffnungsjahr nur 380’000 Besuchende. Seither musste das «Aquatis» jedes Jahr noch weniger Eintritte verzeichnen, und sagte kürzlich gegenüber der Presse, 2020 würden wohl knapp 200’000 verbucht werden können – Grund dafür sei insbesondere ausbleibende Besucherinnen und Besucher wegen Covid-19. Ein müder Erklärungsversuch, denn in der Realität wird Folgendes immer klarer: Immer mehr Menschen sehen schlicht ein, dass Tiere nicht hinter Glas gehören. Aquarien sind ein Konzept der Vergangenheit.

 

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