31.08.2021
Fondation Franz Weber

Neue Informationskampagne zur Zierfischhaltung – Tierleid in den Meeresaquarien geht unter!

Die Fondation Franz Weber (FFW) bedauert, dass die neu lancierte Informationskampagne des Bundes viele wichtige Aspekte der Aquarienindustrie – unter anderem, die Zucht und den Transport der Tiere – aussenvor lässt. Ausserdem blendet sie das Leiden der marinen Zierfische komplett aus.

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat zusammen mit dem Zoofachhandel, dem Schweizer Tierschutz (STS) und anderen eine Informationskampagne zur Haltung von Zierfischen lanciert und wieder wurden die Meereszierfische, sprich Korallenfische, aussenvor gelassen. An der Pressekonferenz wies das BLV zwar auf diesen Mangel hin, auf ihrer Website aquaria.fish geht diese Information vollkommen unter!

Zierfische seien beliebte Haustiere und es sollen 3 Millionen Süsswasserzierfische alleine in der Schweiz gehalten werden, so das BLV. Diese Zahl mag zwar stimmen, aber es bleibt unklar, welche Arten genau importiert werden. Denn anders als bei allen anderen Wirbeltieren, gibt es immer noch keine Pflicht, die Zierfische auf Artniveau zu erheben. Es gibt also keine aussagekräftigen Zahlen darüber welche Zierfischarten – egal ob Süss- oder Salzwasser – die Schweiz importiert.

Ein grosses Manko der Kampagne ist ausserdem, dass sie nur bei der Haltung der Aquarienfische ansetzt. Ein ebenso grosses (wenn nicht sogar grösseres) Tierleiden findet beim Transport und Zucht bzw. Fang der Fische statt. Das Problem der Aquarienindustrie fängt also schon weit vor der Haltung der Fische im Heimaquarium an, wo, wie das BLV richtig sagt, «viele Fisch ein tristes Leben führen». Die FFW war bei den ersten Gesprächen dieser Informationskampagne dabei, hat sich dann zurückgezogen. Nicht nur, weil sie mit den Vorgaben bezüglich Haltung von Zierfischen nicht einverstanden ist, sondern auch, weil sie der Ansicht ist, dass so eine Kampagne zwar gut tönt, die Problematik der Aquarienindustrie aber nicht an der Wurzel anpackt.

Noch heute ist nicht klar bekannt, wie viele und welche Arten von marinen und Süsswasser-Zierfische in die Schweiz oder nach Europa und weltweit gehandelt werden. Allein die Schweiz, importiert jährlich fast 50’000 Meerwasserzierfische, wie wissenschaftliche Untersuchungen unsere Meeresbiologin Dr. M. V. Biondo ergeben haben. (Siehe: Dr. M. V. Biondo, Importation of marine ornamental fishes to Switzerland, Glob. Ecol. Conserv. (2018)).

Es ist offensichtlich, warum sich die Kampagne auf Süsswasserzierfische beschränkt, denn bei diesen kann der Fachhandel sagen, dass sie praktisch nur Tiere aus Zuchten verkaufen. Wohingegen der Fachhandel grösste Mühe hat, ihre angebliche Nachhaltigkeit unter Beweis zu stellen, wenn es um Meereszierfische geht. Praktisch alle marinen Zierfische stammen aus der Wildnis, dem Korallenriff, weil sie sich in Gefangenschaft kaum fortpflanzen. Ein Korallenriff kann man unmöglich in einem Aquarium nachstellen. Und heute ist jedem klar, dass Korallenriffe hochbedroht sind durch die Klimaveränderung, Überfischung, Verschmutzung. Ein Drittel ist unwiderruflich zerstört und in den nächsten 20 Jahren wird ein weiteres Drittel verschwinden.