12.03.2020
Dr. Monica V. Biondo

Referendum gegen das Hafenbecken 3: Ein einzigartiges Natur-Refugium ist in Gefahr!

Das Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs des Badischen Bahnhofs: Seit Ende der 1980er-Jahre nicht mehr als solcher benötigt, wurde die Fläche im Auftrag des Kantons Basel-Stadt dennoch weiterhin gepflegt und offen gehalten. Warum dieser Aufwand? Das weite Gebiet bildet mit seinen ausgedienten Schienen und Schotterflächen einen einzigartigen Trockenlebensraum, wie es ihn in der Schweiz kaum mehr gibt, und ist somit zu einem Refugium für eine Vielzahl seltener und teils vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten geworden. Für den Laien auf den ersten Blick vielleicht nicht als solches erkennbar, gilt die Fläche heute als wertvollstes Naturschutzgebiet der Region. Doch nun soll sie mit einem riesigen Containerterminal überbaut werden – ein Skandal!

In Basel soll mit Steuergeldern ein neues Hafenbecken und ein riesiger Containerumschlagplatz gebaut werden (die FFW berichtete). Dabei versuchen die Initianten, dem unsagbaren Projekt einen «grünen Anstrich» zu verpassen. Tatsache ist jedoch, dass für das Bauprojekt tausende Tiere und Pflanzen ihr Leben lassen müssten.

Beim betroffenen Areal handelt es sich nicht um irgendeine beliebige ungenutzte Fläche, sondern um ein Gebiet, welches im Bundesinventar für Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung ist und als «Singularität» bezeichnet wird, weil es ein absolut einzigartiger Standort ist. In den letzten 100 Jahren sind in der Schweiz 95 Prozent aller Trockenlebensräume verschwunden. Es kann nicht sein, dass die verbleibenden fünf Prozent durch unsinnige Bauprojekte zerstört werden!

Gemäss Natur- und Heimatschutzgesetz und Trockenwiesenverordnung sind die Projektinitianten verpflichtet, für bestmöglichen Schutz, Wiederherstellung und angemessenen Ersatz der von der Natur eroberten Flächen zu sorgen. Die Projektinitianten sehen in ihren Plänen zu diesem Zweck unter anderem Naturkorridore und Totholzhaufen vor. Doch das heutige Areal nahe dem Badischen Bahnhof ist keinesfalls ein «toter» Betonplatz, der durch solche oder ähnliche Massnahmen aufgewertet werden könnte, sondern ein Naturschutzgebiet, welchem eben erst durch dieses Projekt die Zerstörung droht.

Die Umweltbehörden von Bund und vom Kanton Basel-Stadt sind aufgrund einer Berechnungsmethode mit Punktesystem zum Schluss gekommen, dass die Projektinitianten von «Gateway Basel Nord» und Hafenbecken 3 den Naturverlust, der auf dem ehemaligen Rangierbahnhof entstehen würde, ausserhalb des betroffenen Geländes durch ökologische Massnahmen ausgleichen könnten. Ein solcher Ersatz ist jedoch Augenwischerei: Der Standort, an welchem sich über Jahre zahlreiche Tier- und Pflanzenarten angesiedelt haben, kann nicht einfach an einem anderen Ort reproduziert werden. So könnte zwar bei der Realisierung des Projekts «zur Kompensation» an einem anderen Ort als Ersatzfläche zum Beispiel eine Aue aufgewertet werden. Die vor Ort betroffenen Tiere und Pflanzen, welche dem Hafenbecken 3 weichen müssten, würden dadurch aber nicht gerettet werden.

Ersatzmassnahmen dürfen nicht als Schutz derjenigen Tiere und Pflanzen verstanden werden, die am betroffenen Standort durch bauliche Eingriffe gefährdet werden. Ersatzmassnahmen sind lediglich eine Kompensation, denn die meisten Tiere und Pflanzen lassen sich nicht einsammeln und umsiedeln: Es sind Lebewesen, die ganz spezifische Ansprüche an ihre Umgebung haben, wie beispielsweise mikroklimatische Bedingungen, Bodenbeschaffenheit oder Pflanzengesellschaften. Siekönnen sich nicht an andere Lebensräume anpassen. In Anbetracht der Biodiversitätskrise in der Schweiz und weltweit ist ein solches Projekt darum schlicht ein Hohn und eine Geringschätzung der Natur, der Tiere und der Pflanzen!

Für die unverschämten Baupläne von Hafenbecken 3 und «Gateway Basel Nord» müssten tausende seltene und bedrohte Tiere und Pflanzen ihr Leben lassen!

Helfen Sie mit, damit dies nicht geschieht:

  • Die FFW bittet alle Stadt-Baslerinnen und -Basler das Referendum zu unterschreiben! Die Referendumsfrist endet bereits am 28. März 2020. (Hier geht’s direkt zum Referendumsbogen)
  • Sind Sie selbst keine Baslerin/kein Basler? Dann informieren Sie Ihre Familie, Ihre Freunde und Bekannten aus Basel-Stadt über das laufende Referendum, und bitten Sie sie darum, das Anliegen zu unterstützen!

 

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