07.09.2020
Rebekka Gammenthaler

Unser Schutzwald braucht Wölfe und Luchse

Ein grosser Teil der Schweizer Wälder dient als sogenannter Schutzwald. Ein wichtiger Faktor für den Erhalt des Schutzes, ist die Verjüngung des Waldes. Diese Verjüngung – also das Nachwachsen genügend junger Bäume – ist in vielen Wäldern, die aufgrund ihrer Abgelegenheit schlecht erschlossen sind, unzureichend gegeben. Zusätzlich führen Verbisse von Wildtieren zu noch weniger nachwachsenden Jungbäumen. Das Problem der Wildverbisse könnte jedoch durch mehr Grossraubtiere wie Wölfe und Luchse gelöst werden.

Der Schweizer Wald erfüllt eine wichtige Schutzfunktion. Das aktuelle Landesforstinventar des Bundes, welches im Juni 2020 veröffentlicht wurde, zeigt dass 42% aller Wälder in der Schweiz, Siedlungen oder Infrastrukturen vor Naturgefahren schützen. Das LF14 kommt zum Schluss, dass es diesen Wäldern gut geht und sie zuverlässig schützen. ABER: Ein Viertel der Schutzwälder könnte ihre Schutzwirkung verlieren!

Um die Schutzwirkung der Wälder zu erhalten, müssen sie durchforstet werden. D.h. die Bäume dürfen nicht zu dicht wachsen, damit junge Bäume genug Licht bekommen und nachwachsen können (sogenannte Verjüngung des Waldes). Doch diese Verjüngungsarbeiten werden bei einem Viertel des Waldes unzureichend gemacht. Zur langfristigen Sicherstellung der Schutzwirkung ist eine regelmässiges Bewirtschaftung der Schutzwälder jedoch dringend notwendig. Um eine minimale Bewirtschaftung der Bergwälder zu gewährleisten, leisten heute Bund und Kantone Kostendeckungsbeiträge. Besonders akut ist das Problem in den Alpen und auf der Alpensüdseite. Dort hat teils fast jeder dritte Schutzwald eine ungenügende Verjüngung. Dies hat auch mit der Erschliessung der Wälder zu tun. Im Tessin z.B. ist rund die Hälfte schlecht erschlossen. Aber auch national ist ein Drittel der Schutzwälder nur mit dem Helikopter zugänglich und knapp ein weiteres Drittel ist nur schlecht erschlossen.

Und dann gibt es noch einen weiteren wichtigen Grund, welcher die Verjüngung der Wälder behindert: Verbisse! Zum Beispiel Rehe und Hirsche fressen Knospen und frischen Zweige der jungen Bäume. Besonders gerne fressen sie Weisstannen, welche ein wichtiger Baum für die Schutzwälder ist. In den letzten 20 Jahren haben sich die Verbisse bei Weisstannen verdoppelt. Das heisst, es spielt für den Schutzwald also eine Rolle, dass sich Grossraubtiere wie Luchs und Wolf vermehren und ausbreiten, denn sie würden der Bestandeszunahme der Rehe und Hirsche auf natürliche Weise Einhalt gebieten. Doch dafür genügt die Zahl der Grossraubtiere in vielen Regionen nicht. Ein russisches Sprichwort besagt «Wo der Wolf geht, da wächst der Wald».

Es geht beim Schutz von Grossraubtieren in der Schweiz nicht nur um Tier- und Artenschutz, sondern auch um den Schutz des Waldes. Deshalb: Stimmen Sie NEIN zur Revision des JSG am 27. September 2020!

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