17.11.2021
Fondation Franz Weber

BärenPark: Die Argumente der Befürworter und unsere Stellungsnahmen

Die Argumentation des Tierparks hält unserer eingehenden Analyse allerdings nicht stand.

1. Die Erweiterung des Berner BärenParks bietet den Tieren ein besseres Leben
Beide Tiere des Berner BärenParks würden sicherlich ein Stück weit von besseren Lebensbedingungen profitieren, wenn sie tatsächlich mehr Platz erhalten würden. Dies würde jedoch voraussetzen, dass kein zusätzlicher Bär in das Gelände im Zentrum der Hauptstadt einzieht. Wäre dies nämlich der Fall, hätten die Tiere wieder weniger Platz, denn die Anwesenheit eines weiteren Bären verursacht mehr Stress und bedingt in der Folge Ausweichmöglichkeiten. Das neue Berner Gehege würde zudem nicht die erforderlichen Bedingungen bieten. Der Grund: Selbst dann, wenn das Areal grösser gestaltet wird, könnten die Bären kein natürliches Verhalten entwickeln.

2. Die Erweiterungspläne für den BärenPark und der geplante Park in Schwarzenburg fördern den Tourismus
Der florierende Tourismus in Bern hängt zum Glück nicht vom Tierpark Dählhölzli oder vom BärenPark ab. Bern ist die Hauptstadt der Schweiz und deren Altstadt steht auf der Liste des UNESCO-Welterbes. Kommt hinzu: Auch wenn es einst Tradition in Bern war, Bären gefangen zu halten, ist es nun an der Zeit, dass sich Stadt und Kanton dem Zeitgeist beugen und die Entwicklungen in der Gesellschaft entsprechend berücksichtigen. Dazu gehört auch, die Sitten und Bräuche tiergerecht anzupassen, erstrecht wenn es sich um grausame Gepflogenheiten handelt. Aus der umfangreich vorhandenen wissenschaftlichen Literatur geht eindeutig hervor, dass Braunbären zu einer Spezies gehören, die Gefangenschaft nicht gut ertragen und aufgrund der geraubten Freiheit zahlreiche Verhaltensstörungen entwickeln.

3. Der Zoo trägt zur Arterhaltung bei
Der Braunbär ist keine gefährdete Tierart, denn nach den Gefährdungsstufen der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) gilt er eindeutig als «nicht gefährdet». Der IUCN gibt zudem keine Empfehlung ab, was die Fortpflanzung von Braunbären in Gefangenschaft anbelangt. Bären eignen sich demnach nicht für die Zucht in Zoos und Tierpärken.
Bis dato ist noch kein Braunbär in die freie Wildbahn entlassen worden, der in Gefangenschaft geboren wurde. Dies belegt eindeutig, dass ein Zuchtprogramm nicht dazu dienen kann, diese Tierart wirklich zu schützen. Sie versorgt lediglich die Zoos mit jungen Bären.
Der Tierpark Dählhölzli hat zudem keinen einzigen wissenschaftlichen rtikel über Bären publiziert. Man darf sich also ruhig fragen, wie sein konkreter Beitrag zur Forschung oder zur Erhaltung dieser Spezies wohl aussehen mag.

4. Durch die Nähe der Bevölkerung zu den Bären lässt sich etwas über die Arterhaltung lernen
Es gibt keinen einzigen Beweis dafür, dass die Zurschaustellung von Braunbären in Gefangenschaft irgendeinen nennenswerten Bildungseffekt hat. Die Stadt Bern hält seit 500 Jahren Bären und dennoch ist in dieser langen Zeit kein Individuum in der Region Bern ausgewildert worden. Ob es tatsächlich einen Willen der Bevölkerung gibt, diese Tierart zu schützen, dafür ist noch ein Beweis zu erbringen. Anstatt die Tiere in Zoos einzusperren, sollte man eher Möglichkeiten schaffen, dass die Bären in Freiheit leben und ihr natürliches Verhalten annehmen können. Mit diesen natürlichen Grundlagen liesse sich die Bevölkerung weit besser über das Verhalten und Gedeihen dieser Spezies informieren.

5. Das Zuchtprogramm ist nachhaltig und entspricht internationalen Richtlinien
Es ist schlichtweg grausam, Tiere in Gefangenschaft mit dem einzigen Ziel zu züchten, sie weiter in Gefangenschaft
zu halten.
Ein weiteres Problem ist der «Überschuss» an Braunbären in Europa. Dieser resultiert aus der Gefangenschaft, wie sie vor allem Zoos und Zirkusse praktizieren. Auf der freien Wildbahn sind es zum Beispiel verletzte Tiere. Hier mussten Schutzzentren geschaffen werden, um diese Tiere aufzunehmen. Ein Beispiel ist die Einrichtung «Bärenland» in Arosa. Ein geplantes Zuchtprogramm wie in Bern wird diese bereits bestehende Fehlentwicklung nur noch verschärfen.
Es steht ausserdem die Befürchtung im Raum, dass der Tierpark Bern ein Zuviel an Jungbären einschläfern muss, wenn sowohl das Dählhölzli und der BärenPark, also auch der neue Park in Schwarzenburg, an ihre Kapazitätsgrenzen stossen. Bereits 2014 musste der Zoo einen Jungbären töten. Es hiess von offizieller Seite, die Mutter hätte sich nicht um das Junge gekümmert und der Vater habe sich aggressiv verhalten. Das entspricht insofern einer Logik, da es sich gerade bei Bären um Einzelgänger handelt, die in der Regel nicht zusammenleben.