10.01.2020
Leonardo Anselmi

Portugal: Bald keine Minderjährigen mehr an den Stierkämpfen

«Kindheit ohne Gewalt»: Seit 2012 fordert dies die Fondation Franz Weber (FFW) in ihrer Kampagne, welche Kinder vor der Gewalt des Stierkampfs schützen will. Die Arbeit der FFW findet beim Kinderrechtsausschuss der Vereinten Nationen Beachtung und zeigt Wirkung – jüngstes Beispiel dafür ist Portugal.

Für uns absolut unverständlich, aber leider auch Ende 2019 nach wie vor eine traurige Tatsache: In acht Ländern auf der Welt ist der Stierkampf noch immer zulässig. Doch die Fondation Franz Weber (FFW) will den grausamen Praktiken in diesen Ländern ein für alle Mal ein Ende bereiten.

Stiere werden gequält und die Kinder leiden
Dazu steht sie im Rahmen ihrer Kampagne «Kindheit ohne Gewalt» insbesondere auch in Kontakt mit dem UN-Kinderrechtsausschuss. Dieser ist für die Umsetzung des UN-Übereinkommens über die Rechte des Kindes zuständig. Die FFW legte dem Ausschuss 2018 eine umfassende Dokumentation vor über die Auswirkungen des Stierkampfs auf Minderjährige in Portugal. Darin wurden schwere Unfälle, an denen Kinder beteiligt waren, dokumentiert, Eindrücke aus Besuchen von Stierkampfschulen beschrieben, welche komplett unreguliert und unkontrolliert sind, und Aussagen von Kindern, die im Laufe der in Portugal organisierten Veranstaltungen mit Stieren äusserst brutale oder sogar tödliche Unfälle miterlebten, schriftlich festgehalten.
Nun hat der Kinderrechtsausschuss seinen jüngsten Bericht über die Umsetzung der Kinderrechtskonvention in Portugal veröffentlicht und hält fest: Kinder der Gewalt des Stierkampfs auszusetzen, stelle einen Verstoss gegen die Kinderrechtskonvention von 1989 dar. Der Stierkampf wird vom Ausschuss deshalb als «Gewalt gegen Kinder» taxiert.

Dokumentation der FFW zeigt Wirkung
Aus diesem Grund legt der Bericht fest, dass das Mindestalter, um Stierkämpfen beizuwohnen oder gar daran mitzuwirken, sowie um Stierkampfschulen zu besuchen, «ausnahmslos» 18 Jahre betragen muss. Portugal wird ermahnt, Massnahmen durchzuführen, um Beamte, Medien und die Bevölkerung für die negativen Auswirkungen des Stierkampfs auf Minderjährige zu sensibilisieren. Denn diese treten auch dann auf, wenn Jugendliche und Kinder der Gewalt an solch makabren «Festen» nur schon zusehen müssen. Vielen scheint dieser Umstand bisher noch zu wenig bewusst.

Portugal kündigt Massnahmen an
Der UN-Bericht lässt keinen Zweifel daran, dass der portugiesische Staat sich klar positionieren und seine Rechtsvorschriften an die Empfehlungen des Kinderrechtsauschusses anpassen muss. Die derzeitige Regierungspartei des Landes kündigte in der Folge auch bereits an, Massnahmen zur Umsetzung der UN-Empfehlung zu ergreifen und dem in der FFW-Kampagne «Kindheit ohne Gewalt» aufgestellten Postulat Rechnung zu tragen. Ein wichtiges Zeichen des Erfolgs unserer langjährigen Arbeit!

 

Zugang zum Bericht der Schlussbemerkungen des Ausschusses für die Rechte des Kindes (2019). (Der Text ist auf Englisch verfügbar): https://tbinternet.ohchr.org/Treaties/CRC/Shared%20Documents/PRT/CRC_C_PRT_CO_5-6_37295_E.pdf

 

  • Dieser Artikel wurde erstmals im Journal Franz Weber 130 publiziert. Die PDF-Version aller bisheriger Journale finden Sie hier.
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