06.04.2020
Fondation Franz Weber

#WeilWirTiereEssen: NIPAH-Virus (NiV)

Was ist Nipah? In Europa wenig bekannt, hat der Virus, der eine Gehirnentzündung auslösen kann, seit 1998 in Asien mehrfach um sich gegriffen. Als kritischer Faktor für die Ansteckung des Menschen stellte sich insbesondere die intensive Nutztierhaltung von Schweinen heraus. Um die weitere Verbreitung des Virus einzudämmen, wurden in Malaysia in der Folge eine halbe Million Schweine vorsorglich getötet.

 

Entstehung: Nipah ist eine zoonotische Krankheit, das heisst, sie wird vom Tier auf den Menschen übertragen. Der natürliche Wirt des Virus ist der fruchtfressende Flughund (Gattung Pteropus) ist. Drei Übertragungsarten auf den Menschen wurden bisher entdeckt:

Land: Malaysia, Bangladesch und Indien (WHO).

Jahr/erste Fälle: Zum ersten bekannten Ausbruch kam es zwischen 1998 und 1999 in Malaysia (Seither wurde in Malaysia kein weiterer Ausbruch gemeldet). 2001 wurde ein erneuter Ausbruch in Bangladesch festgestellt — seither bricht die Seuche dort beinahe jedes Jahr aus. Zudem wurde die Krankheit periodisch in Ostindien festgestellt (WHO).

Letalität: Ausbruch in Malaysia 1998/1999: 105 Personen (Looi und Chua, 2007). Ausbruch in Bangladesch 2001/2018: 198 Personen (WHO). Ausbruch in Indien 2001/2018: 62 Personen (WHO).

Symptome: Bei infizierten Personen zeigen sich zunächst Symptome, zu denen Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Erbrechen und Halsschmerzen gehören. Es können Schwindel, Schläfrigkeit, Bewusstseinsveränderungen und neurologische Symptome folgen, die auf eine akute Gehirnentzündung (Enzephalitis) hinweisen. Bei einigen Patienten können zudem eine atypische Lungenentzündung und schwere Atemprobleme bis hin zu akuter Atemnot auftreten. In den schwersten Fällen kommt es zu Enzephalitis und Krämpfen, die innerhalb von 24 bis 48 Stunden zum Koma führen. (WHO)

Einige soziale und politische Konsequenzen:

Singh et al. (2019) zufolge ist die Tierhaltung, die in zahlreichen asiatischen Ländern eine zusätzliche Einkommensquelle bildet, ein begünstigender Faktor für die Entstehung neuartiger Zoonosen wie Nipah (Bhatia und Narain, 2010). Wie einige Studien ergaben, liegt die Ursache für das Auftreten von Nipah in der Interaktion zwischen wilden Tieren (Flughunden) und Nutztieren, die in intensiver Viehwirtschaft gehalten werden (Daszak et al., 2013).

Die Krankheit griff von Malaysia auf Singapur über, wurde dort allerdings durch ein vollständiges Importverbot von Schweinefleisch aus Malaysia rasch eingedämmt. Zugleich führte das Auftreten des Virus in Malaysia dazu, dass über eine Million Schweine gekeult (vorsorglich getötet) und mindestens die Hälfte der Zucht in der Inselregion des Landes ausgelöscht wurde (Steele, P, G. et al., 2006). Da die Letalität des Virus sozioökonomisch und geographisch begrenzt blieb, wurden nicht die gleichen Anstrengungen zur Entwicklung eines Impfstoffs unternommen wie bei anderen Pandemien. Denn von der Nipah-Infektion war ausschliesslich eine bestimmte Gruppe armer Gemeinden in ländlicher Abgeschiedenheit betroffen, was die Erprobung eines potenziellen Impfstoffs erschwerte. Auch die wirtschaftlichen Anreize für die Forschung waren daher gering (Román, 2018).

In der Schweinezuchtindustrie, insbesondere in der Region Bikut Pelanduk, wurden keine hochqualifizierten Arbeitskräfte eingesetzt. Die dort angestellten Arbeiter und ihre Familien bestritten seit Generationen ihren Lebensunterhalt mit der Aufzucht von Schweinen. Nach der grossflächigen Schliessung der Betriebe waren die betroffenen Familien deshalb konfrontiert mit mangelnder Bildung und in der Folge mangelnden Beschäftigungsaussichten. Ihre wirtschaftliche Situation verschlechterte sich rapide (Chi Wan, NG. et al., 2009).

Die weiter reichenden wirtschaftlichen Auswirkungen des Nipah-Ausbruchs in Malaysia von 1998 werden auf einen Verlust von 582 Millionen US-Dollar geschätzt. Von den Verlusten betroffen waren auch Sektoren, die indirekt mit der Schweineindustrie in Verbindung stehen (zum Beispiel die Futtermittelversorgung). Schätzungsweise 36‘000 Menschen in verschiedenen anderen Sektoren verloren ihren Arbeitsplatz (De Smith et al., 2019).

 

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