20.05.2021
Sauver Lavaux - Helvetia Nostra - Fondation Franz Weber

Medienmitteilung: Sauver Lavaux und Helvetia Nostra lassen die Zerstörung des Lavaux nicht zu

Angesichts der wiederholten Angriffe auf die Weinberge von Lavaux am Genfersee, die im Welterbe der UNESCO und im Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung (BLN) aufgenommen sind, müssen der Verein Sauver Lavaux und die Stiftung Helvetia Nostra in die Bresche springen. Der Waadtländer Regierungsrat kündigte an, dass er nicht beabsichtigt, sein Projekt des kantonalen Nutzungsplans (PAC) Lavaux zu ändern, und dies trotz der Einwände, die vor allem durch die beiden Organisationen vorgebracht werden. Die Freigabe eines unsinnigen Immobilienprojekts in Treytorrens (Puidoux) im Herzen vom Dezaley durch das Kantonsgericht brachte schliesslich das Fass zum Überlaufen. Nun wurde Beschwerde beim Bundesgericht eingereicht, und der Kampf gegen den PAC hat gerade erst begonnen.

Dank der von Franz Weber lancierten Initiativen ist der Schutz der Weinberge von Lavaux in der Waadtländer Verfassung verankert. Die Umsetzung des Schutzes dieses Gebiets wird vor Ort tagtäglich durch den Verein Sauver Lavaux unter der Führung von Suzanne Deblüe und Vera Weber sichergestellt. Ungeachtet des Verfassungsartikels und des Durchführungsgesetzes sowie der Aufnahme ins UNESCO-Welterbe und ins BLN, die die Lavaux vor der Gier der Immobilienhaie retten sollte, wird die Region Schritt für Schritt geschwächt und entstellt. Man erwartete, dass die kantonalen Behörden den Ton verschärfen würden, insbesondere im Rahmen der Ausarbeitung des lang ersehnten kantonalen Nutzungsplans (PAC) Lavaux, doch die Hoffnung war vergeblich.

Letzte Woche kündigte der Waadtländer Regierungsrat an, das Projekt des PAC Lavaux dem Grossen Rat zu übergeben, «mit einigen Vorschlägen für Änderungen der Vorschriften, die das Weinanbaugebiet, Häuschen und Steinmauern betreffen». Die Kantonsexekutive ignoriert damit komplett die 2019 von Sauver Lavaux und Helvetia Nostra gemeinsam mit anderen Organisationen formulierten Einwände und schlägt ein lediglich um «Nuancen» verändertes Projekt vor. Diese würden sich, statt in die Richtung eines umfassenderen Schutzes der Region zu gehen, weiter von der historischen Ausrichtung – dem Weinbau – entfernen. Gleichwohl ist es aber gerade diese Tradition, die die Landschaft prägt und geprägt hat und ihren Fortbestand sichert.

«2019 wiesen wir bereits auf bestimmte Schwächen und Unstimmigkeiten im PAC Lavaux hin. Insbesondere fand die versprochene Auflösung der Zonen bebaubarer Parzellen nicht statt. Zudem würden zu viele Ausnahmen die Immobilienentwicklung anstelle der für den Weinbau bestimmten Gebäude erlauben», erklärt Suzanne Deblüe, Präsidentin von Sauver Lavaux, «der Regierungsrat hat seine Verpflichtungen zum Schutz des Standorts nicht erfüllt und schlägt nun dem Grossen Rat vor, diese Verfehlungen für gültig zu erklären».

Der Trend, das Gebiet kontinuierlich zu verunstalten, zeigt sich deutlich vor Ort. Ein frappierendes Beispiel ist das Immobilienprojekt in Treytorrens (Puidoux), im Herzen vom Dezaley, inmitten von Lavaux, wogegen Sauver Lavaux und Helvetia Nostra 2020 vor dem Kantonsgericht Beschwerde eingelegt haben. Die beiden Organisationen sind der Ansicht, dass dieses Projekt, das gehobene Unterkünfte, ein Hotel, ein Restaurant, Geschäfte und eine Tiefgarage mit 49 Parkplätzen umfasst, in einem kleinen Weinbauort, der durch das ISOS (Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung der Schweiz) geschützt ist, absurd ist. Nichtsdestotrotz genehmigte das Kantonsgericht dieses Projekt.

Sauver Lavaux und Helvetia Nostra werden nicht aufgeben. Die Organisationen legten nun vor Bundesgericht Beschwerde gegen dieses Projekt ein. Das Kantonsgericht hat nicht alle relevanten Interessen korrekt beurteilt, insbesondere die Aufnahme des Weilers in das ISOS. Damit würde ein für den Schutz des Lavaux-Gebiets äusserst bedenklicher Präzedenzfall geschaffen.

«Mit diesem Vorgehen besteht die Gefahr, dass das Lavaux entstellt, verunstaltet und nach und nach zerstört wird, was die Anerkennung durch die UNESCO aufs Spiel setzt», warnt Vera Weber, Präsidentin von Helvetia Nostra. «Nachdem der Kanton seinen Verfassungsauftrag nicht ernst zu nehmen scheint, muss der Schutz dieses einzigartigen Erbes des Weinbaugebiets Lavaux auf nationaler Ebene geregelt werden, zunächst über das Bundesgericht». Sauver Lavaux und Helvetia Nostra werden bis zum Schluss kämpfen.

 

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