15.05.2019
Fondation Franz Weber

Barcelona schreibt Geschichte – Dessen Zoo wird zum ersten ZOOXXI!

Zoos auf der ganzen Welt zeitgemässen ethischen Standards anpassen und auf die stets akutere Bedrohung von Tierarten weltweit reagieren. Dies ist das Ziel von ZOOXXI. Der Zoo von Barcelona wird nun als erster Tierpark dieses vom Team der Fondation Franz Weber in Barcelona konzipierte Modell umsetzen. Das katalanische Parlament hat dies am 3. Mai 2019 in Barcelona mit grosser Mehrheit (26:12 Stimmen) beschlossen.

Es ist heute bekannt: Tiere sind fühlende, empfindsame Wesen mit bemerkenswerten kognitiven Fähigkeiten. Wir Menschen wissen, dass Tiere leiden, wenn sie in Gefangenschaft leben. Gleichzeitig wird die Klimakrise immer spürbarer. Am 6. Mai 2019 veröffentlichte der UNO-Weltbiodiversitätsrateinen Bericht, wonach heute rund eine Million Arten vom Aussterben bedroht sind. Daher ist es dringend erforderlich, alle möglichen Massnahmen zu ergreifen, um die Auswirkungen des menschlichen Handelns auf andere Lebewesen auf dem Planeten zu begrenzen. Das neue Zoomodell von ZOOXXI zielt darauf ab, einzelne Tiere, ganze Arten, die Biodiversität und Ökosysteme zu schützen, und keinesfalls zum weiteren Artensterben auf unserem Planeten beizutragen.

Nun wurde das innovative Modell für den Zoo des 21. Jahrhunderts – ZOOXXI – in Barcelona vom Parlament klar angenommen. Auf Veranlassung einer Bürgerinitiative hat die Stadt die Verordnung über den Schutz, den Besitz und den Verkauf von Tieren angepasst. Damit wagt die katalanische Hauptstadt den mutigen Schritt, das Zoo-Modell von heute, das nicht mehr zeitgemäss ist, nicht länger hinzunehmen. Vielmehr will Barcelona das Zoo-Modell weiterentwickeln und wird dies anhand seines Stadtzoos ganz konkret tun. Dieser beschränkt sich fortan nicht mehr auf das «Ausstellen»von Tieren aus aller Welt – egal ob bedroht oder nicht. Der Zoo von Barcelona wird sich nunmehr auch auf die Erhaltung und den Schutz von Tierarten und deren Lebensräumen vor Ort konzentrieren müssen.

ZOOXXI fordert von Zoos, den Grundsatz «Compassionate Conservation»anzuwenden. Das heisst, Zoos sollen auf das Wohlergehen von Tieren weltweit fokussieren und Zentren für wissenschaftliche Forschung zur Empfindungsfähigkeit und zum Bewusstsein von Tieren schaffen. Wissenschaftliche Studien und Pilotprogramme zeigen: Das Bildungsmodell von ZOOXXI, das auf dem Einfühlungsvermögen gegenüber Tieren basiert, trägt auch zur Verringerung von Mobbing in der Schule bei. Es stärkt das soziale Verhalten und fördert eine «Kultur des Friedens». Dank dieses neuen Konzepts wird sich der Zoo endlich wirklich seines Bildungswerts rühmen können.

Der Zoo von Barcelona – und jeder andere Zoo, der das ZOOXXI-Modell übernimmt – wird gleichzeitig auch ein Rettungs-, Rehabilitations- und Umsiedlungszentrum aufbauen. Hier werden verwundete, ausgesetzte, oder illegal gehandelte, beispielsweise von Behörden beschlagnahmte Tiere behandelt und betreut. Der Zoo bekommt eine neue Rolle: Statt der reiner Unterhaltung zu dienen, trägt er nun ganz konkret zum Tier- und Artenschutz bei. Lokal und global.

Zudem fordert ZOOXXI die Zoos auf, die eigenen Erhaltungsprogramme zu präsentieren, die der Zoo vor Ort (in situ), also in freier Wildbahn durchführt. Hierzu dienen neue, multidimensionale und immersive Technologien. Diese Programme in situ sollen sich durch die Einnahmen aus Eintrittsgeldern finanzieren. Damit werden die Besucher nicht nur in der Lage sein, die Tiere zu beobachten, die noch in den Zoos gehalten werden. Sie werden auch das artgemässe Verhalten der Tiere entdecken, die sie z. B. dank Live-Kameras in ihrer natürlichen Umgebung beobachten.

Die Fortpflanzung der Tiere in Zoos ist nur insofern vorgesehen, als dass diese effektiv zur kurz-, mittel- und langfristigen Erhaltung der Art beiträgt, oder deren Wiedereinführung in die Wildnis bezweckt. Zu viele Zoos benutzen die Zucht heute noch, um mit «Tierbabys» Besuchende anzulocken und nicht, um eine bedrohte Tierart zu erhalten.

Leonardo Anselmi, Direktor der Fondation Franz Weber für Südeuropa und Lateinamerika, freut sich, dass der Zoo von Barcelona nun weltweit der Erste sein wird, der das revolutionäre ZOOXXI-Konzept umsetzt: «Mit diesem Entscheid in Barcelona hat der Planet gewonnen, und die Skeptiker haben verloren. Menschen und deren Einfühlungsvermögen haben sich durchgesetzt. Ethik und Freiheit haben gesiegt, und wirtschaftliche Interessen im Zusammenhang mit Tiergefangenschaft und Artenhandel sind die grossen Verlierer. Wir haben einen Planeten zu retten, Millionen von Tieren zu erhalten, Tausende von Lebensräumen zu schützen, Hunderte von Zoos zu revolutionieren. Das Ziel ist dabei nicht, bloss den Zoo umzuwandeln, sondern den Umgang des Menschen mit Tier und Natur. Wir laden nach diesem Entscheid in Barcelona alle Zoos der Welt ein, das Tor zum 21. Jahrhundert zu öffnen.»

Vera Weber, Präsidentin der Fondation Franz Weber, ergänzt: «ZOOXXI wurde als Modell für die Zukunft der Zoos konzipiert, um sie an unsere Zeit anzupassen. Mit dem historischen Entscheid in Barcelona wird ZOOXXI nun zu unserer Gegenwart, in der Zoos Zentren zur Rettung, Pflege und Rehabilitation von Tieren darstellen. Ein Schritt nach vorn für unseren Planeten und für die menschliche Spezies. Diese wandelt ihre Vision der Herrschaft über alles Leben allmählich hin zu einer Vision des friedlichen Zusammenlebens mit allen Lebewesen.»

 

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