22.03.2011
Fondation Franz Weber

Keine Ringeltaubenmassaker in der Ardèche

Jahrzehntelang lagen sich Zugvogeljäger und Umweltschützer in der südfranzösischen Ardèche wegen den Ringeltauben (Columba palumbus) in den Haaren. Der Col de l’Escrinet, berühmter Zugvogelpass, wo die Fondation Franz Weber vor zehn Jahren an strategischer Lage ein Grundstück zum Zweck der
Bewachung und Beobachtung der Vogelzüge erwarb, wurde nicht selten zum Schauplatz gewalttätiger Konfrontationen.

Denn jeden Frühling überfliegen Hunderttausende von Zugvögeln aus dem Süden – unter ihnen auch die von den Jägern so begehrten Ringeltauben – auf dem Weg in ihre nördlicher gelegenen europäischen Nistgebiete den Pass von Escrinet, wo ihnen die Vogeljäger auflauern.

Ärgerlich für sie ist nur, dass das Gros der Ringeltauben im März anfliegt und die Zugvogeljagd ab Ende Februar verboten ist. Die Jäger hatten deshalb schon im Oktober 2010 eine Ausnahme von der Europäischen Vogelschutzrichtlinie gefordert. Sie wollten im März auf 5 Pässen der
Ardèche 1500 Ringeltauben jagen. Die Ringeltaube sei nicht bedroht, behaupteten sie und pochten darauf, dass die Jagd auf Ringeltauben seit 1837 in der Ardèche eine Tradition sei.

Demgegenüber stehen jedoch die Resultate von Zählungen, die sowohl von den Jägern, vom französischen Jagdamt (Office national de la chasse) als auch von den Schutzvereinigungen auf drei Pässen der Ardèche durchgeführt wurden und die klar für eine Schonung der Ringeltauben im März sprachen. Zur grossen Erleichterung und Genugtuung der Vogelschützer wurde das Begehren der Jäger daher vom Umweltministerium abgelehnt.

«Dieser Entscheid dürfte das Ende des langen Krieges bedeuten, den wir gegen die Jägerschaft um das Recht auf Leben der Zugvögel führen
mussten. Dass wir dabei auf die Unterstützung und konkrete Hilfe der Fondation Franz Weber zählen konnten, ist unser grosses Privileg. Umso freudiger teilen wir daher mit Ihnen die gute Nachricht!» schrieb Pierre Athanaze, Präsident des Collectif Escrinet Col Libre am 9. Januar 2011 an die FFW – die ihrerseits diese Freude mit allen ihren Freunden und Gönnern teilt.

 

Mehr Informationen:

  • Unsere Projektseite «Col de l’Escrinet»
  • Dieser Artikel wurde erstmals im Journal Franz Weber 95 publiziert. Die PDF-Version aller bisheriger Journale finden Sie hier.
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