22.06.2014
Anne Bachmann

Erfreuliche Neuigkeiten vom Col de l’Escrinet

Der französische Col de l’Escrinet ist eine Erfolgsgeschichte. Wo einst Wilderer auf Zugvögel knallten, sitzen heute Vogelschützer, zählen die Vögel und klären auf. Die Fondation Franz Weber sorgt dafür, dass dies weiter so bleibt.

Der Col de l’Escrinet: Ein Pass im südfranzösischen Ardèche Gebirge, neuralgisch für die Wanderroute zahlreicher Zugvögel. Hier lauerten ihnen die Wilderer auf, schossen illegal auf alles, was vorüberflog. Kaum jemand wehrte sich. Dann wurde die Fondation Franz Weber (FFW) zu Hilfe gerufen. Und diese kämpfte. Beharrlich und ausdauernd, seit 1998.

Nach Einberufung durch Franz Weber eines Tiergerichtshofes in Genf 1999 und einer internationalen Pressekonferenz 2001 in Aubenas
(Ardèche) gelang der FFW schliesslich der Erwerb einer Schlüsselparzelle, wo bis dahin Wilderer aus allen Rohren auf die Zugvögel gefeuert hatten. Seither ist es endlich still am Pass.

Fernglas statt Flinte
Ornithologen besetzen nunmehr den Ort anstelle der Jäger, mit Ferngläsern statt mit Flinten bewaffnet. Von Januar bis Mai, von frühmorgens
bis zur Abenddämmerung zählen und bestimmen Vogelfreunde die durchziehenden Vögel in unzähligen Beobachtungsstunden. Diesen Frühling wurden diverse Medienartikel zum Thema verfasst und vier Radiosendungen darüber produziert. Wichtig ist auch die Öffentlichkeitsarbeit der Ornithologen und Freiwilligen direkt vor Ort. So konnten sie allein diesen Frühling 979 Wanderer und Passanten auf den Vogelschutz aufmerksam machen.

Damit dies auch so bleibt, unterstützt die FFW weiterhin die Präsenz der Vogelschützer vor Ort, unter Leitung der französischen Vogelschutz-Liga Rhone-Alpen (LPO Rhône Alpes).

Die FFW hat ausserdem an der Generalversammlung der LPO am 24. Mai in Vallon-Pont-d’Arc teilgenommen. Diese zeigte einmal mehr eindringlich, wie wichtig die Präsenz der Vogelschützer am Pass ist, ganz besonders zur kritischen Zeit der Vogelzüge.

Wachsam bleiben
So haben diesen Frühling drei dauerhaft anwesende Ornithologen und 81 Freiwillige während 2500 Beobachtungsstunden 308›386 Vögel
gezählt. Sie machten 99 Arten aus, darunter Greifvögel wie den schwarzen Milan, Taubenvögel wie die Ringeltaube, Zugvögel wie den
Mauersegler, Singvögel wie den Buchfink. Zusammen mit Beobachtungen an andern Zugsorten und in den Brutgebieten liefern die Zählungen wertvollen Aufschluss über die Entwicklung und Bestände vieler Zugvogelarten. Mit einem Ende der Zählungen würden auch die Vogelschützer verschwinden; die Vogeljäger würden unweigerlich das Gelände wieder besetzen.

Zusammengefasst lässt sich nach der Teilnahme an der Hauptversammlung der LPO festhalten, dass das Beobachtungsgebiet am Col de
l’Escrinet sehr kompetent geführt wird. Die FFW freut sich darüber, dass die Vögel ein Gebiet, das einst fest in den Händen der Vogelwilderer
war, wieder in Beschlag genommen haben. Sie wird weiterhin darüber wachen, dass dies auch so bleibt.

 

Mehr Informationen:

  • Unsere Projektseite «Col de l’Escrinet»
  • Dieser Artikel wurde erstmals im Journal Franz Weber 108 publiziert. Die PDF-Version aller bisheriger Journale finden Sie hier.
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