23.11.2020
Julia Fischer

Nein zum Bau eines unnötigen Hafenbeckens im Naturschutzgebiet!

Am 29. November 2020 stimmt Basel über das Hafenbecken 3 ab. Kein Klimaschutz, sondern eine grosse zusätzliche Umweltbelastung würde mit dem Projekt nach Basel geholt. Und dafür vom Bund geschützte Natur ausgelöscht. Das darf nicht sein. Nein zum Hafenbecken 3!

Mit dem Schlagwort «Klimaschutz» versuchen die Projektinitianten, dem unnötigen Bau eines neuen, nicht praktikablen Hafenbeckens in Basel einen «grünen Anstrich» zu verpassen. Doch allein schon die Befahrung des Hafenbeckens 3 würde schifffahrtstechnisch eine bedeutende ökologische Belastung provozieren. Die Konstruktion wird vom Berufsstand der Schifffahrer als ineffizient und technisch untauglich abgelehnt: Um das neue Hafenbecken zu erreichen, müsste erst das bestehende Hafenbecken 2 passiert werden. Bei dessen Nutzung durch andere Schiffe würde es zu etlichen Verzögerungen und erschwerten Manövern kommen. Das Hafenbecken 3 – einen Kilometer landeinwärts, äusserst eng und mit einer 90-Grad-Kurve, die bei der Hinausfahrt rückwärts befahren werden muss – wäre für die Schiffe äusserst schwer manövrierbar, wobei jedes einzelne manuelle Steuermanöver zusätzliche Energie frisst und die Luft belastet.

Gleichzeitig bestätigen Logistik-Experten, dass Kosten und Zeitverlust für den zweimaligen Umschlag von Gütern – in Basel vom Schiff auf die Bahn und irgendwo in der Schweiz dann noch auf den Lastwagen – einen solchen Zwischenverlad auf die Bahn komplett unrentabel machen.
Diese grundlegende Tatsache wird durch den Bau eines neuen Hafenbeckens und Containerterminals nicht plötzlich beseitigt. Im Gegenteil: Die Zahl der umgeschlagenen Container in Basel soll durch die angestrebte Zentralisierung des Containerverkehrs massiv erhöht werden – und würde zu mehr als 100 000 zusätzlichen Lastwagenfahrten quer durch Basel führen.

Doch der Gipfel der Absurdität folgt erst. Für dieses umweltbelastende Mega-Projekt sollen grosse Teile des 200 000 Quadratmeter grossen Naturschutzgebiets, das über 3 000 verschiedenen, teilweise vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten einen einmaligen Lebensraum bietet, geopfert werden. Das Gebiet ist aufgrund seiner Einzigartigkeit im Bundesinventar der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung aufgenommen. Das Versprechen eines «angemessenen Ersatzes» der zerstörten Naturschutzflächen ist eine Farce: Der Standort – über die Jahre zu dem gewachsen, was er heute ist – kann nicht mit einem magischen Fingerschnippen transferiert werden – auch wenn dies die Projektbefürwortenden der Basler Stimmbevölkerung weis machen wollen. Der Wert einer zusammenhängenden Gesamtfläche ist immer unabdingbar grösser als eine ebensolche Fläche in kleinen Einzelteilen. Führt man sich die in der Region verstreuten «Ersatzflächen» vor Augen, wird deutlich, was hier auf dem Spiel steht: Käme der Bau des Hafenbecken 3 zustande, würden tausende im jetzigen Naturschutzgebiet lebende Tiere und Pflanzen ihr Zuhause und ihr Leben verlieren.

Zudem besonders stossend auf politischer Ebene: Für dieses Projekt, das die Steuerzahlenden hunderte Millionen Franken kosten soll, wurde nie ein öffentlicher Ideenwettbewerb ausgeschrieben. Das Hafenbecken 3 wird den Baslerinnen und Baslern aber nun völlig unkritisch als die «goldene Lösung» für das umstrittene Hafengebiet – seit Jahren ein Hotspot verschiedenster Interessen von Wirtschaft, Anwohnerinnen und Anwohnern, Politik und Öffentlichkeit – verkauft. Interessanterweise wären alternative Überlegungen durchaus vorhanden, wie die bestehende Hafeninfrastruktur neu genutzt und das betroffene Klybeckareal für die Öffentlichkeit erschlossen werden könnte. Doch die Alternativen wurden nicht geprüft – denn die wahren Interessen liegen woanders.

Gemeinsam mit dem Referendumskomitee fordert die Fondation Franz Weber einen grundlegenden Perspektivenwechsel, was die Zukunft der Hafennutzung in Basel betrifft – bevor dafür ein national und international bedeutsames Naturschutzgebiet unwiderruflich zerstört wird – und Millionen Steuerfranken für ein untaugliches Hafenbecken bachab geschickt werden.
Deshalb: Nein zum Hafenbecken 3 am 29. November!

 

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