17.08.2020
Fondation Franz Weber

Medienmitteilung: Rehe auf dem Friedhof am Hörnli – Die Fondation Franz Weber und Helvetia Nostra begründen ihren Rekurs und fordern unblutige Alternativen

Im vergangenen Mai hatte die Kantonspolizei des Kantons Basel-Stadt den Abschuss von Rehen genehmigt, die auf dem baselstädtischen Friedhof am Hörnli – dem grössten Friedhof der Schweiz – leben. Dank eines Rekurses der Fondation Franz Weber (FFW) konnten die Abschüsse bisher verhindert werden. Am 15. August 2020 hat die FFW ihre Beschwerde gegen die erteilte Abschussbewilligung auf dem Friedhof am Hörnli rechtlich begründet, und damit verbunden konkrete Forderungen formuliert: Die Abschusserlaubnis muss annulliert werden. Mit einem neuen Wildtiermanagement soll künftig auf diesem einzigartigen Friedhof ein alternativer Weg begangen werden – ohne Tötung der friedlichen Rehpopulation.

Der Friedhof am Hörnli in der Gemeinde Riehen (BS) ist ein spezieller Ort der Andacht: Seit etlichen Jahren leben Rehe in dieser eigens angelegten Ruhestätte in unmittelbarer Nähe des Waldes und spenden den Besuchenden zusätzlichen Trost und Frieden – sei es bei einer spontanen Begegnung am Fusse eines Baumes, oder beim Spaziergang entlang der Friedhofspfade. Seit vergangenem Mai müssen die Angehörigen der Verstorbenen nun befürchten, dass die sanften Tiere in der Nähe der Gräber ihrer Familien getötet werden. Weil sie Blumen fressen, die als Grabschmuck dienen, und damit eine gewisse «Unordnung» schaffen, sollen einige der Rehe erschossen werden. Am 12. Mai 2020 erteilte die Polizei eine entsprechende Abschussgenehmigung, um die Rehpopulation auf dem Friedhof zu dezimieren.

Unschuldige Tiere töten, nur weil sie Blumen fressen? Unvorstellbar für die Fondation Franz Weber und Helvetia Nostra, die dagegen beim Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt Rekurs eingelegt haben. Die Rehe haben so eine Verschnaufpause erhalten, da die aufschiebende Wirkung des Rekurses es nicht erlaubt, sie während des Verfahrens zu töten.

Gemeinsam mit der Friedhofsverwaltung, der Stadtgärtnerei und Wildexperten nimmt die FFW zudem an Gesprächen am Runden Tisch teil, um geeignete Alternativen zur Tötung der Tiere zu finden, und somit die Friedhofsverwaltung dabei zu unterstützen, die Rehpopulation zu kontrollieren, ohne tödliche Massnahmen ergreifen zu müssen. Der Runde Tisch ist derzeit im Gange.

Die FFW und Helvetia Nostra begründeten zudem am 15. August 2020 innerhalb der vom Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt gesetzten Frist ihren Rekurs und stellten dabei konkrete Anträge: Die Abschussgenehmigung muss annulliert werden, denn es hätten bestimmte Massnahmen getroffen werden müssen, bevor der Entscheid zum Abschuss der Tiere getroffen wurde. Insbesondere hätten die Behörden eine Studie erstellen müssen, um bessere Informationen über die Rehgruppen auf dem Friedhof am Hörnli zu erhalten. «Ohne genaue Kenntnisse über das Alter der Tiere, ihre Anzahl, Bewegungen, Gewohnheiten und Fütterungsbedürfnisse ist es unmöglich zu bestimmen, wie man sie am besten regulieren kann, ohne sie zu töten», sagt Vera Weber, Präsidentin der FFW, die ebenfalls am Runden Tisch teilnimmt. «Wir möchten die Friedhofsverwaltung unterstützen, ein friedliches Zusammenleben mit den Rehen auf dem Hörnli zu ermöglichen.»

Eine solche Studie soll deshalb dringend erstellt werden. Darauf basierend könnte der jetzige Friedhofsbewirtschaftungsplan überarbeitet werden, um die Anwesenheit von Rehen, insbesondere bei der Planung der täglich anfallenden Unterhaltsarbeiten, mit einzubeziehen.

Die FFW und Helvetia Nostra sind zuversichtlich, dass eine Einigung zwischen den Teilnehmenden am Runden Tisch gefunden werden kann, um das Wildtiermanagement zum Wohle aller zu verbessern. Gleichzeitig wird das juristische Verfahren fortgesetzt – in der klaren Hoffnung, dass sich das kantonale Departement offen zeigen wird für das Schicksal der friedlichen Rehe auf dem Friedhof am Hörnli.

 

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