12.05.2019
Fondation Franz Weber

Riesenkraken in öffentlichen Aquarien zu halten ist unethisch und grausam

Das geplante «Ozeanium» in Basel ruft mit seinem Vorhaben, Riesenkraken – eine der am schwierigsten in Gefangenschaft zu haltenden Tierarten – zu halten, ernsthafte ethische Bedenken hervor:

  • Kraken, wahrscheinlich die intelligentesten aller Wirbellosen, werden aus freier Wildbahn gefangen, da sie sich in Gefangenschaft nicht vermehren.
  • Pazifische Riesenkraken (Enteroctopus dofleini) sind nur schwer in Gefangenschaft zu halten – ihre Lebensdauer im Aquarium beträgt nur ein Drittel der Lebensdauer von Kraken in freier Wildbahn.
  • Die Fangtechniken sind nicht nur schädlich für die Kraken, sondern auch für ihre Lebensräume im Meer.

Zu den wenigen Informationen, die der Zoo Basel über sein geplantes neues Aquarium veröffentlicht hat, gehört, dass Pazifische Riesenkraken gehalten werden sollen.

Diese Kraken gehören wie alle Kraken zu den am weitesten entwickelten Wirbellosen und werden von vielen Biologen als die intelligentesten betrachtet. Sie besitzen sowohl ein Langzeit- als auch ein Kurzzeitgedächtnis, ähnlich wie Wirbeltiere.

Weiter ist es allgemein bekannt, dass Pazifische Riesenkraken in Gefangenschaft äusserst schwer zu halten sind, was ernsthafte ethische Bedenken aufwirft.

Einer Studie zufolge beträgt die Lebensdauer einer Riesenkrake in einem Aquarium etwa ein Jahr, während sie in der freien Natur 3-5 Jahre beträgt. Dieselbe Studie kam zu dem Schluss, dass sich Riesenkraken in der Gefangenschaft auch nicht vermehren, und dass alle der in öffentlichen Aquarien gehaltenen Tiere aus freier Wildbahn gefangen wurden.

Selbst eine von der AZA (Association of Zoos and Aquaria) erstellte Pflegeanleitung für Pazifische Riesenkraken gab an, dass der einzige Grund für die Haltung von Kraken in der Gefangenschaft die Tatsache ist, dass sie bei Menschen beliebt sind. Sie schreiben auch, dass «Techniken zum Fang von Kraken und Muscheln nicht nur den Tieren, sondern auch den Korallen irreparable Schäden zufügen können…»

Die Kraken werden in der Wildnis mit einer Technik gefangen, bei der eine schädliche Chemikalie in ihre Höhle gespritzt wird, um sie nach draussen zu zwingen. Dann werden sie in den Maschensack der Taucher gerungen. Pazifische Riesenkraken sind in Gefangenschaft scheu. Sie versuchen stets, sich zu verstecken, aber die Mitarbeiter der Aquarien benutzen Stöcke, helle Lichter und sogar Elektroschocks, um die Tiere für das Publikum ins Freie zu zwingen.

Nach einem Jahr in Gefangenschaft treten Kraken die Endphase ihres Lebens an. Zu Beginn dieser Phase werden die Kraken als «gute Vorzeigetiere» angesehen, da sie «aktiv sind und wenig Pflege erfordern, da sie nicht essen». Ihr Gewebe beginnt jedoch schnell zu zerfallen, und sie entwickeln gewöhnlich Geschwüre an ihren Mänteln. Sobald die Geschwüre auftauchen, gelten sie nicht mehr als vorzeigefähig und werden eingeschläfert.

Kraken, wahrscheinlich die intelligentesten aller Wirbellosen, werden gewaltsam aus der Wildnis gefangen, in Gefangenschaft gehalten und auf noch aggressivere Weise dazu gezwungen, sich dem Publikum zu zeigen.

Auch deshalb: NEIN zum «Ozeanium» am 19. Mai 2019!

Lesen Sie hier mehr zum Verhalten der Riesenkrake.

 

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