22.06.2023
Monika Wasenegger

Windkraft – Dialog und Öffentlichkeitsarbeit im Kanton Zürich

Die Höhen rund um den Zürichsee, landschaftlich einmalige Gebiete im Zürcher Oberland und das Zürcher Weinland sind bedroht. Die Zürcher Baudirektion plant, Windkraftanlagen von 235 Metern Höhe in einem der am dichtesten besiedelten Kantone unseres Lands zu bauen. Dagegen wehrt sich auch die Fondation Franz Weber.

Es ist höchste Zeit, dass im Kanton Zürich der Dialog und der Widerstand gegen die riesigen Bauvorhaben rund um die Windenergie startet. Die Bevölkerung muss dringend aufmerksam und aktiv werden, denn aktuell geht es Schlag auf Schlag. Nach dem ersten Winddialog 2022 haben lediglich 40 der 160 Zürcher Gemeinden von der Möglichkeit Gebrauch gemach, eine Rückmeldung einzureichen. Am 20. April 2023 fand der zweite Windkraftdialog statt. Die betroffenen Gemeinden hatten bis am 31. Mai Gelegenheit, erneut Rückmeldung zu geben. Es ist damit zu rechnen, dass bereits im August dieses
Jahres der Gesamtregierungsrat über die vorgeschlagenen Richtplananpassungen entscheiden wird.

Aktueller Stand
Die Baudirektion hat bereits eine erste Bewertung der möglichen Standorte durchgeführt und überprüft aktuell gemäss ihrer Aussage die Eignung der 46 Potenzialgebiete, die auf der Karte ersichtlich sind. Die überwiegende Mehrzahl der vorgesehenen Standorte liegt ganz oder teilweise im Wald. Auch sind vier BLN Gebiete tangiert, namentlich im Hörnlibergland, bei der Glaziallandschaft Thur/Rhein, am Stammerberg und an der Irchel. Bei der Detailprüfung sind die Standortgemeinden, die Natur- und Landschaftsschutzverbände sowie die Windenergiebranche beteiligt und die Zürcher Behörde kann während des Prozesses weitere Ausschlussgründe feststellen. Es könnten aber möglicherweise auch zusätzliche Potenziale identifiziert werden, was es zu vermeiden gilt.

Diese Anliegen sind wichtig – für Mensch, Tier und Natur
Für jeden Standort und in jeder Gemeinde sind die Anliegen etwas anders, aber generell sollten die folgenden Forderungen und Anregungen beim Dialog und bei Einsprachen Eingang finden:

  • Grösserer Mindestabstand zu bewohnten Gebäuden, denn die aktuell geplanten 300 Meter zu Wohngebäuden reichen nicht, um Beeinträchtigungen der Bevölkerung zu vermeiden.
  • Verzicht auf Waldstandorte, denn sonst werden zwangsläufig wertvolle Bäume gefällt (circa ein Fussballfeld pro Turbine), auch für den Bau schwerlastfähiger Zufahrtsstrassen zum Turbinenstandort. Auch die Bedrohung der Biodiversität, Tötung von Vögeln und Vertreibung gewisser Tierarten durch ihre Lebensraumveränderung wären unvermeidlich.
  • Verbindliche gesetzliche Regelung des Rückbaus. Gemäss gängiger Praxis darf auch nach einem möglichen Rückbau ein Teil des Betonsockels im Boden verbleiben, der diesen dauerhaft beeinträchtigt.

 

Zeit zu handeln
In dieser Phase ist das Engagement jedes Einzelnen wertvoll und nötig. Die Fondation Franz Weber fordert die gesamte Bevölkerung auf, berechtigte Vorbehalte und Anliegen Diese Anliegen sind wichtig – für Mensch, Tier und Natur Für jeden Standort und in jeder Gemeinde sind die Anliegen in diesem Zusammenhang sind die verschiedenen Öffentlichkeitsveranstaltungen, die durch den Verein Freie Landschaft Zürich oder lokale Vereinigungen organisiert werden.

Erste Öffentlichkeitsveranstaltung
Am 4. April fand die erste Veranstaltung in Hinwil statt, und der Saal war bis zuhinterst voll mit rund 200 Teilnehmenden. Die Veranstalter sind erfreut und hoffen, nicht nur die Bevölkerung in den betroffenen Gebieten, sondern im ganzen Kanton mobilisieren zu können. Die Präsentation von Martin Maletinsky, dem Präsidenten von Freie Landschaft Zürich, überzeugt das Publikum. Mit ihm hat die FFW auch schon für das Projekt «keine Seilbahn im Zürcher Seebecken» zusammengearbeitet. Sein Fazit: Der Beitrag von Windkraft an die Stromproduktion ist dermassen klein, dass es schlicht keinen Sinn macht. Macht man eine Güterabwägung, ist eine Windturbine wie eine Kopfwehtablette mit grossen Nebenwirkungen. Die Lärmemission vergleicht Martin Maletinsky mit dem Geräusch eines tropfenden Wasserhahns, dem man sich nicht entziehen kann.

In der ganzen Schweiz aktiv gegen Windparks
Die Fondation Franz Weber und ihr Tochterverein Helvetia Nostra setzen sich für die Bewahrung intakter Bergkämme und die Einhaltung der Natur- und Landschaftsschutzvorschriften im Rahmen von Windpark-Projekten ein. Gemeinsam mit Partnerorganisationen kämpfen sie gegen neue Vorhaben und konnten im Kanton Waadt und im Gebiet Creux du Van bereits dazu beitragen, die intakte Natur und Tierwelt zu bewahren.

 

Ein Betroffener meldet sich zu Wort
Während der Fragerunde meldet sich ein Herr zu Wort, der seinen Hof in den Niederlanden aufgegeben hat und heute am Zürichsee wohnt, weil ihn das Wohnen neben einem Windpark (mit 1 Kilometer Abstand) über die Jahre krank gemacht hat. Bei seinen Worten wird es still im Saal. Auch er spricht von diesem Dauerlärm und den Lichtern und, dass er nachts nicht mehr schlafen konnte und keine Energie mehr hatte. Er fügt hinzu, dass er längst nicht der Einzige sei, dem es in seinem Dorf so erging.

Auch die Bilder von John Spillmann, Biologe aus Bäretswil, lösen Betroffenheit aus. Sie zeigen massivste Eingriffe in die natürliche Landschaft und die wenigen Naherholungsgebiete und unversehrten Landschaften des Kantons Zürich, sollten die geplanten Anlagen sowie ihre Zufahrten tatsächlich gebaut werden.

Gemeinsam einstehen
Vor diesem Hintergrund versucht die FFW zusammen mit Freie Landschaft Zürich und zahlreichen lokal engagierten Mitbürgerinnen und Mitbürgern, möglichst viele Menschen in die Diskussion einzubeziehen und den Dialog in den Gemeinden und mit Vertretern im Kanton anzuregen. Gemeinsam erhebt die Bevölkerung die Stimme gegen Windkraftanlagen und für die Natur.

Momentan befindet sich die Richtplananpassung in der Planungsphase. So ist es möglich, dass Gebiete wieder wegfallen. Dies hat der Mediensprecher der Baudirektion am 12. Mai 2023 auch gegenüber TeleZüri eingeräumt. Deshalb sind kritische Stellungnahmen und unermüdliche Gespräche in dieser wichtigen Phase dringend nötig und wertvoll.

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