11.04.2020
Thomas Abel und Cécile Speitel

Rütihard – Landschaftsperle vor Basels Toren

In der aktuellen Zeit erweist sich Erholungsraum in der Natur mit Landwirtschaft als kostbarstes Gut. Dieses kollidiert auf der wunderschönen Rütihard oberhalb Muttenz mit wirtschaftlichen Interessen: Die Schweizer Salinen planen in dieser besonderen Landschaft Salz abzubauen. Gegen solche Art von Nutzung gibt es Widerstand in der Bevölkerung. Die Fondation Franz Weber unterstützt die Interessengemeinschaft.

Noch nie wurde die Rütihard oberhalb Muttenz so intensiv besucht wie seit diesem Frühling. Familien schieben ihre Kinderwagen auf die Anhöhe, Teenager suchen ihren Freiraum, wer einen Hund hat, führt ihn hier spazieren, Andere biken, joggen oder sind zu Pferd unterwegs. In dieser wunderschönen, vielfältigen Landschaft fühlt man sich frei von der Hektik, dem Lärm und dem Geruch einer städtischen Agglomeration. Der Blick kann in die Weite schweifen. Hierhin entführt, würden er und sie kaum ahnen, dass sich im Umkreis weniger Kilometer der am dritthäufigsten befahrene Autobahnabschnitt, der grösste Güterbahnhof und der gewaltigste Industriestandort der Schweiz befinden. Diese
Landschaftsperle vor Basels Toren ist nicht einzig für die Muttenzerinnen und Muttenzer ein wichtiger Erholungsraum oder Experimentierfeld für
Waldspielgruppen und Schulklassen. Hier hinauf kommen auch Menschen aus der Region, um in der Natur Ruhe und Abstand zum Alltag zu finden, um anderen Menschen zu begegnen und sich auszutauschen, als Familie an einer Feuerstelle, als Mitglieder von Jugendgruppen oder um sich durch Bewegung zu entspannen.

Was macht die Rütihard so besonders?
Wer hier hinaufsteigt, hat das Gefühl, die Stadt zu verlassen und in einer Oase der Ruhe einzukehren. Da die Rütihard ringsum von Wald umgeben ist – ein Teil davon ist Naturschutzgebiet – fühlt man sich abgeschirmt vom Siedlungsund Industriegebiet der Agglomeration Basel. Einzig das Krächzen von Krähen und das Klopfen von Grün-, Grau- und Buntspechten sind zu hören. Milane und andere Greifvögel kreisen am Himmel, ein Graureiher fliegt Richtung Rothallenweiher, um dort Nahrung zu finden, und wenn der Bauer das Feld pflügt, suchen Störche nach Würmern. Hier oben gibt es Weitblick über eine vielgestaltige, anmutige Landschaft, mehrere Kilometer bis hin zum Wartenberg und seinen Burgruinen. Keine Strommasten durchkreuzen die Sicht, und von den meisten Orten aus gesehen verbergen Bäume Industriekamine und Häuser.

Ist diese Landschaft wirklich schützenswert?
Die Rütihard ist ein Kulturraum mit hoher Biodiversität, mit Wald und gebuchteten Waldrändern, Hecken, vielen Hochstamm-Obstbäumen, Wiesen, Weiden und landwirtschaftlichen Nutzflächen. Kühe und Kälber sowie Schafe weiden hier, auch eine grosse Zahl von Pferden, denn im Südosten liegt ein Bauernhof mit Reitstall. Den ganzen Tag sind Reiterinnen und Reiter unterwegs auf den zumeist ungeteerten Strassen und Wegen. Zwei Bienenhäuschen sind Heimat für diejenigen Nutztiere, die für Befruchtung der Nutzpflanzen sorgen, wie Linsen, Kichererbsen, Kürbisse und natürlich für die Hochstamm-Kirsch- und Apfelbäume. Dank der Anzahl ökologischer Nischen und Lebensräume gibt es auch
eine grosse Vielfalt an Pflanzen und Tieren zu erleben. Die Rütihard grenzt im Osten und Südosten an Naturschutzgebiete und gehört selber in die Landschaftsschutzzone. Das bedeutet: Hier darf Landwirtschaft betrieben werden, diese unterliegt aber strengen Vorschriften. So dürfte beispielsweise der Anbau von Gemüse nicht mit Plastikfolien abgedeckt werden. Auch das Aufstellen eines grösseren Stalles für Kühe oder Schafe ist nicht erlaubt.

