26.07.2022
Fondation Franz Weber

Medienmitteilung: Die Elefantenzucht in Zoos muss beendet werden!

Der Zoo Zürich schmückt sich damit, ein Vorzeigebeispiel für die Haltung von Elefanten in Zoos zu sein. Nach dem bereits dritten Todesfall eines Elefanten innert kürzester Zeit wird der Zoo Zürich endgültig zu einem abschreckenden Vorzeigebeispiel! Für die Fondation Franz Weber (FFW) sprechen nicht nur die jüngsten Ereignisse klare Worte: Die Elefantenzucht in Zoos muss beendet werden!

Sechs Todesfälle in 20 Jahren
In den letzten zwanzig Jahren verstarben im Zoo Zürich sechs Elefantenkälber. Vier davon am Herpesvirus EEHV (Endotheliotropen Elefanten-Herpesvirus) – drei innert Monatsfrist. Zwei weitere Jungtiere wurden 2020 jeweils kurz nach der Geburt von der Herde zu Tode getrampelt. Das Verhalten, welches zu diesen beiden Todesfällen führte, bezeichnete der Zoo Zürich damals fälschlicherweise als natürlich. Insgesamt wirft die Häufung der Todesfälle viele Fragen auf.

Übergewicht und Fettleibigkeit
Zoodirektor Severin Dressen vertritt die Meinung, artgerechte Haltung von Wildtieren bedeute, dass die Tiere ihre Bedürfnisse, primär jenes der Nahrungsaufnahme, vollständig befriedigen können. Der Tierarzt und Experte für zoologische Medizin, David Perpiñán, sagt dazu Folgendes: «Legt man die tiergerechte Haltung so aus, hat dies in vielen Zoos – so auch im Zoo Zürich – zur Folge, dass die Tiere beinahe permanent und unbegrenzt mit nährstoffreichem Futter gefüttert werden und dadurch übergewichtig und ungesund werden.»

Herdenverhalten
Der Zoo Zürich hält seine Elefanten in drei Gruppen. Zwei Gruppen sind um die Elefantenkühe Ceyla-Himali und Indi gruppiert, während der Elefantenbulle Thai allein gehalten wird. Die beiden Matriarchatsgruppen sind, laut dem Naturschutzbiologen und Elefantenexperten Keith Lindsay, jeweils zu klein, um tatsächlich als funktionierende Herden zu dienen. In solch kleinen Gruppen, die deutlich kleiner sind als in Wildpopulationen, können die Tiere ihr normales, komplexes Sozialverhalten nicht entwickeln. «Dieser Umstand beeinträchtigt das Wohlergehen der Tiere erheblich», sagt Lindsay.

Elefanten im Schnee?
Im natürlichen Habitat Asiatischer Elefanten fallen die Winter äusserst milde aus. Bekanntlich ist es während der Wintermonate in der Schweiz oft klirrend kalt. Verschiedene Studien zeigen auf, dass niedrige Temperaturen bei Elefanten im Vergleich zu Elefanten, die in wärmeren Umgebungen leben, mit mehr Stress, mehr Stereotypien und insgesamt schlechteren Fortpflanzungs- und Tierschutzparametern verbunden sind. Warum also glaubt der Zoo Zürich, dass es sinnvoll ist, Elefanten in einem kalten nordeuropäischen Land zu halten und die Elefanten bei Schnee ins Freie zu lassen?

Herpesvirus: Infektion oder Krankheit?
Darüber, dass beinahe jeder Asiatische Elefant EEHV latent in sich trägt, ob in der Natur oder in Zoos, sind sich unsere Experten und viele Verantwortliche von Zoos einig. «Aber offenbar haben einige in der Zoobranche Schwierigkeiten, den Unterschied zwischen dem einfachen Vorhandensein des Virus in einer Gruppe von Tieren, die ansonsten gesund sein können, und dem Ausbruch einer tödlichen Krankheit aufgrund dieses Virus zu erkennen. Ansonsten würden sie nicht behaupten, dass die Gefahr des Virus für Elefanten in der Natur und für Elefanten in Zoos dieselbe sei», betont Perpiñán, der sich auf virale Infektionen bei Tieren spezialisiert hat. Die durch das Herpesvirus (EEHV) verursachte Krankheit ist für mehr als 60 Prozent der Todesfälle bei jungen Asiatischen Elefanten in europäischen und amerikanischen Zoos verantwortlich (mehr dazu). «Wären Ausbrüche der Krankheit in freier Wildbahn so häufig, wären die Asiatischen Elefanten schon lange vor dem Bau des ersten Zoos ausgestorben», veranschaulicht Perpiñán treffend.

Obwohl die genauen Ursachen für die hohe Sterblichkeitsrate aufgrund von EEHV bei Kälbern in Gefangenschaft nicht vollständig bekannt sind, weist Perpiñán darauf hin, dass es zahlreiche Hinweise gibt, die auf zwei wichtige Faktoren hindeuten. Einer davon ist die sehr kleine Gruppengrösse (sogar kleiner als von den Zooverbänden empfohlen), die eine ordnungsgemässe Zirkulation des Virus und die Entwicklung einer Immunität bei den Kälbern nicht zulässt. Der zweite Faktor sind die ständigen Stressfaktoren, die zu einer Unterdrückung des Immunsystems führen und es dem Virus ermöglichen, sich zu einer Krankheit zu entwickeln.

Der Zoo Zürich sollte aufhören, die Weiterzucht seiner Elefanten mit den europäischen Zooverbänden zu planen, und stattdessen auf Elefantenexperten hören. Die Zooverbände haben es seit Jahrzehnten versäumt, Elefanten unter artgerechten Bedingungen zu halten oder biologisch sinnvolle Richtlinien für den Aufbau sich selbst erhaltender Populationen in Gefangenschaft zu entwickeln. Trotz ihrer fälschlichen Behauptungen, einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Elefanten zu leisten, geht es den Zooverbänden nur um das kommerzielle Geschäft des Zoos, und sie halten die Elefanten (selbst wenn sie sie aus der Wildnis einfangen müssen) in erster Linie, um Einnahmen zu erzielen (die grösstenteils nicht für die Erhaltung verwendet werden). Die Aufzucht weiterer Elefanten in Einrichtungen mit einem kalten Klima, mit unzureichendem Platzangebot und endemischem EEHV ist ein Todesurteil für jedes künftige Kalb.

Die Fondation Franz Weber ist empört über die Uneinsichtigkeit des Zoo Zürich. Für die FFW Präsidentin Vera Weber steht fest: «Die Mortalitätsstatistik des Zoo Zürich bei Asiatischen Jungelefanten und die aufgezeigten Missstände in der Elefantenhaltung zeigen klar auf, dass dieser und andere Zoos ihre Versuche der Elefantenzucht dringend einstellen müssen.»