19.05.2020
Julia Fischer

2020: Kein «Ozeanium», und bald auch kein Aquatis mehr?

Das Aquatis ist offensichtlich in Geldnöten, und dies nicht erst seit der Corona-Krise. Die prekäre Lage des «grössten Süsswasser-Aquariums Europas» zeigt deutlich auf, wie wichtig und richtig das «Nein» zum geplanten «Ozeanium» in Basel am 19. Mai 2019 war. Das öffentliche Aquarium ist ein Konzept, das der Vergangenheit angehört.

Erst Mitte April verschickte das Aquatis einen dringenden Spendenaufruf «um seine Tiere zu retten» und macht als Grund die katastrophale Situation wegen des Corona-Virus geltend. Doch wer die Situation rund um die finanzielle Lage des Aquatis seit längerem beobachtet, weiss, dass bereits im letzten Jahr erneut die Besucherzahlen weit unter den Erwartungen verblieben waren. In der Konsequenz musste nun die Stadt Lausanne dem Grossaquarium finanziell mit einem Kredit aushelfen. Zudem wurde bekannt, dass der seit der Eröffnung im Jahr 2017 amtierende Direktor Jean-Marc Meylan durch den ehemaligen Direktor des Vivariums von Lausanne, Michel Ansermet, per 1. Mai ersetzt wurde.

Der Verlauf des Aquatis macht deutlich, dass die Basler Stimmbevölkerung mit dem «Nein» zum «Ozeanium» nicht nur Weitsicht bewiesen hat, sondern die Stadt auch vor einem grossen zukünftigen Risiko bewahrt hat.

Seit der Abstimmungsniederlage, wurde seitens des Basler Zoos das Meerwasseraquarium in keiner Weise mehr kommentiert. Projektseiten, Facebook-Pages und weitere soziale Kanäle wurden gelöscht. Die teure PR-Schlacht, die sich der Zoo online und auf Plakatflächen während des Abstimmungskampfs über Wochen hinweg geleistet hatte, sollte so wohl möglichst rasch vergessen werden.

Tatsache bleibt: Am 19. Mai 2019 haben die Baslerinnen und Basler die «Ozeanium»-Pläne des Basler Zolli ein für alle Mal versenkt – und damit vielleicht gar den Zoo vor sich selbst gerettet, wenn wir die Entwicklung des Aquatis bedenken. Das öffentliche Grossaquarium ist ein Konzept von vorgestern, das im 21. Jahrhundert nicht mehr zeitgemäss ist. Was wir dank dem weitsichtigen Entscheid der Basler Stimmbevölkerung mit Sicherheit wissen: Tausenden von Meerestieren wurde es erspart, in ihren Lebensräumen gefangen zu werden und ein Leben hinter Glasscheiben verbringen zu müssen. Diesen Sieg für die Meere dürfen wir uns täglich vor Augen führen. Lassen wir ihn nie in Vergessenheit geraten!