Landwirtschaft und Natur – Zusammenspiel oder Widerspruch?
Lokal statt global! Was auf der Rütihard angebaut und geerntet wird, erreicht in erster Linie den Hofladen: Kartoffeln, Weizen, Urdinkel, Gerste, Linsen oder Kichererbsen. Fünf Landwirte bewirtschaften schonend nach den Standards der Integrierten Produktion das Land.

Sie haben insgesamt fünfzig Hektaren von der Bürgergemeinde Muttenz gepachtet, die fast alles Land wie auch den umgebenden Wald besitzt. Die Weiden, das Gras der Wiesen, und der Kulturmais dienen vor allem der Fütterung der Schafe, Rinder oder Pferde des eigenen Betriebs. Gedüngt wird hauptsächlich mit organischem Dünger aus dem eigenen Viehbestand. Der Name Rütihard bedeutet nichts anderes als «gerodeter Wald». Vor mehreren tausend Jahren – in der Jungsteinzeit – wurde der ursprüngliche Wald auf der Rütihard gerodet. Es gibt Stimmen, die die Rütihard am liebsten wieder dem Lauf der Natur übergeben möchten. Eine sogenannt naturbelassene Rütihard mit reinem Wald wäre allerdings ökologisch gesehen stark verarmt. Die Artenvielfalt ist im offenen Kulturraum mit Hecken und Nischen grösser als im Wald. Hinzu kommt: Die auf der Rütihard vorkommenden Lössböden gehören zu den besten Ackerböden der Schweiz – umso mehr der geeignete Ort, Lebensmittel für die Region zu produzieren.

Bedrohung durch Salzabbau-Projekt
Die Landschaftsperle Rütihard ist aktuell bedroht durch ein 40 Jahre dauerndes Salzabbau-Projekt der Schweizer Salinen AG. Der Schweizer Salzmonopolist baut bereits seit einem halben Jahrhundert in Muttenz Salz ab. Aus 72 Bohrlöchern deckt Muttenz seit 50 Jahren die Hälfte des Schweizer Salzbedarfs. Nun planen die Salinen, die Rütihard zum nächsten Salzabbaugebiet von Muttenz zu machen, obwohl die Salzvorräte unter der Rütihard gerade mal für maximal 9 Jahre den Salzbedarf der Schweiz decken könnten. Sie wollen diese besonders schöne Landschaft ab 2025 flächendeckend mit 30 Bohrlöchern und einem Netzwerk von Wasser-, Sole-, Strom- und Stickstoffgasleitungen überziehen. Gräben würden ausgehoben und während Jahrzehnten würde die Rütihard immer wieder zur Grossbaustelle, von unabsehbaren geologischen Risiken ganz zu schweigen. Nach 30 bis 40 Jahren wäre das Salzfeld ausgebeutet. Zurück blieben 30 riesige mit Salzwasser und Produktionsabfällen gefüllte Hohlräume in 200 bis 300 Meter Tiefe. Zurück blieben auch die im Boden versenkten Leitung und die zubetonierten Flächen der Bohrpätze, als Narben auf und unter der Erde, die Mikroflora, Mikrofauna und Fruchtbarkeit beeinträchtigend.

Fazit
Die Rütihard ist eine grüne Oase der Ruhe in Muttenz, wo Landwirtschaft und Natur zusammenwirken, ein Erholungsund Erlebnisraum, der für die Menschen in der Agglomeration wichtig ist, je länger je mehr. Die Integrität dieser Landschaft darf nicht dem Abbau des heute billigen und weltweit im Überfluss vorhanden Rohstoffs Salz geopfert werden – es gibt ökonomisch und ökologisch bessere Alternativen.

 

Mehr Informationen:

  • Unsere Projektseite «Salzabbau auf der Rütihard»
  • Dieser Artikel wurde erstmals im Journal Franz Weber 132 publiziert. Die PDF-Version aller bisheriger Journale finden Sie hier.
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